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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM spielt: The Voice of Germany

-ARCHIV-

Das Game zur erfolgreichen Musik-Castingshow

Spielspaß und Langzeitmotivation gehen verloren

Das meiste Geld ging bei der Entwicklung des Karaokespiels zur Talentshow The Voice of Germany offensichtlich für Lizenzkosten für Musik und die dazu gehörigen Videos drauf. Das Spiel enthält immerhin 30 mehr oder weniger aktuelle Charthits, von denen fast die Hälfte von deutschen Interpreten stammt. Im Getümmel der Karaokespiele, vor allem für die Plattform Wii, steht das Spiel auf den ersten Blick gut da, auch wenn vielleicht nicht jeder Song wirklich Karaoke-tauglich ist. Das macht sich allerdings erst bemerkbar, wenn man den TV-Show-Modus startet, der mit Anlehnung an die namengebende Vorlage das Herzstück des Spiels darstellt.

Spielerisch hat es der TV-Show-Modus ganz schön in sich. Darf man sich anfangs noch einen Song für die Blind Audition aussuchen, wird es im Verlauf der vier Runden bei The Voice of Germany immer schwieriger. Denn nach den Blind Auditions muss man eines von sechs Songpaketen mit je drei Songs wählen, die man in den darauffolgenden Runden nacheinander singen muss. Wie die drei Songs zusammengestellt sind, wird zufällig entschieden. Die Chance ist also groß, dass immer mindestens ein Song dabei ist, den man nicht mag und/oder nicht beherrscht.

Damit man eventuelle Unsicherheiten ausbügeln kann, muss man vor jeder Runde mindestens einen Song zur Probe singen, bevor man die Runde starten darf. Das bedeutet, dass man jeden der drei gewählten Songs mindestens zweimal singen muss, was auf Dauer nervt – vor allem wenn man die Songs schon gut beherrscht oder absolut nicht mag. Damit nicht genug, steigt der Schwierigkeitsgrad von Runde zu Runde. Hat man anfangs noch Text und Notenbalken auf dem Bildschirm sowie den Originalgesang im Hintergrund, fallen später die Notenbalken und schließlich sogar Text und Originalgesang weg. Wer den Song also nicht aus dem Effeff beherrscht und sich bei der Auswahl der Songs verkalkuliert hat, wird das Finale höchstens mit Ach und Krach bestehen.

Das mag zwar im Sinne der Castingshow realistisch sein, aber Spielspaß und Langzeitmotivation gehen dabei ganz schnell verloren. Denn, wenn man die Runden immer irgendwie überstehen und auch mit mäßigem Gesang und bloßem Gesumme statt des Textes "The Voice" werden kann, wirkt das angesichts des eigentlich hohen Anspruchs an die Karaoke-Leistung lächerlich. Vor allem, weil man nach den Blind Auditions in den Gesangsduellen gegen die Original-Interpreten antritt, die den Song eigentlich perfekt beherrschen müssten. Andere Kandidaten gibt es beim Wii-Ableger der Castingshow nämlich nicht.

Trostloses Setting

Dazu kommt die lieblose technische und optische Umsetzung des Spiels, die dem Ganzen die Krone aufsetzt. Denn ProSiebenSat1 hat die Juroren Rea Garvey, Nena, Boss Hoss oder Xavier Naidoo nicht für das Spiel verpflichtet, so dass man von Jurymitglied A, B, C und D bewertet wird. Die Spannung, welches Jurymitglied bei den Blind Auditions auf den roten Buzzer drückt, ist somit nicht vorhanden. Damit fehlt dem Spiel ein wesentlicher Bestandteil der Show, was man auch an den eingeblendeten Videosequenzen merkt, die sich an der Inszenierung aus dem Fernsehen orientiert. Da schenkt die Kamera in vorgefertigten Videos über die Schauplätze der Sendung, die menschenleer sind. In diesem trostlosen Setting will einfach keine Stimmung aufkommen.

Schlimmer ist eigentlich nur noch der oft für viele Sekunden auftauchende Ladebildschirm, auf dem das "Voice of Germany"-Logo immer wieder in Epilepsie gefährdendem Ausmaß aufblitzt. Technisch genauso wenig überzeugt die Gesangserkennung, die laut Produktbeschreibung so exakt wie keine vor ihr sein soll. Das mag stimmen, überprüfen lässt sich diese Aussage aber nicht. Denn das Spiel bietet keine Möglichkeit, dass man seine Fehler beim Gesang erkennt. Dazu dient normalerweise die grafische Darstellung der Tonhöhen in Form von verschieden hohen Balken auf dem Bildschirm, doch die passt nur selten zu dem, was gesungen werden soll. Daran könnte man sich normalerweise orientieren und seinen Gesang anpassen, wenn man nicht jeden Song in- und auswendig beherrscht. Doch so sind die Balken auf dem Bildschirm höchstens Deko und nicht zu gebrauchen.

Wer vom Alleinsingen die Nase voll hat, kann abseits vom TV-Show-Modus zu zweit im Duett oder Duell antreten. Und wer nicht einmal mehr singen will, nutzt den Jukebox-Modus und lässt die Musikvideos im Vollbild in zufälliger Reihenfolge über den Bildschirm flimmern.

Fazit

Finger weg vom virtuellen Gesangs-Casting! The Voice of Germany ist eine lieblose, billig zusammen geschusterte Umsetzung des Fernseherfolgs, die mit anderen Genrevertretern nicht mithalten kann. Das Gesangsspiel taugt weder als Couch-Casting für Zuhause noch als vollwertiges Karaoke-Erlebnis. Schade um die abwechslungsreiche Songauswahl und die verpulverten Lizenzgebühren.

Übersicht: Trackliste "The Voice of Germany"

Aura Dione - Geronimo Bruno Mars - Grenade Cascada - Summer Of Love Christina Perri - Jar Of Hearts Christina Stürmer - Ich lebe David Guetta feat. Usher - Without You Empire of the Sun - We Are The People Frida Gold - Wovon sollen wir träumen? Gossip - Love Long Distance Hurts - Wonderful Life Ivy Quainoo - Do You Like What You See Jan Delay - Oh Johnny Juli - Dieses Leben Katie Melua - Nine Million Bicycles Kelly Clarkson - Stronger Kraftklub - Songs für Liam Lady Gaga - Born This Way Lana Del Rey - Video Games Lena - Satellite Luxuslärm - Atemlos Milow - You & Me Nena - 99 Luftballons Nickelback - When We Stand Together Nicki Minaj - Starships Sportfreunde Stiller - Ein Kompliment Stefanie Heinzmann - Diggin’ In The Dirt Taio Cruz - Troublemaker Tim Bendzko - Nur noch kurz die Welt retten Unheilig - So wie du warst Wheatus - Teenage Dirtbag

 

The Voice of Germany

Getestet für: Nintendo Wii

Kostet: ca. 40 Euro (Standalone)/ ca. 70 Euro (Bundle mit 2 Logitech-Mikrofonen)

Freigegeben: ohne Altersbeschränkung

Mehr Infos: www.bitcomposer.de

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