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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM spielt: Uncharted 3

-ARCHIV-

Großes Abenteuer-Kino in Spielform

Rauch steigt auf. Brennende Balken fallen auf Nathan Drake, der Held von Uncharted 3, herab. Die Decke stürzt ein. Das Inferno ist aber nicht sein einziges Problem: Ganoven haben das französische Schloss gestürmt und nehmen den Schatzsucher unter Beschuss. Nur ein beherzter Sprung aus dem Fenster kann Drake retten. SCHNITT. Nathan Drake liefert sich auf der offenen Laderampe eines Flugzeugs in luftiger Höhe einen Kampf um Leben und Tod. Mehrfach droht er, in die Tiefe zu fallen. Letztlich stürzt der komplette Flieger ab – mitten in der Wüste Rub al-Khali. Drake rappelt sich auf, buddelt eine AK-47 aus dem Sand und marschiert los. SCHNITT. Der Held klettert unter heftigem Beschuss eine Wand hoch. Er lässt sich nicht beirren, schießt zurück und bringt einige Schurken zur Strecke. Oben angekommen, folgen weitere. SCHNITT. 

Die beschriebenen Szenen sind nicht aus Indiana Jones oder der „National Treasure“ Reihe mit Nicolas Cage, sondern aus Uncharted 3: Drake’s Deception, dem exklusiven Videospiel-Blockbuster für Sonys Playstation 3. Seit 2007 schickt das Entwicklerstudio Naughty Dog den liebenswerten Abenteurer auf die Jagd nach mystischen Artefakten rund um den Globus. Ein filmreifer Moment reiht sich dabei an den nächsten. Die bahnbrechende Inszenierung der Reihe macht die Titel zu einem System-Seller für Sony: Menschen kaufen die teure Playstation 3 nur um diese Titel zu spielen. Das ist auch bei Uncharted 3 so.

Angesichts des schieren Bombasts der Inszenierung spielt die Handlung eine eher untergeordnete Rolle. Was nicht abwertend klingen soll. Titelheld Nathan Drake ist diesmal auf der Suche nach der legendären Stadt Iram, dem „Atlantis der Wüste“. Gemeinsam mit seinem Freund und Mentor Victor „Sully“ Sullivan, der Schatzsucherin Chloe Frazer, dem Haudrauf Charlie Cutter und der Journalistin Elena Fisher, reist er um die Welt, um die sagenumwobene Stadt zu erreichen. Dabei verschlägt es das Team in die Katakomben Londons, ein Schloss in Frankreich und letztlich in die Rub al-Khali, der größten Sandwüste der Erde. Die skrupellose Geheimbund-Chefin Katherine Marlow und ihre Schergen bleiben den Schatzsuchern dabei stets auf den Fersen (und dienen dem Spieler als gefundenes Kanonenfutter). 

Das Skript überrascht mit einigen wilden Plotwendungen, die selten logisch, aber stets fantastisch inszeniert sind – ganz wie bei Indiana Jones. Glücklicherweise wird den Figuren ein wenig Raum zum Menscheln gelassen, was dem temporeichen Geschehen die nötige Tiefe verleiht. Besonders erwähnenswert sind hier die spielbaren Rückblenden, die das Verhältnis von Nathan Drake zu seinem Mentor Sully näher beleuchten.

Solide Spielmechanik, toller Multiplayer-Modus

Von der Spielmechanik bietet Uncharted 3 wenig Revolutionäres. Wie schon damals in Tomb Raider wird geschossen und geklettert, zwischendurch mal ein kleines Rätsel geknackt (dessen Lösung nach ein paar tatenlosen Minuten des Spielers auch im einsehbaren Notizbuch des Helden erscheint) und ab und an ein Faustkampf absolviert. Was das beeindruckende Ganze, das Uncharted 3 zusammenhält, wirklich ausmacht, ist die filmische Inszenierung. Die eingangs beschriebenen Szenen würden auf der großen Leinwand nicht minder bombastisch daherkommen. Wie in den großen Abenteuerfilmen der 80er oder rasanten Actionfilmen der 90er zelebriert Entwickler Naughty Dog Überwältigung im Minutentakt. 

Uncharted 3 sieht fantastisch aus (die tollen Schnee-Effekte aus Teil 2 der Reihe wurden mit den Sandeffekten der Rub al-Khali noch übertroffen). Die Feuergefechte strotzen vor Dynamik, die Klettereinlagen vor Dramatik und die Hintergründe rauben einem stellenweise den Atem. Zudem rundet der orchestrale Soundtrack das Filmerlebnis ab. Diese auf Hochglanz polierte Inszenierung setzt das Spiel von den anderen Tripple-A Titeln dieses Jahres (Batman: Arkham City, Assassin’s Creed: Revelations, Gears of War 3) ab. Der ordentliche Mehrspielermodus, der gängige Varianten wie Deathmath, Team-Deathmatch und eine Survival-Variante, in der eine computergesteuerte Gegnerwelle nach der anderen ausgeschaltet werden muss, sorgt zudem für Langzeitmotivation.

Die Filmhaftigkeit des Spiels hat jedoch auch ihre Nachteile: Der Weg durch die Level ist streng vorgegeben. Wandern abseits der festgelegten Pfade ist kaum möglich. Kommt der Spieler an einer Stelle nicht weiter, nimmt ihn das Programm an die Hand. Das Tempo muss schließlich hoch gehalten werden. Nichts soll zwischen dem Spieler und der Klimax stehen. So kommt es auch, dass der Spieler kaum eine Wahl hat, wie er das Spiel angeht. Er ist Passagier auf einem wilden Ritt, der sich von einem filmreifen Wow-Moment zum nächsten hangelt. Das wird nicht jedem gefallen. Andererseits spalten Sandbox-Spiele wie GTA auch die Spielerlandschaft.  

Fazit

Hätten George Lucas, Michael Bay, Lara Croft und Indiana Jones gemeinsam ein Kind, es würde genauso aussehen wie Uncharted 3. Ein Spiel gewordener Film, der die inszenatorischen Grenzen des Mediums Videospiel komplett ausreizt. 

 

 

Uncharted 3 - Drake's Deception

Plattform: Playstation 3 (exklusiv)

Altersfreigabe: ab 16 Jahren 

Preis: ca. 50 Euro

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