XCOM: Enemy Unknown | Foto: 2K
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM spielt: XCOM: Enemy Unknown (IOS)

-ARCHIV-

Krieg der Welten im Taschenformat

Als Weltnation gegen die Außerirdischen

"Es existieren nur zwei Möglichkeiten: Entweder wir sind allein im Universum oder wir sind es nicht. Beide sind gleichermaßen beängstigend." Mit diesem Zitat des Sci-Fi-Schriftstellers Arthur C. Clarke eröffnet XCOM: Enemy Unknown stimmungsvoll den Einstieg in die Kampagne. Nur um im unmittelbar darauf folgendem Intro-Video klarzustellen, dass das Alleinsein vielleicht doch die weniger angsteinflößende Eventualität sein könnte.

Wir werden Zeuge, wie eine Raumkapsel extraterrestrischen Ursprungs meteoritengleich inmitten einer belebten Stadtkulisse einschlägt. Als sich die Passanten scharenweise voller Neugier um die Absturzstellen sammeln, beginnt sich der mysteriös leuchtende Behälter zu öffnen. Was kurz darauf seinem Inneren entsteigt, ist nicht etwa ein freundlich winkendes Begrüßungskomitee vom anderen Stern, sondern eine gasförmige Substanz, die alle Umstehenden blitzschnell zu Boden gehen lässt. Während die Übrigen daraufhin panisch die Flucht ergreifen, braucht es nur einen kurzen Blick gen Himmel, um  sicher zu sein, dass auch sie nicht weit kommen werden – denn die Alien-Invasion ist bereits in vollem Gange.

Und so schlüpfen wir in die Rolle des namenlosen Commanders, der sich als Befehlshaber des XCOM-Projekts anschickt, die Welt zu retten. Was das XCOM-Projekt ist? Ein international finanziertes Forschungs- und Militär-Programm mit dem Ziel, die geldgebenden Mitglieder zu schützen, die Schwächen der Aliens auszumachen und sie erfolgreich zurückzuschlagen.

Weltrettung durch Krisenmanagement

Entsprechend findet ein Großteil unseres Kampfes gegen die Invasoren ganz ohne Feuerwaffen und innerhalb der Mauern des XCOM-Hauptquartiers statt. Das notwendige Forschen und Entwickeln neuer Technik, die Rekrutierung, Ausbildung und Ausstattung unserer Soldaten sowie die globale Überwachung via Satellitennetzwerk bewältigen wir in Form einer Aufbau- und Verwaltungs-Simulation. Hierbei können wir nicht nur von einer Abteilung des XCOM-HQs zur anderen springen, um Forschungs- und Bauaufträge zu erteilen, wir dürfen unsere Zentrale auch kontinuierlich ausbauen. Im Verlauf des Spiels lassen sich so die erforderlichen Einrichtungen wie Satellitenkontrollzentren, Kraftwerke oder Labore und Werkstätten errichten, die wir für den Kampf gegen die Aliens benötigen. So einfach wie es klingt, ist es jedoch nicht. Denn XCOM: Enemy Unknown konfrontiert uns neben den Aliens mit zwei weiteren und teilweise ärgeren Feinden: Ressourcenknappheit und Zeitdruck.

Alles, was wir anordnen, kostet Geld und will Weile haben. So müssen wir beispielsweise für ein High-Tech-Kraftwerk nicht nur einen Haufen Credits lassen, sondern auch 20 Tage warten, bis das Ding endlich betriebsbereit ist. Während wir also geduldig ausharren, starten die Aliens auf drei Kontinenten gleichzeitig bereits ihren nächsten Angriff. Zwar können wir intervenieren, allerdings nur an einem Schauplatz: Wir entscheiden uns, den Überfall auf Frankreich zu vereiteln, indem wir unser Einsatzteam dorthin schicken. Unterdessen versinken Japan und Russland in Panik, was nicht nur für jene Länder äußerst ungünstig ist, sondern auch für uns. Wird der Paniklevel eines Staates nämlich zu hoch, weil uns entsprechende Gegenmaßnahmen nicht gelungen sind, zieht sich das jeweilige Land aus dem XCOM-Projekt zurück und ist als Geldgeber unwiederbringlich verloren. Und das bedeutet: noch weniger Ressourcen, ein folglich lahmerer Fortschritt und somit ein steigendes Risiko. Allzu schnell wird also klar, dass wir uns bei der Rettung der Welt in einer permanenten Zwickmühle befinden, die uns ständig vor die Qual der Wahl unserer Entscheidungen stellt.

Zwischen Schreibtisch und Schlachtfeld

Neben der Verwaltung obliegt es uns selbstverständlich auch, unsere Truppen an vorderster Front ins Feld zu führen. Dabei fallen die Missionen angenehm vielfältig aus: Mal müssen wir nach dem erfolgreichen Abschuss eines UFOs die Absturzstelle sichern und letzte Überlebende ausschalten, mal bei Blitzangriffen der Aliens auf dicht bevölkerte Gebiete versuchen, zivile Opfer zu minimieren. Hin und wieder werden wir dabei unter extremen Zeitdruck gesetzt, wenn sich unser Squad zu einer tickenden Zeitbombe durchkämpfen muss, bevor diese eine ganze Stadt in den Abgrund reißt. Neben solchen eher defensiven Einsätzen begeben wir uns zuweilen aber auch in Angriffsstellung und infiltrieren Raumschiffe oder Operationsbasen der Aliens. Die jeweiligen Einsatzgebiete warten dabei immer wieder mit neuen und stimmungsvoll inszenierten Kulissen auf.

Zu Beginn setzt sich unser Team noch aus mehr oder minder unerfahrenen Rekruten zusammen. Diese gewinnen allerdings bei jedem Einsatz an Erfahrung und können nach erfolgreichem Abschluss eines Kampfeinsatzes im Level aufsteigen. Hat ein Rookie die erste Hürde genommen, wird ihm automatisch je nach Fähigkeit eine Kampfspezialisierung bzw. Klasse zugeordnet: So bekommt ein 'Scharfschütze' daraufhin ein entsprechendes Gewehr und spezialisiert sich auf das Ausschalten von Feinden aus der Ferne. Ein 'Stürmer' lässt sich hingegen mit einer Schrotflinte ausstatten und für den Nahkampfeinsatz ausbilden. Soldaten der Klasse 'Schwer' sind als Typen fürs Grobe eher darauf aus, mit Raketenwerfer und Minigun gleich größere Alien-Verbände aufzumischen. Das Rückgrat jeder Truppe bildet schließlich der 'Unterstützer', der auf dem Schlachtfeld für Verteidigungsmaßnahmen und Erste Hilfe zuständig ist. Jeder Soldat einer Klasse verfügt dabei über einen eigenen Talentbaum, der beim Stufenaufstieg neue Fähigkeiten und Verbesserungen freischaltet.

Ohne Taktik keine Chance

Bereits vor dem Kampf-Einsatz gilt es also, wichtige Entscheidung zu treffen: Welche Soldaten rufen wir aus der XCOM-Kaserne ab, wie statten wir sie aus, setzen wir ausschließlich auf erfahrene Soldaten oder nehmen wir neue Rekruten mit, um uns eine qualifizierte Reserve aufzubauen? Letztere ist nämlich bitter nötig, schließlich bestraft XCOM jeden Fehltritt: Wird ein Soldat im Einsatz verletzt, fällt er für die Dauer seiner Genesung aus, was bei schwerwiegenden Verletzungen eine geraume Zeit in Anspruch nehmen kann. Viel gravierender ist es jedoch, wenn einer unserer – im schlimmsten Fall hochstufigen – Soldaten im Einsatz das zeitliche segnet. Denn XCOM: Enemy Unknown verfährt nach der Maxime 'tot ist tot' und somit sind gefallene Soldaten unwiederbringlich verloren.

Damit das möglichst nicht passiert, ist vorausschauendes Handeln gefragt. Ist unser vier- bis sechsköpfiger Trupp am Einsatzort eingetroffen, gilt es, die Lage zu überblicken und sich in kleinen Schritten vorzutasten. So schicken wir unsere Soldaten aus der Iso-Perspektive von Deckung zu Deckung, positionieren sie möglichst so, dass sie nicht vom Feind flankiert werden und sich bestmöglich gegenseitigen Feuerschutz bieten können. Das Interface bietet uns dabei einen optimalen Überblick: Tippen wir einen Marine an, zeigt uns das Programm, wie weit er sich in dieser Runde bewegen kann und ob nach dem Zug eine weitere Handlung – wie Feuern, Nutzung eines Medi-Kit, Nachladen etc. – möglich ist. Zusätzlich markiert ein Schildsymbol an den Seiten eines jeden Objekts auf dem Schlachtfeld, wie viel Deckung es unserem Soldaten bietet und zu welchen Seiten er vor gegnerischen Angriffen geschützt ist. Haben wir alle unsere Einheiten befehligt, endet die Runde und die Aliens sind am Zug – dann erst sehen wir, wie klug wir uns angestellt haben.

Fazit

XCOM: Enemy Unknown bot auf PC und Konsole ein grandioses Spielerlebnis mit einem hohen Maß an Komplexität und strategischem Tiefgang. Umso erstaunlicher ist es, dass es sich bei der Portierung für IOS-Systeme tatsächlich um eine eins-zu-eins Umsetzung des Originals handelt. Zwar müssen nachvollziehbare Abstriche bei der grafischen Präsentation und Inszenierung in Kauf genommen werden, die Inhalte sowie das Spielgefühl jedoch bleiben unangetastet. Die Steuerung via Touchscreen geht aufgrund der optimal angepassten Eingabeoberfläche problemlos von der Hand, wobei manche Funktionen gerade auf dem iPhone zuweilen etwas frickelig ausfallen. Wer sowohl iPad als auch iPhone zum Zocken nutzen will, kann seinen Spielstand in der Cloud speichern, beim Gerätewechsel synchronisieren und einfach weitermachen – extrem praktisch. Zu schade, dass es für Besitzer der PC- bzw. Konsolenversion keine Möglichkeit gibt, ihre Spielstände mit der IOS-Version zu synchronisieren.

Wer XCOM: Enemy Unknown noch nicht gespielt hat, muss dies unbedingt nachholen – bestenfalls mit der PC- oder Konsolen-Version. Für alle, die nur ein IOS-System zur Hand haben und sich ein langzeitig fesselndes Sci-Fi-Strategie-Spiel nicht entgehen lassen wollen, oder jene, die als gestandene XCOM-Veteranen den Kampf gegen die Aliens jetzt auch unterwegs fortführen möchten, sprechen wir hier eine absolute Kaufempfehlung aus!

 

XCOM: Enemy Unknown

Erhältlich für IOS-Systeme unter itunes.apple.com

Mehr unter: www.xcom.com/enemyunknown

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