Christoph Maria Herbst in "Stromberg - Der Film"
Foto:

09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Christoph Maria Herbst

-ARCHIV-

Der Schauspieler ist ab dem 20. Februar in "Stromberg - Der Film" im Kino zu sehen

"Stromberg war für uns alle keine Gelddruckmaschine"

UNICUM: Meine Kollegen haben mehrmals gefragt, ob ich das Interview mit Stromberg oder Christoph Maria Herbst habe. Wie empfindest du selbst diese enge Verknüpfung mit der Figur?Christoph Maria Herbst: Ich weiß schon, wo der Stromberg anfängt und wo er aufhört. Und bei Herbst ist das genauso. Alles andere wäre auch schlimm. Sonst würdest du mich hier in einem weißen Raum interviewen und mir wären die Hände am Rücken gebunden. Die Rolle ist in meinem eigenen Leben nicht so präsent wie in dem Leben eines manchen Fans. Ich mache noch viele andere Dinge, einige davon geraten vielleicht gar nicht so in die Öffentlichkeit.

Zum Zeitpunkt der dritten Staffel hast du mal in einem Interview gesagt, dass ein Kinofilm unvorstellbar sei, weil schon alles erzählt ist. Mittlerweile gibt es sogar noch zwei Staffeln mehr. Und jetzt eben den Film …Ja, Hammer. Da kann man mal sehen, wie wenig Ahnung ich habe. Aber ich habe mich sehr gerne vertan. Wir haben Stromberg tiefdeprimiert gesehen, waren dabei, wie seine Ehe kaputtgegangen ist, wie er Frauen im Büro nachstellt und mit denen schäbig umgeht. Die Figur hält das irgendwie alles aus. Dann lag es relativ nah, zum Abschied – als schönes Denkmal, als Ritterschlag – einen Kinofilm zu versuchen. Und dann wurden wir von den Fans geradezu gezwungen. Innerhalb von sechs Tagen haben sie uns eine Million Euro zur Verfügung gestellt.

Genau, es handelt sich um ein Crowdfunding-Projekt, bei dem die Investoren mit profitieren, wenn genügend Leute sich den Film im Kino ansehen. Erzeugt das einen besonderen Druck?Überhaupt nicht, denn das würde bedeuten, wir hätten die Serie viel laxer gemacht, nach dem Motto "Ist ja nur Fernsehen", aber der Kinofilm, der muss jetzt richtig toll werden, weil sogar fremdes Geld drinsteckt. Das war nie so. Stromberg war für uns alle ohnehin keine Gelddruckmaschine oder ein Job, wo man Dienst nach Vorschrift macht, sondern immer etwas, wo wir sehr viel Herzblut reingelegt haben.

Wie stellst du dir den Prototypen eines Stromberg-Fans vor?Gutaussehend. Besserverdienend. Überdurchschnittlich gebildet. Eher männlich. Mit Stromberg besetzen wir eine Nische – und das ist auch gut so. Sonst wäre es eben nicht der Stromberg, der es jetzt ist. Wir wären viel populistischer geworden und hätten den Leuten mehr aufs Maul geschaut. Insofern grenzt es an ein Wunder, dass es fünf Staffeln gab, wo es nie der Quotenhit von ProSieben war.

"Notfalls würde ich mich auch irgendwo an die Kasse setzen"

Was macht den Erfolg der Serie aus? Dass die Leute sagen können: "Gott sei Dank ist es bei mir nicht so im Büro!" oder eher umgekehrt, dass sie die Situationen wiedererkennen?Beides irgendwie. Viele freuen sich, dass es bei ihnen im Vergleich doch nicht so schlimm ist, wie sie es empfunden haben. Für andere hat es eine Ventil- Funktion. Die können dann über alle Figuren, die bestimmte Dinge erleiden, mal kurz selbst Luft ablassen. Wie nach dem Aristotelischen Prinzip, dass man andere Figuren leiden lässt, ihnen zuguckt und damit dann geläutert aus dem Theater geht. Ich habe auch schon Mails bekommen von Chefs, die geschrieben haben: "Ich habe mich in ihrem Strombergwiedererkannt und werde es demnächst anders machen, weil es ekelhaft ist."

Warum spielt die Serie ausgerechnet in der Versicherungsbranche?Das ist eine Blaupause. Die Serie könnte auch in einem Büro der öffentlichen Hand, bei einer Bank oder in der Werbebranche spielen. Aber, dass es sich um eine Versicherung handelt, ist fast visionär. Stichwort "Ergo" und "Budapester Prostituierte" und "Finanzkrise".

Ich habe irgendwo aufgeschnappt, du hättest mal kurz Jura studiert?Ich wollte. Ich habe eine Banklehre gemacht und als das mit der Schauspielerei auf Anhieb nicht so geklappt hat, habe ich mir in Hannover die Jura-Fakultät angeguckt und dann mal gesehen, wer da so rumläuft.

Kontakt zu einer Doktorarbeit hattest du trotzdem – und zwar mit dem pikanten Titel "Die Penisverletzungen bei Masturbation mit Staubsaugern". Wie bist du auf die Idee gekommen, damit auf Lese-Tour zu gehen?Die verrückte Charlotte (Roche, Anm. der Red.) und ihr Freund haben sich in einer durchzechten Nacht daraus vorgelesen und sich die Tränen aus den Augen gewischt. Dann hat sie mich damals, vor fast zehn Jahren, gefragt, ob wir das nicht mal in der Öffentlichkeit vorlesen wollen. Wenn das von einem Comedy-Autoren gewesen wäre, hätte ich gesagt: "Och nee, das ist jenseits des guten Geschmacks." Nun war das wirklich eine wissenschaftlich fundierte Arbeit und wir haben sie ganz wertfrei vorgelesen. Die Leute sind reihenweise in Ohnmacht gefallen. Vor allem Männer. Bei denen haben wir ein Kopfkino losgetreten.

Könntest du dir vorstellen, irgendwann wieder einen "normalen" Job zu machen? Im Zweifel könnte ich natürlich immer zur Bank zurückgehen. Obwohl mein damaliges Wissen mittlerweile auch fast 30 Jahre alt ist. Das würde vielleicht nur noch für die Sterbekasse der Grünen in der Ost-Eifel reichen, aber immerhin. Ich glaube, da würde ich nicht glücklich. Doch bevor ich auf der Straße landen würde, müsste ich irgendetwas tun, das mich davor bewahrt, zum Schmarotzer zu werden. Notfalls würde ich mich auch irgendwo an die Kasse setzen.

Kurz & kompakt

  • Christoph Maria Herbst (48) wurde auf der Straße schon mal Prügel angedroht, weil die Leute nicht gecheckt haben, dass er den Arschloch-Chef Bernd Stromberg nur spielt.
  • Die Comedy-Serie lief bis Ende 2011 über fünf Staffeln bei ProSieben, weitere wird es nicht geben.
  • Der Kino-Film handelt vom 50-jährigen Bestehen der Capitol Versicherung und von der drohenden Schließung der Filiale.
  • Die Produktion wurde per Crowdfunding finanziert, innerhalb von einer Woche kam der benötigte Betrag zusammen. Wenn nun eine Million Kino-Tickets verkauft werden, bekommen die Investoren ihren Einsatz zurück. Bei doppelt so vielen Besuchern beträgt die Rendite 150 Prozent.

"Stromberg - Der Film" läuft ab dem 20. Februar im Kino.

UNICUM Musiktipp

Bernd Stromberg ist nicht nur Chef, sondern auch ein Goldkehlchen. Das beweist zumindest der Song zum Film mit dem bezeichnenden Namen "Lass das mal den Papa machen". Während natürlich Christoph Maria Herbst auch in diesem Lied Stromberg seine Stimme leiht, zeichnet sich für den Text Stefan Raab verantwortlich. Die Single "Lass das mal den Papa machen" ist ab dem 14. Februar erhältlich. Das Video zum Song findet ihr auf YouTube!

Artikel-Bewertung:

2.91 von 5 Sternen bei 182 Bewertungen.