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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Daniel Brühl

-ARCHIV-

Der smarte Schauspieler ist ab dem 3. Oktober mit "Rush" im Kino zu sehen

"ich bin kein Adrenalinjunkie"

UNICUM: Du hast mal gesagt, Niki Lauda zu spielen, sei eine Traumrolle. Wieso?Daniel Brühl: Es macht total Spaß, Dinge zu spielen, die man sich selber nicht trauen würde. Ich war nicht so auf die Formel 1 eingeschossen, aber die Welt der Autos fasziniert mich schon. Vielleicht ist das auch ein Jungsding: einmal einen Rennfahrer zu spielen und noch dazu eine lebende Legende wie Niki. Niki hat mir vieles erklärt und Türen geöffnet. Er hat mich sogar persönlich mit seinem Privatjet zum Grand Prix nach São Paulo geflogen. Ich durfte kurz vorm Start noch mit Sebastian Vettel und Nico Rosberg reden und habe das Rennen in der Box von Mercedes verfolgt. Ein großes Thema zwischen Niki und mir war Angst. Mich hat interessiert, wie er es geschafft hat, Ängste zu überwinden und weiterzumachen, nachdem er fast gestorben wäre. Das ist sehr beeindruckend.

Rennfahrer sind ja Adrenalinjunkies. Gibt dir die Gefahr auch etwas?Nein. Ich mag das Gefühl, Angst zu überwinden. Ich mag das auch beim Drehen, diesen Nervenkitzel und dieses Lampenfieber. Aber ich bin kein Adrenalinjunkie. Ich finde es toll und spannend, wenn Leute solche Sachen machen, aber diesen Kick habe ich nie gebraucht.

Wie viel bist du denn selber gefahren?Wir durften mehr fahren, als wir zu Beginn dachten. Natürlich war die Produktion sehr bedacht auf die Sicherheit – unsere und die der Autos. Dort waren ja einige Original-Formel-1-Wagen. Trotzdem haben sie einen Weg gefunden, uns fahren zu lassen, nämlich indem Formel-3-Wagen optisch in Formel-1-Wagen umgebaut wurden. Wir durften die Fahrzeuge in die Boxengassen rein- und rausfahren und auch auf gerader Strecke ein bisschen Gas geben. Aber alles, was mit Kollision und Unfällen zu tun hat, wurde zum Glück von Stunt-Drivern gemacht.

Zur Person
  • Schauspieler Daniel Brühl (35) hat deutsch-spanische Wurzeln und heißt eigentlich Daniel César Martín Brühl González Domingo.
  • Seinen internationalen Durchbruch hatte er mit der Hauptrolle in "Good Bye, Lenin!"
  • In Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" spielte er den deutschen Kriegshelden Fredrick Zoller.
  • Ab dem 31. Oktober ist er gleich nochmal im Kino zu sehen: als Julian Assanges Vertrauter in "Inside Wiki Leaks – Die fünfte Gewalt".

"Ich bin schon ein sehr ungeduldiger Fahrer"

Was ist das für ein Gefühl, in so einem Rennwagen zu fahren?Das ist ein beengendes Gefühl und bestimmte Bewegungen sind sehr schwierig. Die Pedale sind so dicht beieinander, dass man einige nur mit dem halben Fuß tritt. Aber nach der ersten Runde habe ich die Faszination für den Rennsport, diesen Adrenalinkick, völlig verstanden. Das Geschwindigkeitsgefühl ist nicht nur ein anderes, man ist auch so dicht überm Boden und spürt den Wind. Der Wagen ist unheimlich laut und vibriert und damit auch der eigene Körper. Und es riecht nach Benzin! Ein Erlebnis, das ich jedem empfehlen kann.

Niki Lauda flucht verdammt viel im Film. Auf einer Skala von 0 bis 10 – wie schlimm fluchst du beim Fahren?Ich bin schon ein sehr ungeduldiger Fahrer und rege mich schnell auf. Das macht mir auch irgendwie Spaß. Das ist wie ein Aggressionsventil. Ich würde mir 'ne 7 geben.

Manche Leute singen im Auto, andere telefonieren. Wozu nutzt du Autofahrten?Ich bereite mich im Auto auf Rollen vor – und dann sieht es so aus, als führe ich Selbstgespräche. Das Auto ist ein so schön abgeschirmter Bereich, da brülle ich manchmal auch vor mich hin und probiere Sachen aus. Wenn man dabei ertappt wird, denken die Leute eh, man telefoniert. Aber es gab schon manchmal Situationen, in denen es offensichtlich war, dass ich etwas Merkwürdiges mache und Leute irritiert gucken.

Hast du noch eine besondere Anekdote zu erzählen?Ein Freund von mir ist ein sehr bekannter Musiker. Als seine neue Platte rauskam, haben wir uns ins Auto gesetzt und sind eine Stunde lang durch Berlin gecruist, haben dabei kein Wort gesprochen, aber diese Platte gehört und haben rausgeguckt, während es dämmerte. Das war großartig.

UNICUM Kinotipp

"Rush" zeigt die wahre Geschichte der Formel-1-Legenden Niki Lauda (Daniel Brühl) und James Hunt (Chris Hemsworth). In den 70ern kämpfen die ungleichen Rivalen auf Augenhöhe um die Weltmeistertitel. Am Nürburgring kommt es schließlich zu einem dramatischen Crash, den Lauda nur knapp überlebt. Obwohl die PS-Monster im Mittelpunkt des Films stehen, macht "Rush" dank der spannenden Story und der eindrucksvollen Umsetzung auch Spaß, wenn das Herz nicht leidenschaftlich für die Formel 1 schlägt.

Kinostart: 3. Oktober 2013, www.facebook.com/Rush.DerFilm

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