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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Danny Boyle

-ARCHIV-

"Trance", der neue Psychothriller des Briten, läuft ab 8. August im Kino

"Ich bin ein totaler Kontrollfreak. Das sind Regisseure nun mal"

UNICUM: "Slumdog Millionär" gewann acht Oscars, "127 Hours" bekam sechs Nominierungen. Fühlen Sie jetzt besonderen Druck für ihren Hypnose-Thriller "Trance"?Danny Boyle: Es ist eher befreiend. Wir leben in einer Art Zwei-Jahreszirkel, um Filme für die Award-Saison zu produzieren. Filme, die für bestimmte Preise genügen sollen, müssen wir in Bezug auf Inhalt, Ton und Besetzung stark kontrollieren. Nun konnte ich einen reinen Unterhaltungs-Thriller nach meinen Vorstellungen machen. Das Radikalste dabei ist, dass die zentrale Figur, der Motor des Films, eine Frau ist. Kaum eine Mainstream-Produktion erlaubt das.

Das ist schon das Radikalste? Was ist mit den brutalen Szenen wie den Kopfschuss in Nahaufnahme und Zeitlupe? Darf jemand, der früher Priester werden sollte, solche und die Sex-Szenen überhaupt reinen Gewissens kreieren?Meine Mutter müsste sich inzwischen beruhigt haben, auch wenn es ihr nicht gefällt. Das Problem, das ich eher mit Erwachsenen-Filmen habe, ist, dass es zu viel Comic und Superhelden gibt. Wir verlieren die großartige Tradition des Kinos mit ihren extremen Erzählweisen, wenn es nur noch "Star Wars", "G.I. Joe" und "The Fast and the Furious" gibt.

Hypnose ist ein zentrales Element in dem Film. Wurden Sie selbst schon mal in Trance versetzt?Nein, ehrlich gesagt nicht. Ich bin ein totaler Kontrollfreak. Das sind Regisseure nun mal. Falls ich einer von den fünf bis zehn Prozent der Menschen bin, die hochgradig beeinflussbar sind, möchte ich nicht hypnotisiert werden. Sonst sage ich noch Dinge, die man nicht hören soll.

Die Handlung spielt zudem in der Kunst-Branche. Können Sie nachvollziehen, warum Leute Millionen für ein einziges Gemälde hinblättern?schon, aber sie sollten es sich nicht zu Hause hinhängen. Großartige Werke wie zum beispiel von Rembrandt dürfen niemandem vorenthalten werden. Sie drücken die Kultur unserer Spezies aus. Wenn ich mal versuchen sollte, ein Gemälde zu stehlen, werde ich es einer öffentlichen Galerie spenden.

"Für mich geht keine Faszination vom Adelsstand aus"

Während des Drehs von "Trance" arbeiteten Sie parallel bereits als künstlerischer Leiter an der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele. Wie haben Sie das hinbekommen?Ich wäre gar nicht in der Lage gewesen, die Eröffnungsfeier zu machen, ohne mal davon wegzukommen. Es macht mich verrückt, über zwei Jahre in Komitees und endlosen Meetings zu arbeiten, bei denen es nur sehr langsam vorangeht. Im ersten Jahr habe ich zusätzlich "Frankenstein" am Nationaltheater in London gemacht, danach war mein sabbatical eben "Trance".

Die Eröffnungsfeier hat weltweit eine solche Begeisterung ausgelöst, dass Sie beinahe in den Adelsstand erhoben worden wären. Wieso wollten Sie diese Anerkennung nicht?Ich fand die Idee absurd, es geht für mich auch keine Faszination davon aus. Aber selbst wenn ich mich in diese Welt hineingezogen fühlte, wäre es widersprüchlich. Es sollten doch die Spiele der ganzen Nation sein. Deswegen kommt die Queen auch nur in einem fiktionalen Video mit James Bond vor. Ein Individuum hervorzuheben, wäre falsch gewesen.

Wie haben Sie es überhaupt geschafft, mit der Queen drehen zu dürfen?Ursprünglich haben wir als höfliche Geste einen Brief geschickt und gefragt, ob wir mit einem Double arbeiten dürfen. wir haben betont, dass es sich um ein sehr gutes, kein peinliches handeln wird, und trotzdem mit einem Nein gerechnet. Dann kam die überraschende Antwort, dass sie ihren Part liebend gern selbst spielen würde. Ich denke, es war einfach ihr Instinkt als Performerin in der Öffentlichkeit, die einen Großteil ihres Lebens eine Rolle spielt. Sie wusste, dass es die richtige Art und Weise ist, etwas Informelles zu machen.

kurz & kompakt
  • Danny Boyles (57) bekanntester Film "Slumdog Millionär" bekam 2009 insgesamt acht Oscars.
  • Der britische Regisseur war künstlerischer Leiter der Eröffnungsfeier der Olympischen Spiele 2012 in London; er stand dafür mit Mr. Bean auf der Bühne und drehte ein Video mit "James Bond" Daniel Craig und der Queen.
  • In seinem neuen Psychothriller "Trance" (ab 8. August im Kino versucht ein Kunstauktionator, mittels Hypnose seinem Gedächtnis auf die Sprünge zu helfen. Er kann sich nicht mehr daran erinnern, wo er ein Gemälde während eines Überfalls versteckt hat.
  • Die verwirrende Erzähltechnik erinnert an Christopher Nolans "Memento", der komplett von hinten nach vorne erzählt wird.
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