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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Hannah Herzsprung

-ARCHIV-

Die Schauspielerin ist seit 26. Dezember in "Ludwig II." im Kino zu sehen

"Ich fühle mich mich wahnsinnig geehrt"

UNICUM: Geht mit deiner Rolle als Kaiserin "Sissi" ein Traum in Erfüllung?Hannah Herzsprung: Als Kind habe ich die "Sissi"-Filme geliebt und wollte nur noch Prinzessin sein. Aber nun gab es einen Schnitt – 20 Jahre später – und ich habe das Drehbuch zu "Ludwig II." bekommen. Elisabeth kommt dort vor, weil sie für Ludwig eine wichtige Person im Leben war. Aber es ist sein Film, nicht ihrer. Trotzdem fühle ich mich wahnsinnig geehrt, dass ich diese wunderbare, historische Figur jetzt auch spielen durfte, wenn auch nur im Kleinsten.

Du bist auf einem Bauernhof groß geworden. Konntest du schon von klein auf reiten oder musstest du für die Rolle extra Unterricht nehmen?Damit ich hinterher auch im Damensattel reiten kann, musste ich ganz viel Reitunterricht nehmen. Vorher hatte ich sogar Angst vor Pferden. Aber die ist jetzt weg.

Du hast aber nicht gelogen wie beim Casting für "Vier Minuten", oder? Für die Rolle der Gefängnisinsassin und begnadeten Pianistin Jenny solltet ihr ja perfekt Klavier spielen können.Nein, ich war ganz ehrlich und habe gesagt, dass ich nicht reiten kann.

Hast du damals ganz bewusst gelogen?Das ist mir rausgerutscht, weil ich die Rolle unbedingt haben wollte. Ich dachte, dass ich Klavier spielen schon irgendwie lerne und man im Film auch viel simulieren kann. Der Regisseur wollte aber, dass alles authentisch ist. Im Nachhinein ist mir das total bewusst und ich hätte mich nie getraut, zu lügen. Aber ich bin froh, dass es mir passiert ist, denn sonst hätte ich die Rolle vielleicht nicht bekommen.

Der Film war ein recht harter Cut zu den lockerleichten Fernsehserien wie "18 – allein unter Mädchen". Wolltest du dich verändern?Es war einfach ein Geschenk. Da war ich gar nicht an einem Punkt, zu sagen, welchen Film ich gerne machen möchte. Dafür, dass ich überhaupt zu diesem Casting durfte, war ich total dankbar. Ich wollte nur spielen, spielen, spielen.

"Meinen Eltern hatte ich versprochen, Abitur zu machen"

Inwieweit zieht es dich nach Hollywood?Da drüben wartet bestimmt keiner auf mich und sagt: "Wann kommt sie denn endlich?" Es ist einfach Glückssache. Aber es passiert immer mehr. Letztens habe ich eine Serie für das amerikanische Fernsehen gedreht. Das war eine schöne Erfahrung. Aber mein Ziel ist nicht, nach Amerika zu gehen, sondern tolle Rollen zu spielen. Wo die herkommen, ist egal.

Denkst du darüber nach, dir wegen der Aussprache einen Künstlernamen zuzulegen? So wie Diane Kruger es gemacht hat?Nee, ich finde den Namen so schön. Hier glaubt ja eh jeder, dass es ein Künstlername ist. Das werde ich ständig gefragt.

Die englische Sprache sollte dir keine Probleme bereiten. Immerhin warst du früher auf einem Internat in der Nähe von London.Mit 17 bin ich dahin gegangen, um mein Abitur zu machen. Mit der Schauspielerei hatte es gar nichts zu tun. Im Gegenteil. Ich wollte eher davon wegkommen und mich einfach nur auf die Schule konzentrieren. Meinen Eltern hatte ich versprochen, definitiv Abitur zu machen. Sonst hätte ich meine erste Serie [Anm. der Red.: "Aus heiterem Himmel"] nicht machen dürfen.

Studiert hast du dann in Wien. Bist du ein klassischer NC-Flüchtling?Ich wollte unbedingt nach Wien, weil ich viele Freunde dort habe. Die Studienzeit dort habe ich sehr genossen – Wien ist eine tolle Stadt.

Für die Schauspielerei bist du dann ja doch nach Berlin gekommen und hast mit deiner Kollegin und Freundin Anna Maria Mühe unter einem Dach gelebt. Hast du keine Angst, dass ihr euch irgendwann mal um eine Rolle streitet?Bis jetzt haben wir noch nicht die gleichen Rollen angeboten bekommen. Wenn es mal dazu kommen sollte, bin ich mir sicher, dass unsere Freundschaft stärker ist und wir einen guten Weg finden, damit umzugehen.

Kurz & kompakt

  • Hannah ist die Tochter von Bernd Herzsprung, will aber bewusst nicht als Schauspieler-Tochter gesehen werden.
  • Nach Fernsehproduktionen gelang ihr 2006 der Durchbruch mit ihrem Kino-Debüt in "Vier Minuten".
  • Dafür brach sie ihr Studium der Kommunikationswissenschaften & Publizistik nach dem Vordiplom ab.
  • Sie hat auch schon gemodelt und wurde von der Zeitschrift Grazia im Mai 2012 zur bestgekleideten Deutschen gekürt.

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