UNICUm trifft: Jacob Matschenz
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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Jacob Matschenz

-ARCHIV-

Der Schauspieler ist ab dem 15. August in der Komödie "Grossstadtklein" im Kino zu sehen

Jacob Matschenz ist gebürtiger Berliner. Im Film "Grossstadtklein" spielt er das Landei Ole aus Mecklenburg-Vorpommern. Ole hängt den ganzen Tag mit seinem Freunden Ronny (Kostja Ullmann) und Marcel (Pit Bukowski) an der Tankstelle rum oder fährt mit ihnen Mopedrennen im Wald. Viel mehr passiert in seinem Leben nicht. Das will seine Familie nicht länger mit ansehen und schickt ihn für ein Praktikum nach Berlin. Wohnen soll er bei seinem Cousin Rokko (Klaas Heufer-Umlauf). Die beiden kennen sich aber gar nicht richtig, weil ihre Väter seit Jahren zerstritten sind. Ole und Rokko sind zunächst gar nicht begeistert von der ganzen Situation, freunden sich aber immer mehr an. Als Ole sich dann auch noch in die freche und komplizierte Fritzi (Jytte-Merle Böhmsen) verliebt, findet er Gefallen am Großstadtleben. Doch ein Anruf aus der Heimat verändert alles und stellt Ole und Rokko vor eine große Herausforderung.

Jacob Matschenz im Interview

UNICUM: In "Grossstadtklein" spielst du das Landei Ole und musst dich erst mal in der Metropole Berlin zurechtfinden. Du selbst wohnst in Berlin. Was ist so toll am Großstadtleben für dich?Jacob Matschenz: Berlin hat einfach wahnsinnig viel zu bieten. Es gibt ja eigentlich nichts, was man nicht machen kann. Gut, wir haben keine Berge und kein Meer, aber sonst kann man hier tatsächlich alles machen. Der Vorteil von der Großstadt ist einfach, dass man eine wahnsinnige Auswahl hat und egal was man sucht, man findet es immer irgendwo.

Sehnst du dich manchmal nach einem ruhigen Rückzugsort ganz ohne Großstadtlärm und –stress. Einem Ort wie Oles Heimat im Film?Tatsächlich habe ich so einen Ort. Ich habe letztes Jahr mit zwei Freunden zusammen ein Stück Land gepachtet – wenn ich da durch das Gartentor marschiere, merke ich richtig, wie der Stress von mir abfällt. Allerdings braucht man auch Zeit dazu und die hatte ich dieses Jahr nicht. Ich war noch kein einziges Mal da. Aber das soll sich ändern.

Fährst du dann nur zum Entspannen hin oder gehst du auch Unkraut jäten?So ein Garten ist wie ein riesen Elefant. Du fütterst ihn und früher oder später scheißt er dir auf den Kopf. Also, es ist immer irgendwas zu tun. Die beiden anderen Kollegen reißen sich den Arsch auf für den Garten und ich bin leider grad eher der, der nur darüber redet und nicht mithelfen kann. Ich hoffe, die schmeißen mich nicht raus aus der Gemeinschaft. (lacht) Aber wenn ich dann da bin, ist Holz hacken eine super Entspannung für mich oder einfach irgendwas bauen. Danach geht’s ab in die Sonne und in den See. Das ist dann richtig tiefenentspannt. Was auch total geil ist, was man in Berlin durch die ganze Lichtverschmutzung, wie es so schön heißt, nicht so hat, ist ein schöner Sternenhimmel. Der wirkt auf jeden Fall immer sehr beruhigend.

"Mein erstes Casting war furchtbar schrecklich."

In Berlin hast du mal mit deiner Schwester in einer WG gewohnt. Ist es nicht komplizierter mit der eigenen Schwester als mit Freunden in einer WG zu wohnen? Partysünden werden da doch bestimmt schnell mal an die Eltern weitergetragen…So viele Geheimnisse gibt es in unserer Familie nicht. Meine Eltern kennen meine Marotten ganz gut und meine Schwester auch. In der Familie wird natürlich immer so ein bisschen getratscht, aber wir haben uns nie groß bespitzelt und was weitererzählt. Da konnte meine Schwester sehr gut unterscheiden, was sie weitergeben kann, darf und will. Es gab keine Situation, wo meine Eltern auf mich zu kamen und meinten "Die hat gesagt…".

Im Film reden Rokkos und Oles Väter nicht mehr miteinander. Die Familien sind total zerstritten. Wie wichtig ist Familienzusammenhalt für dich?So krass wie bei Ole und Rokko geht es in meiner Familie nicht zu. Aber natürlich gibt es immer irgendwelche kleinen Probleme und jeder hat so seine Macken. Aber das gibt es ja überall und eine Familie, die keine Probleme hat, wäre mir etwas suspekt. Das gibt es einfach nicht. Familie kann man sich nicht aussuchen und mit irgendwem kommt man immer mehr klar oder weniger klar. Familienzusammenhalt ist wichtig für mich, aber wenn man arbeitet, ist es schwierig, da immer den Kontakt zu halten. Ich muss jetzt auch mal wieder ein bisschen Familienpflege betreiben.

Ole bekommt von seinem Opa einen Praktikumsplatz vermittelt, um beruflich etwas aus sich zu machen. Hat deine Familie sich auch so für dich eingesetzt oder wie bist du zur Schauspielerei gekommen?Tatsächlich hat meine Mutter damals in einem Berliner Stadtmagazin eine Annonce gesehen von einer Filmhochschule. Sie wusste, dass ich das machen will, hat da angerufen und zu mir gesagt, dass ich da doch mal hingehen soll, wenn ich Bock habe. Dann bin ich da vorbei und das Casting war furchtbar schrecklich und hat nicht geklappt. Aber die Kinder- und Jugendagentin, die das alles geleitet hat, hat das Material gesehen und an einen anderen Regisseur weitergeleitet. Dann hat es geklappt und ich durfte spielen.

"Ich bin von einer Tonne von Glück erschlagen worden."

War der Beruf schon immer dein großer Traum?Das ist wirklich ein Kindheitstraum von mir. Das klingt so klischeemäßig, aber tatsächlich war es so. Nicht meine Eltern hatten den Wunsch, sondern es war mein Ding. Meine Mutter wusste das und als sie gesehen hat, dass ich meinen Arsch nicht hochkriege, hat sie gesagt "Mach doch mal oder lass es". Aber es war nicht unter Zwang wie bei Ole, dass ich einfach etwas vorgesetzt bekommen habe und schauen musste, dass ich die Welt zu sehen bekommen. Ole ist da bequemer als ich, der will eigentlich gar nicht weg und irgendwas machen. Ich habe ja schon neben der Schule in den Sommerferien geschauspielert.

Nach dem Schulabschluss hast du aber keine Schauspielausbildung mehr gemacht?Ich habe mich jahrelang davor gedrückt, weil ich einfach wahnsinnigen Schiss hatte, abgelehnt zu werden. Ich kannte ganz viele Freunde, die sich beworben haben und dann mit Aussagen abgefertigt wurden wie "Ach komm, werde Schlosser, das fängt auch mit 'Sch' an." Da war einfach die Angst, dass ich mich kaputt mache. Und ich hatte das Glück, dass ich kontinuierlich immer arbeiten konnte. Das war dann Learning-By-Doing. Ich merke natürlich manchmal, gerade beim Theaterspielen, meine Defizite und das bereue ich dann schon mal ein bisschen. Aber ich weine der Ausbildung nicht hinterher. Wenn man möchte, kann man sich ja echt alles durch Coaches noch anlernen und wenn man viele gute Kollegen hat, kann man sich da auch immer eine Scheibe von abschneiden. Das ist einfach ein ständiger Lernprozess.

Reizt dich denn die Theaterbühne mehr oder auf Dauer doch eher Film und Fernsehen?Es hat alles seinen Reiz. Das Unmittelbare der Bühne, ebenso wie das Arbeiten am Set. Ich könnte mich jetzt nicht entscheiden. Theater ist großartig, weil man zwei Stunden lang einfach durch das Adrenalin getrieben wird und dem Moment des Fliegens hinterher jagt. Da wo man merkt, dass es gerade richtig gut läuft, alles funktioniert und die Leute mitgehen. Das erlebt man auf der Bühne viel mehr. Den Moment des Fliegens kannst du auch vor der Kamera haben, aber da ist er meist sehr viel kürzer, weil selten an einem Stück ein Film durchgedreht wird. Ich liebe aber beides sehr. Ich würde gerne mehr für das Theater machen, aber ich bin einfach eingeschränkter als die Leute, die das wirklich gelernt haben. Da weiß ich, wo meine Grenzen sind.

Hast du eine Traumrolle oder eine Person mit der du gerne mal drehen möchtest?Es gibt zum Beispiel den Regisseur Andreas Dresen, den ich einfach großartig finde. Immer wenn ich ihn in Interviews oder auf Festivals sehe, finde ich ihn unheimlich sympathisch und mag jeden seiner Filme. Das ist so ein kleiner Traum, dass ich irgendwann mal in einem seiner Filme mitspielen darf. Ansonsten habe ich bis jetzt mit meinen Filmen, Regisseuren und Kollegen wahnsinnig viel Glück gehabt. Ich bin sozusagen mit einer Tonne von Glück erschlagen worden und dafür bin ich sehr dankbar.

Grossstadtklein

Komödie, Deutschland 2012

Regie: Tobias Wiemann

Darsteller u.a.: Jacob Matschenz, Klaas Heufer-Umlauf, Jytte-Merle Böhmsen und Kostja Ullmann

Verleih: Warner Bros.

Kinostart: 15. August 2013

www.grossstadtklein.de

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