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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Leslie Clio

"Gladys", das Debütalbum der Sängerin, erscheint am 08. Februar

"Ich kann gar nicht sagen, was gerade cool ist"

UNICUM: Leslie Clio – ist das dein wirklicher Name?Leslie Clio: Ja, ist es. Clio ist eine Tochter von Zeus und die griechische Muse der Geschichtsschreibung.

Also ist Clio jetzt dein Nachname oder dein zweiter Vorname?Das ist mein zweiter Vorname. Einen Nachnamen habe ich auch, aber den behalte ich für mich (lacht).

Wie bist Du denn zum Soul gekommen? Dein Name lässt ja vermuten, dass deine Eltern nicht unbedingt aus Deutschland kommen.Doch, doch, das sind Deutsche. Meine Mutter hat allerdings immer schon afrikanische Musik gehört, also habe ich das als Kind sehr viel gehört. Soul liebt sie auch. Ich denke, dass speziell Soulmusik meine Stimme geprägt hat, weil ich natürlich immer mitgesungen habe.

Wer hat dich denn besonders geprägt?Die ganzen alten Ladies. Gladys Knight, Roberta Flack, aber auch männliche Sänger wie Sam Cook. Viel Motown, viel Swing. Ich hänge bis heute geschmacklich sehr in der Vergangenheit herum und entdecke lieber noch mehr Schätze aus den Sixties oder Seventies und befasse mich nur wenig mit neuer Musik. Ich kann gar nicht sagen, was gerade cool ist.

Du selbst zum Beispiel.Ist das so? Ich bin fleißig, entspannt und erwarte erst mal gar nichts. Natürlich bin ich gespannt darauf, was der komplexe Beruf der Sängerin mit mir macht. Aber ich bin keine Madonna, die in meinem Alter gesagt hat, sie wolle die Weltherrschaft. Mir könnte ja auch morgen ein Ziegel auf den Kopf knallen.

Du bist also nicht sonderlich karrierefixiert?Nein, übertriebener Ehrgeiz ist mir ein Gräuel. Natürlich will ich Erfolg, und natürlich wünsche ich mir, dass die Leute im Konzert meine Lieder mitsingen. Aber ich war nie jemand, der jetzt den ganz großen Plan hat. Ich bin eher lakonisch. Vom Wesen her bin ich ein verpeilter Mensch, der sich gerne treiben lässt.

"Dieses 'Guckt mich an, ich bin so geil' ist nicht mein Ding"

Woher wusstest Du, dass Du Sängerin werden willst?Ich habe immer schon gerne gesungen. Im Schulchor fiel ich dann so ein bisschen auf, es hieß plötzlich "Die Leslie kann singen". Dass das vielleicht stimmt, ist mir gar nicht so aufgefallen. Ich bin nach dem Abi erst mal zwei Jahre auf Weltreise gegangen und habe dann eine einjährige Gesangsausbildung gemacht.

Weltreise?Ja, ich war echt überall. Ohne großen Plan, wie üblich. Ich war in Asien, Indien, Neuseeland, Australien, Amerika und ganz viel auch in Europa. Vor dem Abi hatte ich viel gearbeitet und ein bisschen Geld dabei, ein oder zwei Mal war ich zwischendurch zu Hause. Diese Reise war ein großes Geschenk, das ich mir selbst gemacht habe.

War klar, dass Du zurück nach Deutschland kommst?Nö. Gar nichts war klar. Ich hätte auch Feldarbeiterin in Australien werden können. Mit Musik habe ich mich unterwegs nur am Rande beschäftigt, habe mir in New York solche "Open Mic Nights" angeschaut, wo jeder singen kann, der möchte. Ich selbst habe mich aber nicht aufgedrängt. Dieses "Guckt mich an, ich bin so geil" ist nicht mein Ding.

Warst Du alleine unterwegs?Als Traveller ist man ja nie wirklich alleine. Man lernt immer schnell Leute kennen, zieht zusammen rum und trennt sich wieder. Alleinsein kann auch schön sein. Mit dem Bus durchs menschenleere Neuseeland zu fahren und dabei über sich selbst nachzudenken, war super zum Pläne schmieden. Schließlich stand für mich fest: Sängerin ist mein Traumberuf. Und zwar mit allem, was dazugehört. Ich wollte das selbst machen, nicht einfach zu "X-Factor" oder "The Voice" gehen und gucken, was passiert. Ich wollte nicht nur singen und tanzen, ich wollte den kompletten Beruf kennenlernen. Und bis jetzt muss ich sagen: Ich liebe, was ich mache. Es gab noch keinen einzigen langweiligen Tag.

Wo hast Du deine Gesangsausbildung gemacht?An einer kleinen Privatschule in Hamburg. Das Jahr hat mir sehr viel Bestätigung und Selbstvertrauen gegeben. Ich bekam dort so ein Urvertrauen in meine Fähigkeiten. Anschließend bin ich nach Berlin gezogen und lernte dort Nikolai Potthoff kennen, den Gitarristen von Tomte, der auch Produzent ist. Menschlich und musikalisch hat es gleich gefunkt zwischen uns, nach dem dritten Tag im Studio haben wir schon "Told you so" geschrieben, und dann gesagt "Geil, wir machen jetzt eine ganze Platte, die so klingt." Das haben wir dann gemacht.

"Das Fazit aus meiner Jugend: Liebeskummer lohnt sich nicht"

"Told you so" ist eine richtige Ansage. Ein selbstbewusstes Lied.Absolut. Ich kann durchaus sanftmütig sein, aber insgesamt bin ich schon auch tough. Ich bin mir nicht zu fein dafür, Leuten den ausgestreckten Mittelfinger zu zeigen, wenn sie ihn verdient haben (lacht). Gerade, was das Musikbusiness angeht, habe ich schnell gelernt: Du musst die Hosen anhaben und wissen, was du willst, sonst kannst du gleich einpacken.

"I couldn’t care less" geht in eine ähnliche Richtung wie "Told you so", diesmal aber eher in Bezug auf die Liebe. Ach, was Jungs angeht, habe ich so eine Haltung entwickelt, die sich mit "Dann eben nicht" ganz akkurat beschreiben lässt. Ich bin mit ein paar Typen richtig auf die Fresse geflogen. Als ich jünger war, habe ich viel geweint und gelitten deshalb, so etwas würde mir heute nicht mehr passieren. Ich war ein emotionales Mädchen und habe die üblichen Dramen erlebt. Das Fazit aus meiner Jugend lautet: Liebeskummer lohnt sich nicht.

Ist das auch die Botschaft an deine Zuhörinnen und Zuhörer?Von mir aus gerne. Bisher habe ich den Eindruck, dass die meisten meiner Fans Mädels sind, und wenn die sich in meinen Liedern wiederfinden, dann ist das ein großes Geschenk.

Leslie Clio

Gladys

Universal Music

VÖ: 25.01.2012

Für Fans von: frischem Retro-Sound mit Inhalt, Soul aus den Sixties und Seventies, modernem Soulpop á la Joss Stone, Miriam Bryant, Duffy, Amy Winehouse und Adele 

www.leslieclio.com

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