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21. Jun 2016

Entertainment

UNICUM trifft: Schmidt

Die deutsche Sängerin Elisa Schmidt ("Femme Schmidt") im Interview

"Die Menschen haben früher intensiver gelebt"

Schmidt ist der zweithäufigste Nachname in Deutschland. Wie kommt es, dass du ihn ausgerechnet als Künstlernamen benutzt?Das hat sich während der Produktion meines Debüt-Albums "Femme Schmidt" ergeben. Mein Produzent Guy Chambers hat angefangen, mich nur noch Schmidt zu rufen. So ist dann aus dem Spitznamen der Künstlername geworden.

Guy Chambers ist der Produzent von Robbie Williams. Warst du vor eurem ersten Treffen nervös?Die ganzen goldenen Schallplatten im Studio waren schon sehr beeindruckend. Aber ich konzentriere mich eher auf die Musik, als mich von irgendwelchen Sachen blenden zu lassen. Die Arbeit mit ihm hat total gut funktioniert, wir haben uns gegenseitig inspiriert. Am Ende ist meine eigene Musikrichtung "Pop Noir" dabei herausgekommen.

Diese erinnert an die Musik der goldenen Zwanziger. Was reizt dich an diesem Zeitalter?Das damit verbundene Lebensgefühl. Ich glaube, dass die Menschen intensiver gelebt haben, weil ihnen bewusst war, dass auch wieder schwierige Zeiten kommen werden.

Du meinst, wir sollten uns davon inspirieren lassen?Ich finde schade, dass junge Menschen heute schon sehr früh in Systeme reingedrückt werden. Alle schauen dich komisch an, wenn du mit 23 noch keinen Bachelor hast und nicht genau weißt, was du machen willst. Das ist nicht meine Welt. Man sollte vielmehr die Möglichkeit haben, sich ganz neu zu finden – und auch wieder zu verlieren.

"Ich zelebriere es einfach sehr, Frau zu sein"

Du stehst ganz offen zu deiner Rolle als Verführerin, spielst damit auf der Bühne, in deinen Songtexten. Kann eine 23-Jährige denn überhaupt schon eine echte "Femme fatale" sein? Viele sagen zu mir, dass das nur eine Rolle sein kann. Dabei kommt es einfach aus mir heraus. Dass Frau sein mit dem Alter nichts zu tun hat, ist bekannt. Ich bin ein großer Genussmensch, dazu gehört für mich natürlich auch Erotik und Verführung. Ich zelebriere es einfach sehr, Frau zu sein.

Wie weit gehst du auf der Bühne? Willst du wissen, ob ich mich ausziehe?

Richtig blank ziehen nicht. Aber du hast mal gesagt, dass dich der Striptease-Stil Burlesque reizt. Burlesque ist schön wegen der Bewegungen und Anmutung. Aber angezogene Frauen haben für mich viel mehr Sexappeal als nackte. Ein hervorblitzendes Knie kann viel erotischer sein als ein nackter Busen. Ich versuche eher, mit der Fantasie zu spielen, als auf die ganz direkte Art und Weise zu setzen.

Meinst du mit der direkten Art und Weise bestimmte Sängerinnen-Kolleginnen? Rihanna macht das zum Beispiel. Sie finde ich wahnsinnig schön. Ich verurteile das auch gar nicht, nur für mich persönlich ist es nichts. Von Natur aus weiß ich, wie ich auf Leute wirke und wirken will. Mich auf der Bühne auszuziehen, das wäre mir zu billig.

"Im Moment bin ich einfach zu sehr mit mir selbst beschäftigt"

Du warst im vergangenen Jahr mit Elton John auf Tour in Australien und hast schon im Vorprogramm von Lionel Richie gespielt. Auf was freust du dich als Nächstes?Darauf, dass ich bei meiner Tour durch Deutschland mal wieder näher bei den Zuschauern bin. In großen Stadien sieht man immer nur die ersten zwei Reihen. Und es juckt mir in den Fingern, mein zweites Album zu schreiben. Als Künstler bist du nur dann glücklich, wenn du kontinuierlich kreierst und Gedanken verarbeitest.

Du hast für "The Voice of Germany"-Gewinnerin Ivy Quainoo einen Song geschrieben.Das war eher Zufall. Nach dem Abitur bin ich mit einem Album unter Vertrag genommen worden, das nie veröffentlicht wurde. Ich wollte das nicht, weil überall um mich herum die Singer-Songwriter-Ladys aus dem Boden sprossen. Das war mir nicht unique genug. Die Songs durften dann anderweitig verwendet werden. Ivy gefiel "Richest Girl" so gut, dass sie es mit auf ihr Album genommen hat. In Zukunft schreibe ich auch gern mal für andere, aber im Moment bin ich einfach zu sehr mit mir selbst beschäftigt.

"Heart Shaped Gun"

Erinnert ihr euch an den Titelsong des Kölner Neujahr-Tatorts im James-Bond-Stil? "Heart Shaped Gun" ist Schmidts bekanntester Song und erinnert an Adeles "Skyfall". Direkt nach der Ausstrahlung kletterte sie damit auf Platz 15 der iTunes Charts.

Wenn sie es schafft, trifft sich Schmidt sonntags gerne mit Freunden und schaltet die Krimi-Serie ein: "Tatort ist einfach Kult in Deutschland. Und ich finde sowieso immer alles gut, was ein bisschen gefährlich und nicht direkt durchschaubar ist.“

"Hugh Grant: Heißer Flirt mit Berliner Sängerin" …

… schrieb die "Bild" im November 2011 und meint damit Schmidt. "Das war nur Boulevard-Journalismus", erzählt sie. "Wir sind einfach nur gute Freunde. Wir haben uns in einer Bar in London kennengelernt und Nummern ausgetauscht. Als er für einen Film in Berlin war, hat er mir abends geschrieben: Hey, I’m hungry, I wanna eat a Schnitzel." Daraufhin seien die beiden ins Promi-Lokal "Borchardt" gegangen und danach in ein Taxi gestiegen. "Er hat mich einfach nur zu Hause abgesetzt. Die Schlendereien über die Französische Straße und die wilden Küsse auf dem Rücksitz gab es nur in den Medien."

Kurz & kompakt

  • Die deutsche Sängerin Schmidt (23, heißt Elisa Schmidt) nennt ihre Musikrichtung "Pop Noir".
  • Die gleichnamige Deutschland-Tour läuft noch bis Ende März 2013. Termine unter: www.femmeschmidt.com/dates
  • Auf ihrem Debüt-Album "Femme Schmidt" zeigt sie zwei Seiten von sich: "Es gibt Schmidt, die eher verrucht ist und sich nimmt, was sie will. Auf der an deren Seite gibt es Elisa, die total zerbrechlich ist und eigentlich nur geliebt werden will."

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