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09. Aug 2016

Entertainment

UNICUM vor Ort: Der Deutsche Entwicklerpreis 2012

-ARCHIV-

Deutsche Gamesbranche prämierte die Besten des Jahres in Düsseldorf

Von der Branche für die Branche

Das Alte Kesselhaus in Düsseldorf erstrahlte in vorweihnachtlichem Glanz mit edlen Kerzenleuchtern, großen runden Tischen und festlicher Tischdekoration. Der Deutsche Entwicklerpreis 2012 präsentierte sich in diesem Jahr gemütlich und zurückhaltend elegant. Doch auch wenn sich die Gamesbranche mit einem glamourösen Bankett feiern wollte, entwickelte sich die Verleihung vielmehr zu einer dezenten Dinnerparty. Rund 400 Gäste waren zu der Veranstaltung eingeladen, die von Tom Westerholt moderiert wurde, der gleich zu Beginn unterstrich: „Der Deutsche Entwicklerpreis ist ein Preis von der Branche für die Branche.“ Und damit auch knapp begründete, warum die Publikumswahl in diesem Jahr abgeschafft wurde.

"Spielen als Kunst"

In insgesamt 23 Kategorien wurden die Preise vergeben, über die eine Jury bzw. Akademie, bestehend aus Vertretern der Branche, im Vorfeld abstimmte. Nachdem im Vorjahr Crytek mit „Crysis 2“ die Verleihung dominiert hatte, übernahm in diesem Jahr Yager Development die Nachfolge und sicherte sich in sechs Kategorien den Sieg – und die Position als Abräumer des Abends. Mit „Spec Ops: The Line“ wurde das Berliner Entwicklerteam für das „Beste Actionspiel“, die „Beste Story“, die „Beste Grafik“, das „Beste Konsolenspiel“, das „Beste Deutsche Spiel“ und als „Bester Entwickler“ prämiert.

Rund 100 Festangestellte und 100 freie Mitarbeiter hatten bei Yager Development mehr als fünf Jahre an „einer der beeindruckendsten deutschen Produktionen der vergangenen Jahre“, wie es bei der Verleihung hieß, gearbeitet. Selbst USK-Chef Felix Falk räumte dem USK-18-Titel eine besondere Stellung ein, weil es „im Prüfgremium zum ersten Mal eine so intensive Diskussion zum Thema Spielen als Kunst gegeben hat“.

„Spec Ops: The Line“ war im Sommer 2012 für PC und Konsolen erschienen und wurde vor allem für den erwachsenen Grundton in der Fachpresse gelobt. Die deutsche Entwicklerbranche war ebenfalls begeistert und so hieß es bei der Bekanntgabe des Preises für das „Beste Deutsche Spiel 2012“: „Liebes Yager-Team, bitte lasst uns nicht wieder fünf Jahre auf so ein gutes Spiel warten.“

Browsergames die Spiele der Zukunft

In der Kategorie „Bestes Deutsches Spiel 2012“ hatte sich „Spec Ops: The Line“ gegen vier Nominierte durchgesetzt, darunter „ANNO 2070“ von Blue Byte und Related Designs, Risen 2 von Piranha Bytes und „Chaos auf Deponia“ von Daedelic Entertainment. Einzig „Tiny & Big in: Grandpa’s Leftover“ ging bei der Verleihung komplett leer aus, obwohl das Download-Game der Black Pants Game Studios insgesamt dreimal nominiert war.

Yager Developments war sieben Mal nominiert und musste sich nur in der Kategorie „Bester Sound“ den Black Forest Games Studios geschlagen geben, die für das Kickstarter-Projekt „Giana Sisters: Twisted Dreams“ ausgezeichnet wurden. Der Soundtrack des bisher nur für PC veröffentlichten Download-Jump’n’Runs wurde von Altmeister Chris Hülsbeck und Fabian Del Priore komponiert.

Yagers Triumph spiegelt allerdings nur bedingt die reale Entwicklung der deutschen Gamesbranche wider. Denn ökonomische Erfolge feiern viele deutsche Spiele-Firmen längst vor allem im Browser-, Social- und Mobile Games Bereich. Dr. Malte Behrmann, Generalsekretär der European Games Developer Federation (EGDF), betonte in seiner Laudatio für das „Beste Browsergame“ daher: „Browsergames haben in den letzten Jahren den Entwicklerstandort Deutschland stark gemacht. […] Zusammen mit den Browsergamern und den Südkoreanern haben wir Onlinespiele weltweit signifikant beeinflussen können.“ Jetzt sei es wichtig, diese Position zu behaupten.

Kein Wunder also, dass diese Games mit eigenen Kategorien inzwischen fest beim Entwicklerpreis etabliert zu sein scheinen. Doch obwohl einige der Titel, wie zum Beispiel „Royal Revolt“ von KeenFlare („Bestes Mobile Game“) oder „Jagged Alliance Online“ von Cliffhanger Productions („Bestes Browsergame“) auch in Kategorien abseits ihrer Plattform nominiert waren, unter anderem beim „Besten Strategiespiel“ oder beim „Besten Rollenspiel“, hatten sie gegen etablierte Firmen und Marken am Ende keine Chance. Ausgezeichnet wurden Platzhirsche wie Blue Byte und Related Designs für „ANNO 2070“ („Bestes Strategiespiel“, „Bestes Game Design“) oder Piranha Bytes für „Risen 2“ („Bestes Rollenspiel“). Die einzige Ausname bildete das MMO „Remanum“ von Travian Games, das in der Kategorie „Bestes Simulationsspiel“ gewann.

Die großen Marken bestimmten den Wettbewerb

Auch in den Kategorien „Bestes Jugendspiel“ und „Bestes Familienspiel“ musste sich die Mobile, Social und Browser Games Konkurrenz geschlagen geben, denn dort sicherte sich Daedelic Entertainment mit „Chaos auf Deponia“ die Auszeichnungen. Der zweite Deponia-Teil wurde zudem als „Bestes Adventure“ gekrönt und bescherte Daedelic Entertainment im fünften Jahr in Folge den Preis in dieser Kategorie. Insgesamt bewiesen Jury und Akademie damit wenig Mut bei ihren Entscheidungen und legten viel Wert auf „Markt- und Publikumserfolg“, obwohl Petra Müller von der Film- und Medienstiftung NRW in ihrer Begrüßungslaudatio die Werte „Originalität und Kreativität“ als wichtiges Kriterium bei der Preisvergabe betont hatte.

Als wirklich originell und kreativ stach vor allem das künstlerische Spielprojekt „Trauma“ von Krystian Majewski hervor, das mit einem Sonderpreis geehrt wurde und „mit vielen Konventionen bricht“, wie Laudator Andreas Garbe beschrieb. „In „Trauma“ erlebt der Spieler skurrile und fantastische Traumwelten, die darstellen sollen, was im Kopf einer jungen Frau vorgeht, die bei einem Autounfall schwer verletzt wurde.“ Das ursprünglich als Diplom-Arbeit für die Fachhochschule Köln entstandene Projekt ist die „logische Weiterentwicklung von interaktiven Kunstprojekten“, wie der Journalist betonte. „Trauma“ gilt als bestes Beispiel dafür, warum Games „längst reif genug dafür sind, um mit einer vernünftigen Medienförderung ausgestattet zu werden“. Das Spiel wird inzwischen von den Headup Games vertrieben, das als „Bester Publisher“ ebenfalls ausgezeichnet wurde.

Innovatoren und Neulinge

Mit dem Innovationspreis wurde das Story- und Game-Design-Tool „Articy: Draft“ von Nevigo ausgezeichnet, das nicht nur in Deutschland, sondern auch international von Entwicklerstudios eingesetzt wird, unter anderem von Bioware. Am Ende von „Mass Effect 3“ trage das Tool allerdings keine Schuld, war sich Laudator Dr. Stephan Blanck von Chromatrix sicher. Nevigo-Mitgründer Kai Rosenkranz bedankte sich nicht nur bei seinen Kunden, sondern auch bei seinem 15-köpfigen Team dafür, „dass wir mit guten Tools und innovativen Ideen die Spieleentwicklung vereinfachen und beschleunigen“.

Selbstbewusst und glücklich zeigten sich die Gewinner des Gameforge Newcomer Awards, der Nachwuchspreis wurde in diesem Jahr zum zweiten Mal vergeben: „Ja, guten Abend, ihr habt’s gehört, wir sind der Nachwuchs.“ Ausgezeichnet wurden das Team C.O.R.E. von der Games Academy, das Team Trouble Maker sowie Anneke und Oliver Eberlei. Die Teams bekommen ein Preisgeld von insgesamt 10.000 Euro. „Es ist toll, so langsam in die Branche hineinzuwachsen und dabei zu sein.“

 

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