Inhalt und Darsteller Film Best of Me
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09. Aug 2016

Entertainment

Zum Kino-Start von "The Best of Me": Ein Liebes-Experte im Interview

-ARCHIV-

UNICUM sprach mit dem Psychotherapeuten und Buchautor Dr. Arnold Retzer

Darum geht's in "The Best of Me"

Nach dem gleichnamigen Bestseller von Nicholas Sparks: Mitte der 1980er-Jahre verlieben sich Amanda (Liana Liberato) und Dawson (Luke Bracey) in der Highschool unsterblich ineinander. Doch nach dem Ende der Schulzeit trennen sich auf unglückliche Weise die Wege der beiden. Über zwei Jahrzehnte später zwingt ein Todesfall zur Rückkehr in die Heimat: Amanda (nun: Michelle Monaghan) und Dawson (nun: James Marsden) entdecken schnell wieder ihre alten Gefühle füreinander – doch können sie jemals auf Dauer miteinander glücklich werden?

Mehr zum Film auf www.thebestofme.senator.de und www.facebook.com/THEBESTOFME.DERFILM

Kann man ein Leben lang zusammen bleiben?

Dr. Arnold Retzer gehört zu den führenden Paartherapeuten Deutschlands. Der Gründer und Leiter des Systemischen Instituts Heidelberg ist nicht nur als Privatdozent an der Universität Heidelberg tätig, sondern veröffentlichte u.a. bereits neun Bücher – darunter "Lob der Vernunftehe: Eine Streitschrift für mehr Realismus in der Liebe" (2009, S. Fischer).

UNICUM: In "The Best of Me" waren Amanda und Dawson in der High School ein unzertrennliches Liebespaar. Ist es heutzutage eigentlich die Ausnahme oder die Regel, dass Paare aus der Schulzeit ein Leben lang zusammen bleiben? Dr. Arnold Retzer: Mir sind keine genauen Zahlen bekannt. Bekannt ist aber, dass Paarbeziehungen entgegen aller Vorurteile stabiler sind und länger dauern als man gemeinhin annimmt. So leben allein in Deutschland ungefähr 60 Prozent aller Erwachsenen in einer Ehe und davon wiederum etwa 60 Prozent schon seit 45 Jahren. Eheähnliche Partnerschaften, die ja immer mehr zunehmen, sind dabei noch gar nicht mitgerechnet. Es ist davon auszugehen, dass sich davon ein Teil der Paare auch schon aus der Schulzeit kennen.

Das Ende einer Liebe ist vergleichbar mit dem Tod

20 Jahre später bringt das Schicksal Amanda und Dawson wieder zusammen, die Gefühle von damals flammen auf. Was meinen Sie: Ist es möglich, eine Liebe nach so einer lange Zeit aufleben zu lassen? Natürlich ist so etwas möglich, bei Paaren die sich nach langen Jahren wiedersehen und sogar, das ist vielleicht noch verwunderlicher, in langandauernden Paarbeziehungen, die sich gerade nicht aus den Augen gelassen haben, sondern zusammenleben. Aber vielleicht ist das Verb "aufleben" nicht ganz glücklich gewählt, es klingt so nach Wiederbelebung, nach Reanimation. Vielleicht gibt's ja gar nichts zu reanimieren, weil nie etwas gestorben war. Es ist ja ohnehin so, dass die Liebe umso langlebiger bleibt je weniger sie in den Niederungen des Alltags verschlissen wird. Spätestens seit der wahren und unsterblichen Liebe zwischen Humphrey Bogart und Ingrid Bergmann, die sich in "Casablanca" wiedersehen, nachdem sie sich aus den Augen verloren haben, wissen wir doch alle darum. Sie haben es geschafft, ihre Liebe aus den Verschleißprozessen des Alltags herauszuhalten.

Wenn man es trotz allen Versuchen nicht schafft: Was raten Sie Menschen, die einfach nicht über eine verflossene Liebe hinwegkommen? Sich keine Gewalt anzutun, d.h. nicht über den eigenen Schatten springen zu wollen. Sich dem Terror des Darüber-Hinwegkommen-Müssens nicht unterwerfen, denn es ist ja eine traurige Angelegenheit eine Liebesbeziehung zu jemandem zu verlieren. Für manchen oder manche wie der Tod eines nahen Angehörigen. Trauer ist dann der sich einstellende Zustand. Früher gab es für solche Anlässe das Trauerjahr. Inzwischen kann diese Trauer unterschiedliche Zeiträume umfassen. Dauert aber meist länger, wenn man sich zwingen will darüber hinweg kommen zu müssen.

"An der ersten Liebe ist nichts besonders"

Viele Menschen versuchen heutzutage ihren ersten Partner aus der Schule oder aus der Uni ausfindig machen, zum Beispiel auf Facebook. Geschiedene nehmen online Kontakt zu ihren Verflossenen auf. Glauben Sie, der Umgang mit Ex-Partnern hat sich durch die sozialen Medien verändert? Die sozialen Medien erleichtern sicher das Auffinden früherer Partner. Ob es ein Fluch oder ein Segen wird, muss dann jeder selbst entscheiden: Ob man z.B. bedauert, dass es mit dem früheren Partner nichts geworden ist, oder man erleichtert ist, dass es mit dem nichts geworden ist. Da sind ja die Geschmäcker und die Bewertungen sehr unterschiedlich.

Die erste Liebe vergisst man nie. Ganz gleich, wer wir sind, woher wir kommen oder was aus uns geworden ist: Das haben wir alle gemein. Abschließend die Frage an Sie: Was ist eigentlich so besonders an der ersten großen Liebe? Daran ist gar nichts Besonderes. Es kommt darauf an, welche Bedeutung wir dem geben. Oder anders gesagt, ob wir etwas Besonderes daraus machen. Das "erste Mal" macht sicher für viele die besondere Bedeutung aus. Was der Inhalt dieses ersten Mals allerdings ist, kann unterschiedlich sein: Ist es die Erfahrung der ersten Blamage? Ist es die Erfahrung der ersten Befreiung oder des ersten Abschiedes vom Elternhaus? Ist es die erstmalige illusionäre Vorstellung, dass alles möglich sei? Und vieles andere vielleicht auch.

Der Trailer zu "The Best of Me – Mein Weg zu Dir"

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