Ghostwriting im Studium
Die Hausarbeit wird nicht fertig – aber ist ein Ghostwriter die Lösung? | Foto: Unsplash/GreenChameleon

Hausarbeit & Co.

 

Wissenschaftliche Hausarbeit

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18. Dez 2018

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Hausarbeit & Co.

Der Ghostwriter als Studienberater

Was ist erlaubt? Was geht zu weit?

Bitte mal langsam: Was ist Ghostwriting?

Ein Ghostwriter ist jemand, der im Namen einer anderen Person schreibt oder denkt. Die ersten historisch belegten Ghostwriter halfen Politikern in der Antike dabei, flotte Reden zu schwingen. Heute stößt man meist im akademischen Bereich auf den Begriff Ghostwriting.

Wissenschaftliche Ghostwriter unterstützen Studierende und Forschende aber nicht nur beim Schreiben, sondern auch beim Austüfteln des Studiendesigns oder der Auswertung von Daten. Daher ist das Wort nicht streng auf das Schreiben eines Textes bezogen, es bezeichnet generell das Outsourcing von wissenschaftlicher Arbeit an einen (meist anonymen) Experten.

Was ist ein Plagiat?

Ein Plagiat besteht dann, wenn die Arbeit eines anderen als die eigene ausgegeben wird. Genau genommen sind Arbeiten vom akademischen Ghostwriter also Plagiate. Im Studienalltag sorgt aber meistens eine andere Form von Plagiaten für Aufregung: das Abschreiben. Wer in einer wissenschaftlichen Arbeit weite Stellen aus einer anderen Arbeit übernimmt, diese aber nicht entsprechend kennzeichnet und die Quelle verheimlicht, wird heutzutage sofort von einem digitalen Plagiatscheck erwischt. Ein Ghostwriter liefert hingegen einen einmaligen Text, der Quellen nach wissenschaftlichen Standards zitiert. Dagegen ist die Plagiats-Software machtlos. Ghostwriting wird daher äußerst selten als Plagiat erkannt.

Wie weit ist Ghostwriting verbreitet?

Da es nur ganz selten Fälle gibt, in denen die Zusammenarbeit mit dem Ghostwriter an die Öffentlichkeit dringt, kann man nicht genau sagen, wie viel Prozent im Laufe des Studiums einmal einen Ghostwriter anheuern. Angesichts eines stetig wachsenden Angebots an Ghostwriting-Agenturen und einzelnen Anbietern kann jedoch von einer sehr hohen Dunkelziffer ausgegangen werden. Ein Journalist von ZEIT Campus hat 2015 ausgerechnet, dass alleine zwei Agenturen in den zehn Jahren davor 10.000 Arbeiten geschrieben haben.

Was sagt das Gesetz zu Ghostwriting?

Es gibt kein Gesetz, das Ghostwriting per se verbietet. Deswegen können Ghostwriter ihre Dienstleistungen auch offen anbieten. Nicht selten werben sie auf Facebook oder Instagram. Allerdings weisen die Agenturen ihre Kunden meist darauf hin, dass es gegen Universitätsrichtlinien oder sogar das Gesetz verstoßen kann, eine gekaufte Arbeit im eigenen Namen einzureichen.

Doch spricht nichts dagegen, eine wissenschaftliche Arbeit zu einem bestimmten Thema zu verkaufen. Der Anbieter ist damit aus dem Schneider. Welche Konsequenzen Studierenden drohen, wenn Ghostwriting auffliegt, lässt sich kaum pauschalisieren.

Grundsätzlich wird eine Hausarbeit, die nachweislich von einem akademischen Ghostwriter verfasst wurde, wie Schummeln in einer Prüfung betrachtet. Je nach Hochschule und Studiengang wird damit anders umgegangen. Die Folgen reichen von einer Verwarnung bis zur Aberkennung von ECTS. Weil es aber extrem schwierig ist, nachzuweisen, wer einen Text tatsächlich verfasst hat, gibt es dafür kaum Beispiele aus der Praxis.

Rechtlich relevant wird Ghostwriting erst, wenn der Studierende zusammen mit der Arbeit des Ghostwriters eine ehrenwörtliche Erklärung abgibt, in der er sich zur Autorenschaft bekennt. So ein Fall könnte theoretisch als Urkundenfälschung oder Meineid bewertet werden und auch strafrechtliche Konsequenzen haben.

Was ist erlaubt, was geht zu weit?

Sich die Abschlussarbeit vom Titelblatt bis zum Appendix beim Ghostwriter zu bestellen – das ist nicht nur unmoralisch, sondern kann (falls eine ehrenwörtliche Erklärung unterschrieben wurde) auch gegen Gesetze verstoßen. Die meisten Hilfestellungen, die Ghostwriter im Studienalltag leisten, sehen jedoch anders aus. Im Zeitalter von überlasteten Studiengängen und Personalmangel an den Universitäten nehmen sie oft die Rolle eines akademischen Beraters ein, der Studierende mit Erfahrung und Fachwissen durch den Studienabschluss coacht. Viele fühlen sich mit den Herausforderungen der Abschlussarbeit alleingelassen und um Hilfe zu fragen, ist ja nicht verboten.

Zum Beispiel ist es ok, sich von einem Bekannten, welcher das Gleiche studiert hat, bei der Disposition für die Bachelorarbeit helfen zu lassen. Schließlich weiß dieser bereits, worauf es bei so einer Arbeit ankommt, und was beim Studiendesign alles bedacht werden muss. Rechtlich gesehen macht es dabei keinen Unterschied, ob es sich dabei um einen Bekannten oder einen Ghostwriter handelt.

Wichtig ist, dass man das Resultat noch als die eigene Arbeit betrachten kann, auch wenn man sich von jemanden mit mehr Erfahrung unter die Arme greifen hat lassen. In solchen Fällen ist der Ghostwriter also oft ein Mentor, der Studierenden das wissenschaftliche Arbeiten vermittelt und sie auch bei komplexen Themen wie der empirischen Datenerhebung und -auswertung berät.

Worauf sollte ich achten, wenn ich einen Ghostwriter engagiere?

Wer einen Ghostwriter sucht, wendet sich am besten an eine seriöse Agentur. Die Vertrauensbasis ist wichtig und jemanden aus dem privaten Umfeld anzuheuern, kann unvorhergesehene Folgen mit sich bringen. Seriöse Agenturen verbinden Studierende meist direkt und anonym mit ihrem Ghostwriter.

Häufig bieten sie auch Telefongespräche mit ihm an, was vor allem bei komplexen Themen eine wichtige Gelegenheit darstellt, sich auszutauschen. Zudem ist es wichtig, dass die Arbeit einer Plagiatsprüfung unterzogen wird. So kann garantiert werden, dass der Ghostwriter nicht selbst abgeschrieben hat.

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