Psychologische Beratung Studium
Manchmal wird das Studium zur Nervenprobe... | Foto: Thinkstock/Ron Nickel/Design Pics
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02. Jun 2015

Birk Grüling

Prüfungstipps

Prüfungsstress & Co: Hilfe für Studierende

Wenn du denkst, es geht nicht mehr...

Psychologische Beratung im Überblick

  • 45 der 58 Studentenwerke in Deutschland haben eine psychologische Beratungsstelle.
  • 2013 suchten dort 27.000 Studierende Hilfe in Einzelgesprächen, zusätzlich nutzten 4.000 Studierende die Gruppenangebote.
  • Insgesamt wurden über 97.000 Beratungsgespräche geführt.
  • Die häufigsten Probleme sind Erschöpfungs- und Überforderungsgefühle, psychosomatische Beschwerden, Ängste sowie Lern- und Leistungsstörungen.
  • Ihr Auftreten verteilt sich konstant über alle Phasen des Studiums und ist zu annähernd gleichen Anteilen bei männlichen und weiblichen Studierenden zu beobachten.

Quellen: Studentenwerk Deutschland; HISBUS-Befragung zu Schwierigkeiten und Problemlagen von Studierenden und zur Wahrnehmung, Nutzung und Bewertung von Beratungsangeboten


Ehrenamtliche Berater berichten:

  • Lisa Bödecker (25), Master-Studentin Erziehungswissenschaft, Uni Hildesheim, seit anderthalb Jahren "Anker-Peer":
    "Wir sind eine Beratung von Studierenden für Studierende und für viele die erste Anlaufstelle für Fragen aller Art rund ums Studium. Unser Büro hat feste Sprechzeiten, wir sind aber auch per Telefon, Mail oder Facebook zu erreichen. Zu uns kommen z. B. Erstsemester, die Fragen zu ihrem Stundenplan haben, eine Führung über den Campus wünschen, oder auch Studierende, die sich für die Vereinbarkeit von Studium und Familie interessieren. Auch in Krisen kommen die Menschen zu uns. Gerade Fachwechsel, Prüfungsangst oder Unzufriedenheit mit dem Studium sind immer wieder Thema, genau wie private Probleme oder Trauerfälle in der Familie. Ich glaube, die meisten schätzen, dass sie sich bei uns einfach mal aussprechen können, ganz ohne Verpflichtungen und ganz ungezwungen. Unsere Beratung ist selbstverständlich kostenlos und vertraulich."
     
  • Niko A. (30), Bachelor-Student Psychologie, Uni Hamburg, ehrenamtlicher Telefonseelsorger bei der Evangelischen Studierendengemeinde:
    "Einmal pro Woche spreche ich mit Anrufern über ihre Sorgen und Nöte. Viele von ihnen haben dauerhafte und sehr vielschichtige Probleme wie Depressionen oder Einsamkeit. Hochschulprobleme wie Prüfungsangst oder Unzufriedenheit mit dem Studiengang sind nur selten ein Thema. Leider glauben viele, dass ihre Probleme zu unwichtig für die Telefonseelsorge seien. Dabei würde ihnen ein Gespräch wahrscheinlich guttun. Bei uns haben sie die Chance, offen über ihre Sorgen zu reden, auch über alltägliche Dinge und Gefühle. Anonym und ohne Anmeldung. Wir wollen dabei eine Art Resonanzkörper sein, einem Anruf schenken wir unsere ganze Aufmerksamkeit. Konkrete Ratschläge geben wir dabei nicht. Diese Zurückhaltung kostet durchaus Überwindung, ist aber für die Gespräche unglaublich wichtig. Die Ausbildung zum Telefonseelsorger dauert ein Jahr, man lernt viel über Gesprächsdynamik und Krisenintervention, aber vor allem über sich selbst. Mich hat die Arbeit darin bestärkt, nach dem Studium noch eine Therapeuten-Ausbildung zu machen."

5 Fragen an...

Dr. Sabine StiehlerDr. Sabine Stiehler, Leiterin Psychosoziale Beratungsstelle des Studentenwerks in Dresden

UNICUM: Auf welche Arten kann die Hochschule überfordern?
Sabine Stiehler: Ich würde es anders formulieren. Diese Lebensphase kann überfordern. Die Studierenden verlassen oft ihre Heimat und müssen sich in einer neuen Stadt zurechtfinden. Mitten in dieser turbulenten Phase der Identitätsfindungen kommen immer vollere Stundenpläne und oft noch ein anstrengender Nebenjob.

Mit welchen Problemen kommen die Studierenden zu Ihnen in die psychologische Beratungsstelle?
Die Bandbreite ist groß. Es geht oft um Hochschulprobleme wie Prüfungsangst oder große Zweifel an der Studienwahl. Es geht aber auch um Probleme in der Partnerschaft oder der Familie. Auch Trauer ist immer wieder ein Thema. Bei etwa 20 Prozent aller Anfragen liegt außerdem eine schwerwiegende psychische Störung zugrunde.

Wie verläuft eine Beratung?
Vor dem ersten Gespräch füllen die Studierenden einen Fragebogen mit 25 Punkten aus. So bekommen wir einen Eindruck von den Problemen und ihrem Ausmaß. In einem 50-minütigen Erstgespräch gehen wir dann darauf ein und versuchen, erste Lösungsansätze zu finden. Wenn wir an unsere Grenzen stoßen, verweisen wir auch an unser Netzwerk aus Therapeuten. 

Welche Präventionsmöglichkeiten gibt es für Studierende?
Es ist wichtig, dass man schon am Anfang des Studiums lernt, richtig mit seiner Zeit umzugehen und eine gesunde Balance zwischen Studium und Freizeit zu finden. Auch ein Freundeskreis an der Hochschule und Lerngruppen sind bedeutende Stützen im Alltag. 

Wie viel Überwindung kostet die Studierenden der Besuch in der Beratungsstelle?
Die Hemmungen, sich Hilfe zu suchen, sind zum Glück gesunken. Das liegt einerseits an der gestiegenen gesellschaftlichen Akzeptanz für psychologische Unterstützung, anderseits auch an niederschwelligen Angeboten wie einem Erstkontakt per Mail oder offenen Sprechstunden.

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