Themenfindung Abschlussarbeit
Bunstifte raus: Es gibt viele Methoden zur Themenfindung | Foto: Thinkstock/KristinaJovanovic

Schreibwerkstatt

04.07.2014

Schreiben ohne Hemmungen

Schreibwerkstatt Teil 1: Schreiben ohne Hemmungen

Egal, ob Protokolle, Thesenpapiere oder Hausarbeiten – manchmal hakt es, wenn man vor dem Rechner sitzt. Schreibpädagogin Andrea Behnke zeigt, wie "Schreiben im Studium" ... mehr »

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04. Jul 2014

UNICUM Onlineredaktion

Schreibwerkstatt

Teil 2: Themenfindung Abschlussarbeit

Themen für die Abschlussarbeit finden

Viele Studierende tun sich schwer damit, ein geeignetes Thema zu finden und es dann klar zu umreißen. Die Ursachen sind vielfältig:

  • Ist das Thema fremdbestimmt, also von der Professorin oder vom Professor vorgegeben, kommt oft eine Distanz zum Schreibenden auf, gepaart mit Verständnisproblemen und der Scheu, einfach nachzufragen.
  • Suchen sich die Studierenden ihr Thema selber, kann sowohl zu wenig als auch zu viel an (Vor-)Wissen, Ideen und Material zum Problem werden.

Eine Falle, in die viele tappen: Das Thema ist zu allgemein gefasst, als dass es irgendjemand in der entsprechenden Zeit bewältigen kann. Etlichen Schreiberinnen und Schreibern ist die Wichtigkeit des Themas auch gar nicht bewusst. Sie überlegen sich erst, wenn sie ganz zum Schluss der Arbeit ihre Einleitung schreiben, worum es in ihrem Werk eigentlich geht.

Dabei ist die so genannte "Forschungsfrage" das A und O: Mit einer Straßenkarte kommt man meistens besser zum Ziel. Wer weiß, wohin er fahren will, kann sich etliche Umwege und somit auch viel Zeit sparen. Die Forschungsfrage sorgt dafür, die Arbeit zu fokussieren. Nur wer die Fragen kennt, kann auch die Antworten finden.

Und wie komme ich zu meinem Thema? Gut ist es, wenn ich das gesamte Studium über in ein kleines Heft notiere, was mir in Seminaren aufgefallen ist, was ich noch wissen möchte, wo ich Widersprüche oder Ungeklärtes aufgespürt habe. Auf einen solchen Pool kann man dann zurückgreifen, wenn es an die Themenfindung für größere Arbeiten geht.

Das Thema eingrenzen

Bevor das Thema steht, kann ich natürlich auch ein wenig in der Literatur stöbern – jedoch nur, um mich inspirieren zu lassen und nicht, um jetzt schon in die Tiefe zu gehen. Per Brainstorming kann ich Einfälle auflisten und mittels Freewriting meinen unterbewussten Ideen-Ressourcen auf die Spur kommen. Dabei schreibe ich rund zehn Minuten ohne nachzudenken und ohne zu korrigieren zu einem Satzanfang oder einem Begriff. Auch das "serielle Schreiben" kann helfen, Kreativität freizusetzen. Und zwar ergänze ich einen passenden Satzanfang – zum Beispiel: Am Fachgebiet XY interessiert mich besonders... zehn mal ganz schnell, ohne großartig ins Grübeln zu kommen.

Um ein breites Thema fassbarer zu machen, bieten sich verschiedene Methoden an. So kann ich beispielsweise ganz viele Fragen an das Thema stellen. Auch ein Cluster kann hilfreich sein, um ein Thema einzugrenzen. Hier setze ich den Oberbegriff in die Mitte und ziehe einen Kreis darum. Meine Einfälle schreibe ich wie Sonnenstrahlen rund um den Begriff. Jedes neue Wort (oder auch jeden Satz, jedes Gefühl, jeden Gedanken...) verbinde ich mit dem letzten – und zwar so lange, bis mir zu diesem Strang nichts mehr einfällt. Dann wende ich mich wieder dem Mittelpunkt zu und assoziiere erneut. Meistens fallen in den Ästen direkt Kernbegriffe ins Auge, die das Oberthema eingrenzen. Sie können dann wiederum der Anfang für ein (fokussiertes) Freewriting sein.

Ein anderes System, ein Thema auszuloten, ist der Themenfächer: Hier wird ein Oberthema, zum Beispiel Jugendarbeitslosigkeit, immer weiter aufgedröselt. So könnte in der zweiten Ebene "Hartz IV", "Jugendberufshilfe" und "Ausbildungsplatzmangel" stehen. Nehme ich "Jugendberufshilfe" als nächsten Ausgangspunkt, würde ich ein weiteres Mal konkretisieren. An den Begriff, der sich daraus ergibt, möglicherweise "Ausbildungsbegleitende Hilfen für junge Frauen", stelle ich im Anschluss möglichst viele Fragen, die ich später in ganzen Sätzen beantworte. Ein geeignetes Thema ist demnach so konkret wie möglich, das heißt, dass es nicht in einem Schlagwort erfasst werden kann, sondern einer genaueren Beschreibung bedarf. Beim Thema von eben zum Beispiel: "Ausbildungsbegleitende Hilfe für junge Frauen am Beispiel von XY".

Wie es mit Thema weiter geht

Steht eine erste Forschungsfrage, gilt es zu schauen, welche Daten, Quellen und Materialien hilfreich sind und welche Theorien und Methoden herangezogen werden können. Das Thema muss handhabbar und lösbar sein. Es sollte neu sein, aber nicht so neu, dass man gar nichts dazu findet; aber auch kein Modethema, zu dem jeder schon etwas gesagt hat. Und: Natürlich sollte es einen persönlich interessieren, aber dennoch nicht zu persönlich sein. Dann verliert man nämlich oft die nötige Professionalität und neigt dazu, die Arbeit ausufern zu lassen.

Wenn das Thema grob steht, ist es eine gute Methode, darüber einem Kind einen Brief zu schreiben. Dieser Perspektivwechsel sorgt dafür, dass ich nicht sofort durch eine hochwissenschaftliche Brille schaue und dadurch Denkblockaden abbaue. Optimal ist es, diesen Brief jemandem vorzulesen, der dann sein Feedback gibt.

 

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