MPU Medizinisch-Psychologische Untersuchung Hand steckt einen Autoschlüssel in Schloss von Autotür
Unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss solltest du dein Auto besser stehenlassen! | Foto: tommaso79/Getty Images
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23. Jan 2019

Gastbeitrag

Freizeit

MPU: Was du über den Test wissen musst

Die wichtigsten Infos zur Medizinisch-Psychologischen Untersuchung

Erstmal verstehen warum

"Alle anderen fahren wie die Irren, aber doch nicht ich!" Das denken sich wahrscheinlich viele, wenn ihnen der Führerschein entzogen wird. Der häufigste Grund für diese Maßnahme ist die Benutzung des Fahrzeugs unter Alkohol-, Drogen- oder Medikamenteneinfluss. Denn das Fahren in einem solchen Zustand gefährdet nicht nur die eigene Person, sondern auch jeden, der sonst noch am Verkehrsgeschehen teilnimmt. Dieses rücksichtslose Verhalten muss den Betroffenen zunächst bewusst werden, bevor sie ihren Führerschein wieder zurück bekommen. Dazu müssen sie ihre Fahrtauglichkeit mittels Medizinisch-Psychologischer Untersuchung – kurz MPU – bestätigen lassen.

Gründe für den Führerscheinentzug

Auch wenn der Besitz und Konsum von Cannabis in Kanada seit 2018 legal ist, so machst du dich damit hierzulande strafbar. Wenn du im Rauschzustand auch noch Auto fährst, kannst du deinen Führerschein gleich bei der nächsten Polizeistelle abgeben. Doch nicht nur Drogenkonsum und eine erhöhte Alkoholkonzentration im Blut oder Atem sind in der Fahrerlaubnisverordnung – FeV –  als regelwidrig gelistet. Weitere Gründe für den Führerscheinentzug können auch ausreichend Punkte in Flensburg, grobes Fehlverhalten im Straßenverkehr, charakterliche Defizite oder körperliche und seelische Erkrankungen wie schwere Diabetes oder Manien sein.

So bekommst du deinen Führerschein zurück

Wenn du deinen Führerschein zurück haben willst, musst du dich sowohl medizinisch als auch psychologisch untersuchen lassen. Denn nur unter Vorlage einer positiven MPU bei der Führerscheinstelle bekommst du deine Fahrerlaubnis zurück. Gerade für Menschen, die berufsbedingt auf ihr Auto angewiesen sind, kann dies entscheidend sein. Das Gutachten zur MPU bekommst du bei einer MPU Begutachtungsstelle, die du dir selbst aussuchst. Um die Untersuchung zu bestehen, musst du dich vor allem mit deinem Fehlverhalten im Straßenverkehr und den Gründen dafür auseinandersetzen. Klingt einfach, doch die Gutachter sind für ihre Strenge bekannt. Ist der Grund deines Führerscheinentzugs beispielsweise das Fahren unter Alkoholeinfluss, so ist es ratsam, dem Alkohol bei der Untersuchung komplett abzuschwören.

Medizinische Untersuchung

Die medizinische Untersuchung beschränkt sich nicht nur auf das Ausfüllen von Fragebögen, sondern beinhaltet auch eine Beurteilung deiner körperlichen Verfassung durch einen Arzt. Üblicherweise wird zunächst dein körperlicher Allgemeinzustand getestet. Die Untersuchungen variieren aber auch je nach Grund des Führerscheinentzugs. So können beispielsweise neurologische Analysen vorgenommen und deine Leberwerte getestet werden. Dies geschieht unter Einbezug der Labortechnik, die zum Beispiel dein Blut, Urin und deine Haare nach Alkohol, Drogen oder Abstinenz scannen kann.

Psychologische Untersuchung

Während manchmal ein ärztliches Gutachten ausreicht, so wird in anderen Fällen zusätzlich eine psychologische Untersuchung durchgeführt. Dabei kann unter anderem getestet werden, ob bei dir schwere psychische Beschwerden oder seelische Belastungen vorliegen, die zu deinem Fehlverhalten im Straßenverkehr geführt haben. Wenn du im angetrunkenen Zustand Auto gefahren bist, ist eine psychologische Untersuchung der Gründe für deinen Alkoholkonsum sehr wahrscheinlich. Nachdem du dich selbst beschrieben, deinen Lebenslauf und deinen Familienstand angeben hast, werden dir zahlreiche Fragen gestellt. Diese beziehen sich unter anderem auf den Hergang und den Grund des Vorfalls und sollen dir zur Selbstreflexion sowie zur Veränderung deiner Verhaltensweisen in der Zukunft verhelfen.


Psychologische Untersuchung MPU Mann und Frau unterhalten sich


Das kostet die MPU

Wenn die MPU und der Führerscheinentzug nicht schon genug vor wiederholtem Fehlverhalten im Straßenverkehr abschrecken, so tun es definitiv die Kosten. Das gesamte Prozedere muss man nämlich aus eigener Tasche bezahlen. Und während die Kosten 2017 noch einheitlich geregelt waren, so können diese seit dem 01.08.2018 von jeder Begutachtungsstelle individuell festgelegt werden. So steht es im § 65 der Übergangsbestimmungen des Straßenverkehrsgesetzes (StVG). Es lohnt sich also ein Preisvergleich, bevor du dich für eine Gutachterstelle entscheidest. Je nach Art und Umfang der angeordneten Untersuchung kann die Summe schnell mal die 500 Euro überschreiten.

Negatives Gutachten – was nun?

Während ein positives Gutachten zur Neuerteilung der Fahrerlaubnis führt, so zieht ein negatives MPU-Gutachten einen Ablehnungs­bescheid und den Eintrag ins Fahreignungs­register nach sich. Daher ist es ratsam, ein negatives Gutachten nicht einzureichen. Besser ist es, den Antrag auf Wiedererteilung der Fahrerlaubnis bei der Führerscheinbehörde zurückzunehmen. Dadurch weiß die Führerscheinstelle zwar, dass eine Nichteignung vorliegt und behält die Fahrerlaubnis weiterhin ein. Doch den Antrag auf Wiedererteilung kannst du jederzeit neu stellen. Damit gibst du dir die Chance, die MPU doch noch zu bestehen. Die Kosten dafür musst du allerdings selbst tragen.

Bedingt geeignetes Gutachten

Einen Zwischenfall stellt die Ausstellung eines bedingt geeigneten Gutachtens dar. Dies enthält die Empfehlung, sich nachschulen zu lassen. Wenn du ein bedingt geeignetes Gutachten erhältst, bedeutet das, dass deine Fahrtüchtigkeit aufgrund gewisser Defizite noch angezweifelt wird und du einen Nachschulungskurs besuchen musst. Es empfiehlt sich, dieses Gutachten vorzulegen, denn nach Teilnahme an einem solchen Kurs bekommst du in der Regel deine Fahrerlaubnis wieder zurück. Einen geeigneten Kurs wird dir dein Gutachter oder Verkehrs­psychologe empfehlen. Natürlich ist auch dies wieder mit zusätzlichen Kosten verbunden.

Verkehrspsychologische MPU Vorbereitung

Um die Wahrscheinlichkeit eines negativen oder bedingt geeigneten Gutachtens zu verringern, kannst du auch an einem MPU Vorbereitungskurs teilnehmen. Dies musst du allerdings noch vor der medizinisch-psychologischen Untersuchung tun. Die Vorbereitung erfolgt durch einen Verkehrspsychologen, der dich mit den Fragen und dem Ablauf der MPU vertraut macht. Außerdem erhältst du Ratschläge zum Umgang mit Stress, zur Änderung von Konsumgewohnheiten und empfehlenswerten Schritten vor und während der Untersuchung. Die Kosten für den Kurs trägst du selbst. Je nachdem, wie du deine Chancen auf ein positives Gutachten zur MPU einschätzt, könnten sich diese Investition für dich jedoch lohnen.


MPU Expertin Anna Knabe

Über die Autorin

Anna Knabe (Jahrgang 1993) arbeitet als Junior-Online-Redakteurin bei der Krankenkassen-Zentrale. Die geborene Dresdnerin geht neben dem Masterstudium ihrer Leidenschaft, dem Schreiben, nach. Sie liebt es, wissenswerte Informationen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Versicherung und Vorsorge interessant aufzubereiten.

Ihr Credo: Von verantwortungsbewusstem Handeln profitieren wir alle!

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