Weltreise ohne Geld
38.000 km legten Raphael und seine Freunde auf der Weltreise ohne Geldzurück | Foto: privat

Freizeit

11.11.2016

Kostenlos reisen

Ohne Geld um die Welt reisen

Interview mit einem, der auszog, sich...

Christoffer Schäle (26) ist ohne Geld von zu Hause aus losgezogen und war etwa fünf Monate zu Fuß unterwegs. Im Interview mit UNICUM spricht er über dieses ungewöhnliche ... mehr »

Autorenbild

19. Aug 2014

UNICUM Onlineredaktion

Freizeit

Nach dem Studium: Ohne Geld auf Weltreise

-ARCHIV-

Interview mit einem Wagemutigen

"Ohne Geld ist man auf Menschen angewiesen"

Im tiefsten Winter seid ihr ohne Geld losgezogen. Ihr müsst damals ganz schön pleite gewesen sein. 
Anlass für die Reise waren zwar die Hochzeiten von zwei befreundeten Pärchen in Mexiko. Aber eigentlich war es ein Experiment: Wir wollten so ökologisch wie möglich von einem Kontinent zum nächsten kommen. Außerdem hat man kaum Kontakt zu den 'Locals', wenn man mit Kreditkarte unterwegs ist. Man schwebt sozusagen über der Gesellschaft. Ohne Geld ist man auf die Menschen angewiesen. Und es klappte großartig: Überall wurde uns geholfen, wir fühlten uns nie allein gelassen.

Die meisten Leute wollen im Urlaub alles schön bequem haben. Ihr habt es euch ziemlich schwer gemacht.
Es ist natürlich praktischer, schnell mal zu McDonald‘s zu gehen. Aber es ist auch ungesund und teuer. Ein Leben ohne Geld könnte man, analog zur Slow-Food-Bewegung, als Slow-Living-Bewegung bezeichnen. Man lernt dabei, auf etwas Schönes auch mal zu warten. Die Dinge mehr zu schätzen. Wenn beim Trampen endlich ein Auto hält, freut man sich viel mehr, als wenn man einfach in den nächsten Bus steigt und 2,50 Euro zahlt.

Essen aus der Mülltonne war keine Seltenheit

Aber auf Essen warten zu müssen, ist doch sicherlich nervig?
Im schlimmsten Fall geht man in Restaurants und schaut, ob die was im Müll haben. Manchmal haben uns die Besitzer aber auch eingeladen, nachdem wir unsere Motivation erklärt haben und nicht für Schmarotzer gehalten wurden. Reste von den Tellern hat man uns meist nicht angeboten, obwohl wir die auch gern genommen hätten.

Hattet ihr nie Angst, dass irgendwas passiert und ihr euch nicht helfen könnt?
Für den Notfall hatten wir ungefähr 100 Euro dabei. Die haben wir zum ersten Mal in Französisch-Guyana gebraucht. Dort wurde der Rucksack meines Freundes Benjamin geklaut, er musste einen neuen Pass beantragen. Wenn wir in ein Land eingereist sind, haben wir immer versucht, zu erklären, warum wir die Visumsgebühr nicht bezahlen wollen. In Kolumbien, Venezuela, Guatemala, Mexiko, Belize und Nicaragua wurde sie uns dann erlassen.


Ohne Geld in Mexico reisen

"Nicht jeder verstehet, warum wir ohne Geld leben wollen"

Ein bisschen Luxus gab es auf eurer Reise aber auch: Segelboote zum Beispiel.
Das war spannend: In Las Palmas haben wir diesen reichen Macker getroffen, der uns mit seinem Segelschiff über Kapverden bis nach Brasilien mitgenommen hat. Vier, fünf Wochen waren wir zusammen auf einem Boot. Da gab es auch Streit. Manchmal wurde er richtig cholerisch, weil er einfach nicht verstehen konnte, wieso wir ohne Geld leben. Wir waren eine Frontalattacke gegen seinen Lebensstil.

Und wie haben die Menschen generell auf euch reagiert?
Eigentlich waren alle sehr interessiert. Besonders in Marokko. Die wollten wirklich wissen, warum diese Europäer sich das Leben so schwer machen. Es stimmt natürlich, wir haben uns extrem beschränkt. Wir hatten Kleider dabei und eine Zahnbürste. Mehr nicht. Aber letztendlich war es eine Erleichterung. Schokolade, Kaffee, Internet, das gab es einfach nicht mehr. Abstand zu nehmen von dem ganzen Komfort, war eine bereichernd eErfahrung. Und wir fanden es nicht schlimm, auch mal draußen auf dem Boden zu schlafen.

Klingt aber auch nicht ganz ungefährlich.
Ja, draußen schlafen war besonders in Lateinamerika, wo die Kriminalität so hoch ist, ein Thema. Nachts kamen dann Kinder an, die Kokain gesnifft haben, oder Betrunkene. Also haben wir uns lieber eine dunkle Ecke gesucht oder Leute gefragt, ob wir nicht bei ihnen im Haus schlafen dürfen. Und als dann in Südamerika unsere Freundinnen dazu kamen, haben wir versucht, alles ein bisschen schöner zu gestalten.

Selbst eine Schwangerschaft war kein Grund aufzuhören

Als deine Freundin Nieves schwanger wurde, habt ihr das Experiment doch hoffentlich abgebrochen ...
Da wurde es tatsächlich etwas schwieriger,weil wir unbedingt einen Arzt brauchten. Nieves hat überlegt, aufzuhören, aber ich war stur. Wir haben dann bei einigen Krankenhäusern angefragt, und beim dritten Versuch hat es schließlich geklappt.

Habt ihr es eigentlich rechtzeitig zu eurem ursprünglichen Ziel, den Hochzeiten in Mexiko, geschafft?
Oh, wir waren ungefähr ein halbes Jahr zu spät. Aber das war egal. Unsere Freunde haben wir dann trotzdem besucht.


InfoRaphaels Reise

  • Raphael Fellmer ist nach dem Studium mit zwei Freunden um die Welt gereist – ohne Geld.
  • Losgetrampt sind sie im Januar 2010 in Den Haag, insgesamt haben sie mit über 500 Mitfahrgelegenheiten 38.000 Kilometer zurückgelegt.
  • Die Route führte durch Westeuropa und Nordafrika, über die Kanarischen Inseln und Südamerika bis in die USA und zurück.
  • Seine Erfahrung bloggt er auf de.forwardtherevolution.net

Artikel-Bewertung:

3 von 5 Sternen bei 298 Bewertungen.

Deine Meinung: