Red Bull Mind Gamers WM
Die Laser-Challenge war eine besondere Herausforderung | Foto: Mihai Stetcu/Red Bull Content Pool

Freizeit

13.08.2015

Live Escape Games

Live Escape Games

Was steckt hinter dem neuen Freizeit...

60 Minuten, 6 Personen, unzählige knifflige Aufgaben und nur ein Ziel: Raus aus dem Raum! So lässt sich das Prinzip der Live Escape Games kurz zusammenfassen. Doch was da ... mehr »

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28. Mär 2017

Nina Weidlich

Freizeit

Escape Game meets Quantenphysik: Die Red Bull Mind Gamers WM 2017

60 Minuten Zeit – tick, tack

Die Tür schließt sich mit einem leisen Klacken, und plötzlich sitzen du und deine Freunde in der Falle: Ab jetzt habt ihr eine Stunde Zeit. Um euch umzusehen, Gegenstände in die Hand zu nehmen, sie umzudrehen, wieder wegzulegen. Und sie wenig später doch noch einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, um den einen Hinweis zu finden, der das Rätsel löst und euch zurück in die Freiheit entlässt.

In Deutschland sind Escape Games seit einigen Jahren ziemlich angesagt. So unterschiedlich die Räume auch sind, das Prinzip ist meist das gleiche. In fast jedem Escape Room sind es Zahlenschlösser, Bilderrätsel oder doppelte Böden, die den Spielern die Flucht aus dem Raum unmöglich machen sollen.

Next Level Shit: Die härtesten Escape Rooms aller Zeiten

Das alles war Scott Nicholson zu langweilig. Der Professor für Game Design an der kanadischen Laurier University ist so, wie man sich einen Wissenschaftler mit etwas schrägen Zukunftsvisionen vorstellt: Grauer, zauseliger Bart, braunes Sakko, die etwas zu kurzeScott Nicholson Stoffhose nur eine Nuance heller. Wild gestikulierend und voller Passion erzählt er von Quantencomputern, die neue Wirklichkeiten erschaffen. Von einer neuen Dimension der Escape Games, in der banale Zahlen- und Bilderrätsel keine Rolle mehr spielen sollen.

Gemeinsam mit einem Team aus seinen drei besten Studenten entwickelt er "Games that change the world", wie er selber sagt. Mit seiner Idee, auf der Grundlage existierender Erkenntnisse zur Quantenphysik und auf Basis des Spielfilms "Mindgamers" (Kinostart: 6. April) Escape Rooms zu designen, die nur die smartesten Gamer der Welt lösen können, hat er das Unternehmen Red Bull auf sich aufmerksam gemacht. Klar, dass der Energy Drink-Produzent noch einen draufsetzte – und die erste Mind Gamers WM in der Geschichte der Escape Rooms ins Leben rief.


Im Interview: Das Deutsche Red Bull Mind Gamers Team

Also reisten die 96 besten Gedächtniskünstler der Welt nach Budapest, der europäischen Geburtsstadt der Live Escape Games. Auch ein deutsches Team durfte bei der Mind Gamers WM antreten: Die vier Karlsruher Jungs Christoph (31), Bernhard (32), Felix (23) und Michael (27). Christoph betreibt selbst einen Escape Room in Karlsruhe, die anderen befinden sich noch mitten im Maschinenbau-Studium.

Mission: Escape Room World Championship

Als wir die deutschen Jungs nach den Semi-Finals in ihrem Hotel treffen, merkt man ihnen deutlich an, dass die letzten Tage hart waren. Denn die Zeit im Escape Room-Mekka der ungarischen Hauptstadt haben sie genutzt, um so viele Räume zu testen wie nur möglich. Mit dunklen Sonnenbrillen auf der Nase schlurfen die vier durch die Lobby ihres Nobelhotels und wirken auf den edlen Sofas fast ein bisschen fehl am Platz. Dennoch schaffen sie es, uns einige Fragen zu ihren Escape Game-Erfahrungen zu beantworten:

UNICUM: Wie habt ihr euch auf die Mind Gamers WM vorbereitet?
Bernhard: Wir haben in Karlsruhe einfach mal alle Escape Rooms gemacht, die es so gibt. Zusätzlich gab es auf der Homepage von den Red Bull Mind Gamers noch Online Games, die das logische Denken trainieren. Da haben wir natürlich versucht, alle Highscores zu knacken. Der Entwickler Scott Nichsolson hat während der Qualifikation auch eine Art Videotagebuch geführt. Die Videos haben wir uns angeguckt und gemeinsam analyisert, ob vielleicht irgendwo Hinweise zu den finalen Challenges versteckt sind.

Red Bull Team Deutschland

Tipps von den Profis

Wie lange braucht ihr als Profis für einen klassischen Escape Room?
Christoph: Jeder baut den Raum anders auf und dadurch sind die Rätsel natürlich total unterschiedlich. Deshalb ist manchmal auch einfach Glück dabei. Mal hat man sofort die zündende Idee und kommt genau darauf, was man jetzt machen muss – oder man steht zehn Minuten davor und hat keinen Plan, was zu tun ist.

Thomas (Betreuer des deutschen Teams): Die Jungs sind da sehr auf dem Boden geblieben. Heute waren sie in zwei Escape Rooms: In dem einen waren sie nach 23 Minuten fertig und haben den bestehenden Rekord damit um sechs Minuten geschlagen. Aus dem anderen, ein 90-minütiger Escape Room, sind sie in 44 Minuten herausgekommen. Man merkt also, dass die Jungs sofort wissen, wie die Mechanismen funktionieren.

Dann gebt uns mal ein paar Profi-Tipps: Wie befreie ich mich möglichst schnell aus einem Escape Room?
Bernhard: Auf jeden Fall muss man immer miteinander reden. Es ist ganz wichtig, dass die einzelnen Teammitglieder wissen, was die anderen machen und was sie bereits entdeckt haben. Außerdem sollte man sich am besten alles zwei Mal angucken, um sicher zu gehen, ob man nicht vielleicht doch noch irgendwo etwas öffnen kann oder ob irgendwo noch ein Zeichen draufgeschrieben ist.

Am Anfang hat man vielleicht noch ein paar Hemmungen, alles anzufassen, aufzumachen und auszuprobieren. Aber das legt sich mit der Zeit. Mittlerweile tun mir die Menschen, die nach uns aufräumen müssen, immer schon ein bisschen Leid.

Escape Game ohne Notausgang: Das Studium

Einige von euch studieren noch. Welche Fähigkeiten, die man für die Escape Rooms braucht, helfen euch im Studium?
Michael: Bernhard, Zeitmanagement? (Alle lachen)

Christoph: Dazu muss man wissen, dass Bernhard gerade eigentlich zwei Mindgames machen muss – er hat hier nämlich nebenbei noch an seiner Bachelorarbeit gefeilt und sie heute morgen vom Hotel aus abgeschickt.

Bernhard: Ansonsten kommt es halt viel auf logisches Denken an. Man muss den Clou von dem Rätsel schnell erfassen, also, um was es eigentlich geht, was die Problemstellung ist. Solche Fähigkeiten können im Studium schon hilfreich sein.

Wie unterscheidet sich der Escape Room von Red Bull von den übrigen Räumen, die ihr bisher gespielt habt?
Yves: Normalerweise hat man bei einem Escape Game nur einen einzigen Raum. Bei den Red Bull Mind Games war es so, dass wir immer in mehreren Räumen jeweils ein eigenständiges Rätsel lösen mussten. Der Grundgedanke ist eigentlich ganz cool, aber in den Semi-Finals fehlte mir noch ein bisschen der Bezug zur Filmvorlage "Mindgamers".



Schummeln strengstens verboten

Konntet ihr in den Herangehensweisen an die Rätsel regionale Unterschiede zwischen den Teams erkennen?
Michael: Wir wurden strikt getrennt. Es gibt hier zwei Hotels, in denen jeweils 12 Teams untergebracht sind. Es wurde sehr aufgepasst, dass wir uns untereinander nicht sehen, damit wir uns nicht absprechen und uns gegenseitig Tipps geben können.

Christoph: Insgesamt wurde hier alles wirklich sehr, sehr geheim gehalten. Dieses große Mysterium aufrecht zu erhalten, worum es eigentlich genau geht und wer es ins Finale schafft, war auch von Anfang an das Credo des Events. Selbst an der Gaming-Location wurde alles so gesteuert, dass die unterschiedlichen Teams sich bloß nicht begegnen.

Welches Fazit zieht ihr nach der ersten Mind Gamers WM in Budapest?
Michael: Das Event ist auf jeden Fall saucool, vor allem, dass man von Red Bull nach Budapest eingeladen wird. Für uns ist es vielleicht nicht ganz so speziell, aber es gibt ja auch Teams aus Australien, aus Amerika und aus Japan. Oder die Teilnehmer aus Slowenien zum Beispel, die sind noch ganz jung – erst 20 Jahre alt. Die waren noch nie außerhalb ihres Landes und für die ist das ein richtig geiles Erlebnis.


And the winner is…

Am Ende waren es tatsächlich die jungen Slowenen, die den goldenen Rubiks Cube mit nach Hause nehmen durften. Die 22 Teams, die es nicht ins Finale geschafft hatten, schauten live am Bildschirm dabei zu, wie Slowenien sich in sieben herausfordernden Challenges gegen die Ukraine durchsetzte. Zeitgleich konnte der Rest der Welt die Mindgamers WM auf Red Bull TV verfolgen. Und die zufriedenen Veranstalter sind sich einig: Nächstes Jahr werden sie erneut nach den cleversten Köpfen der Welt suchen.

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