Transsibirische Eisenbahn
Lisa vorm Zug (l.oben) und am Baikalsee (r. unten), typischer Zeitvertreib (r. oben) | Fotos: Privat
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03. Mai 2017

Lisa Fritsch

Freizeit

1 x Abenteuer in günstig, bitte: Reisen mit der Transsibirischen Eisenbahn

Lisa Fritsch vom Reiseblog "worldtravellerin" berichtet von ihren Erfahrungen und gibt die besten Tipps für ein kleines Budget.

Die Transsibirische Eisenbahn, kurz "Transsib" genannt, ist keine Reise, die mehrere tausend Euro kosten muss, wie es viele immer befürchten. Es ist gut möglich, die fast 10.000 Kilometer und ca. 130 Stunden Zugstrecke mit einem Gesamtpreis von 400 Euro je nach Klasse und Zug zurückzulegen. Doch da kommt es zur ersten kleinen Schwierigkeit: die Tickets müssen von Stadt zu Stadt einzeln gekauft werden. Mit ein wenig Hintergrundwissen ist das aber ganz einfach und lässt die Reise flexibler gestalten.

Wo geht’s lang mit der Transsibirischen Eisenbahn?

Die originale Transsib-Strecke führt in sieben Tagen von Moskau bis nach Wladiwostok, Russlands östlichstem Ende von wo es nur noch ein Katzensprung nach Japan oder Korea ist.

Touristen befahren aber häufiger die transmongolische Strecke bis nach Peking, um z.B. Nomadenfamilien in der Mongolei zu besuchen oder die Chinesische Mauer zu besteigen. Auf dem Weg liegen beliebte Stopps wie z.B. Kasan, die Hauptstadt der Tartaren (von Moskau 13 Std.), Jekaterinburg, eine Metropole im Ural (von Moskau 28 Std.), und Nowosibirsk, die drittgrößte Stadt Russlands und eigens wegen der Transsibirischen Eisenbahn (von Moskau 49 Std.) gebaut.

Aber auch in kleineren Orten wie Perm, Omsk oder Krasnojarsk, letzteres besonders sehenswert mit dem "Stolby Nationalpark", wird gern Halt gemacht. Die beiden Hauptstrecken trennen sich in Irkutsk, einer Stadt nahe dem Baikalsee, wo ein Stopp ein Muss ist.


TippDas "Transsib"-Highlight: Der Baikalsee

Mein Highlight der Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn war definitiv der Baikalsee. Als tiefster See der Welt begeistert er mit glasklarem Wasser, das weit hinunter blicken lässt. Empfehlenswert ist ein Trip auf die Insel Olkhon, die mit dem Bus von Irkutsk in fünf Stunden zu erreichen ist. Dort gibt es Touren zu verschiedenen Aussichtspunkten über den riesigen See. Im Sommer ist es warm genug zum Baden und im Winter (beste Monate: Februar, März) ist er bei minus 30 Grad komplett zugefroren. Anstatt mit der Fähre, braust dann der Bus über die Eisfläche und Expeditionen bringen Besucher zu riesigen Eiskristallen, dem sogenannten "Blue Ice". Unbedingt probieren: den Omul-Fisch, den es nur im Baikalsee gibt!

Baikalsee

Von Irkutsk geht es entweder östlich weiter bis nach Wladiwostok oder südlich nach Ulan-Ude, die Hauptstadt in der Republik der Burjaten, einer russischen Minderheit mit mongolischen Einfluss. Wer nicht unbedingt den größten Lenin-Kopf aus Stein sehen muss, kann von dort auch gleich weiter nach Ulan-Bator in die Mongolei fahren.

Die Strecke von Irkutsk nach Ulan-Ude führt vier Stunden direkt am Ufer des Sees entlang und ist eine der schönsten Routen – deshalb unbedingt tagsüber fahren!


Wo gibt es die Tickets zu kaufen?

Die Tickets für die Züge in Russland können am besten und preisgünstigsten über die Website der russischen Bahn unter rzd.ru gekauft werden. Vor Kurzem wurde die englische Website erneuert, dennoch verwirren einen die russischen Schriftzeichen an manchen Stellen. Zudem sind die Zeitangaben immer in Moskauer Zeit, da braucht es bei acht Zeitzonen ein wenig Rechengeschick.

Es gibt grundsätzlich drei verschiedene Klassen: erste Klasse mit eigenem Abteil für zwei Personen und manchmal auch Toilette, zweite Klasse im Vierer-Abteil (russisch "kupejnyj wagon") oder dritte Klasse im offenen Abteil (russisch "plazkartnyj wagon") mit über 50 Betten und dem größten Abenteuerfaktor. Die Tickets der ersten Klasse gibt es nur in bestimmten Zügen zu kaufen, z.B. Zugnummer 1 und 2, die etwas luxuriöser sind. Umso höher die Zugnummer, desto geringer der Standard, dafür lockt eine echte, russische Zugatmosphäre.

Zugklassen Transsibirische Eisenbahn

Ein bisschen komplizierter und teurer wird es bei den Tickets in die Mongolei und nach China. Beide Strecken sind es dennoch absolut wert, da die Überquerung der Landesgrenze ein spannendes Prozedere ist. Vor allem die Route von der mongolischen Hauptstadt Ulan-Bator nach Peking ist ein Highlight, wenn gegen Mitternacht der Zug vier Stunden steht und die Fahrzeugachsen unter den Wagons ausgetauscht werden, da die Spuren in China schmaler sind.

Um sicher zu gehen, können die Tickets über Reiseagenturen im Internet wie "realrussia" gebucht werden (Irkutsk – Ulan-Bator ca. 130 €, Ulan-Bator – Peking 160 €, jeweils 2. Klasse). Es ist aber auch möglich, die Tickets direkt in den Bahnhöfen nach Ankunft zu kaufen. Im Vergleich zu Irkutsk fahren von Ulan-Ude aus häufiger Züge in die Mongolei (Ulan-Ude – Ulan-Bator ca. 75 €). In Ulan-Bator gibt es einen separaten Schalter für den Zug nach Peking. Dieser fährt allerdings nur an bestimmten Tagen (ca. 80 € vor Ort).


TippKultur: Mit Babuschkas Tee trinken und Schokolade naschen

Die beste Erfahrung im Zug ist die Gastfreundlichkeit der Russen. Die Babuschkas (russisch für "Oma") bieten mir ihr Essen an oder laden mich zum gemeinsamen Tee ein. Sie sind interessiert an meiner Reise, verstehen nicht, warum sich westliche Touristen diese Bahnstrecke "antun". Eher mit Händen und Füßen kommt ein Gespräch zustande, da viele kein Englisch sprechen, wird dafür umso mehr gelacht. Und von wegen die Russen trinken nur Wodka – Schwarztee ist ihr absolutes Lieblingsgetränk!


Wie schläft es sich im Zug?

Die Betten sind erstaunlich komfortabel. Auch in der dritten Klasse werden Kopfkissen, Decke, Bettbezug und ein kleines Handtuch gestellt. In Sachen Sicherheit gibt einem das immer anwesende Zugpersonal ein gutes Gefühl. Entgegen den Befürchtungen vieler hatte ich als alleinreisende Frau mit den aufmerksamen und freundlichen Russen nie ein Gefühl von Unsicherheit. Generell ist es dennoch ratsam, seine Wertsachen immer am Körper zu tragen (z.B. in einer Reise-Bauchtasche) und nichts unbeaufsichtigt liegen zu lassen.

Die Toiletten in den Zügen sind auch ein Erlebnis für sich, denn ein Abflusssystem gibt es nicht. Die Lucke kippt alles direkt auf die Gleise. Bei längeren Stopps am Bahnhof werden die Toiletten deshalb abgeschlossen. Da es keine Duschen gibt, wird empfohlen nur eine oder maximal zwei Nächte im Zug zu verbringen.

Dabei ist ein Mix aus zweiter und dritter Klasse empfehlenswert, zum Beispiel die erste Route in der zweiten Klasse, um sich an diese Art des Reisens zu gewöhnen und danach die dritte Klasse ausprobieren. So spart man Geld, sitzt nicht immer mit den gleichen Leuten im abgetrennten Abteil und erlebt ein echtes Transsib-Abenteuer!


TippDie Checkliste für die Transsib:

  • Tickets auf rzd.ru kaufen, gibt es maximal 45 Tage im Voraus
  • Plätze in der Mitte des Zugabteils buchen – wegen der Gerüche von den Toiletten und Raucherräumen zwischen den Zügen
  • Boardingpass direkt ausdrucken und mit Pass am Zug vorzeigen
  • Hausschuhe mitnehmen, um gemütlich durchs Abteil und schnell zur Toilette zu kommen
  • Spork (Gabel, Löffel und Messer in einem) oder Reisebesteck einpacken, sowie ausreichend Essen
  • Heißes Wasser und eine Tasse gibt es immer kostenlos
  • Im Zug kommt das Personal mit Essen herum, sonst gibt es auf den Bahnhöfen kleine Shops, um bei längeren Stopps ein paar Snacks zu kaufen
  • Russische SIM-Karte für fünf Euro kaufen, denn natürlich gibt es in russischen Zügen kein Free Wi-Fi
  • Verteilersteckdose mitnehmen, denn Steckdosen gibt es nur vereinzelnd auf den Gängen

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