Wer eine abgesicherte Existenz hat, kann leichter seiner Leidenschaft nachgehen
Das Grundeinkommen kann ein neues Lebensgefühl schaffen | Foto: ThinkStock/Ian Schmidt

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29.06.2017

Umfrage Studentenwerk

Umfrage des Studentenwerks: Wie lebt ihr, Studis?

Alle vier Jahre befragt das Deutsche Studentenwerk Studierende aus ganz Deutschland zu ihrer Lebenssituation: Wie lebt ihr? Wie lernt ihr? Wie kommt ihr finanziell klar? ... mehr »

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06. Jul 2017

Hannah Essing

Geld & Finanzen

1.000 Euro für alle? Das bedingungslose Grundeinkommen

Jeder Zweite für Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens

Einer repräsentativen Onlineumfrage des Markt- und Meinungsforschungsinstituts Ipsos – bei dem über 9.000 Menschen in zwölf Ländern befragt wurden – zufolge, ist jeder zweite Deutsche für die Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens, nur jeder fünfte ist komplett dagegen. Aber was genau kann man sich darunter vorstellen?

Beim bedingungslosen Grundeinkommen erhält jeder Bürger monatlich einen festen Beitrag vom Staat, unabhängig davon, welcher und ob er überhaupt einer Beschäftigung nachgeht. 59 Prozent der Befragten in Deutschland glauben, dass man damit die Armut im Land reduzieren könnte, in Kanada (61 Prozent), den USA (56 Prozent) und Belgien (54 Prozent), sieht es ähnlich aus, während in Frankreich 30 Prozent nicht glauben, dass das Grundeinkommen die Armut verringern könnte.

Diskussionen darüber, wie dieses Einkommen umsetzbar wäre, gibt es zahlreiche – von erhöhten Mehrwertsteuern bis zu hohen Einkommenssteuern oder Ersparnissen durch das Wegfallen der komplizierten Bürokratie in deutschen Ämtern. Vier von zehn Deutschen glauben daher, dass ein Grundeinkommen die Steuern auf ein unbezahlbares Niveau anheben würden, während ein Viertel meint, dass keine Auswirkung auf diese stattfinden würde. Unter den G7-Staaten – Japan ausgeschlossen, da sie kein Teil der Umfrage waren – ist Deutschland damit am optimistischsten, wenn es darum geht, ob das bedingungslose Grundeinkommen finanzierbar wäre.

Selbstverwirklichung und Sicherheit durch das Grundeinkommen

Ein Grund für die Überlegungen zu dem bedingungslosen Grundeinkommen ist die fortschreitende Digitalisierung unserer Welt, die viele Jobs überflüssig macht. Wäre jeder Mensch durch einen festen Betrag abgesichert, könnten Existenzängste vermieden werden. Bisher ist das alles größtenteils noch theoretisch – die Schweiz hat als erstes Land 2016 darüber abgestimmt, ob ein bedingungsloses Grundeinkommen eingeführt werden sollte, scheiterte aber mit einer Mehrheit von 78 Prozent, die dagegen waren. Finnland startete Anfang des Jahres ein ganz eigenes Experiment: 2000 Arbeitslose wurden zufällig ausgewählt und bekommen nun seit Januar ein monatliches Einkommen von 560 Euro. Und auch Schleswig-Holstein plant einen eigenen Versuch.

Michael Bohmeyer von Mein GrundeinkommenIn Deutschland gründete Michael Bohmeyer 2014 den Verein "Mein Grundeinkommen". Durch Crowdfunding werden dabei in regelmäßigen Abständen Grundeinkommen von 1.000 Euro verlost. 90 Menschen haben dabei bereits ein einjähriges Grundeinkommen gewonnen und berichten auf der Website von ihren Erfahrungen damit.

Angefangen hat alles, nachdem Michael Bohmeyer aus einem von ihm mitgegründeten Online-Shop ausgestiegen war, weiterhin aber einen monatlichen Gewinnanteil ausgezahlt bekam – sein eigenes Grundeinkommen sozusagen. Auch wenn er anfangs überlegt hatte, sich einfach auf die faule Haut zu legen und das Geld zu genießen, konnte er das nur kurz durchhalten: "Ich habe drei Monate lang versucht, nichts zu tun, aber dann habe ich viel gelesen und ein völlig neues Interesse an der Welt entwickelt. Und auf einmal konnte ich gar nicht anders, als wieder zu handeln. Mein eigenes Grundeinkommen hat mich verändert, hat mich ruhiger gemacht, kreativer, witziger, gesünder. Ich hatte weniger Geld als vorher, aber einfach nur weil es bedingungslos war, war mein Leben mit einem Mal viel besser. Daraufhin wollte ich herausfinden – und das ist immer noch mein Ziel – ob es anderen auch so geht.", erklärt der Berliner.

Inzwischen steckt ein ganzes Team hinter "Mein Grundeinkommen" und arbeitet in Berlin mit einer ganz ungewöhnlichen Unternehmensstruktur – nicht nur, dass es keine Vorgesetzen gibt, die Mitarbeiter dürfen sich auch noch selbst aussuchen, wieviel sie verdienen. Dabei kommt es darauf an, wieviel sie wirklich brauchen. Auch die Arbeitszeit dürfen sie sich selbst einteilen, angestrebt wird eine 4-Tage-Woche.

Bohmeyer sieht darin die konsequente Fortführung der Idee des Grundeinkommens: "Wer im Grundeinkommen eine Chance sehen kann und in der neuen Generation der Millennials zuhause ist, kann man nicht mehr klassisch beschäftigt werden. Diese Menschen wollen Sinnhaftigkeit spüren und wissen, wofür sie jeden Morgen aufstehen. Das Grundeinkommen gibt Menschen die Möglichkeit, selbst zu bestimmen, wie sie leben wollen und dadurch entstehen ganz bunte, neue Lebensentwürfe. Und genau das machen wir unternehmensintern auch."

Keine Lust mehr auf Arbeit?

Ineffizient werden die Mitarbeiter von "Mein Grundeinkommen" durch dieses System jedoch nicht und auch Michael Bohmeyer selbst ist ein Gegenbeweis zu einer der größten Befürchtungen in der Debatte um das Grundeinkommen: Besteht noch ein Anreiz zur Arbeit, wenn Lohn nicht mehr von dieser abhängig ist? Tatsächlich glauben 55 Prozent der Deutschen und 35 Prozent weltweit, dass die Arbeitsmoral durch das bedingungslose Grundeinkommen gesenkt werden würde und Menschen nicht mehr motiviert wären, sich Arbeit zu suchen. Vergleicht man diese Aussage mit den Vorhaben, die User bei "Mein Grundeinkommen" angeben, sollten sie die monatlichen 1.000 Euro gewinnen, sieht man eine große Diskrepanz – die wenigstens planen, sich mit dem Geld zur Ruhe zu setzen, sondern wollen es viel eher zu nutzen, um sich sorgenfrei weiterzubilden, den Beruf zu wechseln oder herauszufinden, welcher Arbeit sie wirklich nachgehen wollen.

"Der Mensch ist ein soziales Wesen, das Sinn spüren möchte und das geht sehr leicht durch Arbeit.", erklärt Bohmeyer. "Die Leute machen bestimmt andere Sachen, aber sie werden immer in irgendeiner Form tätig sein und am sozialen Leben teilnehmen." Von den Gewinnern haben tatsächlich nur drei Personen ihren Job gekündigt, keiner davon, weil er gar nicht mehr arbeiten wollte.

Auch die Mehrheit der Befragten der ipsos-Studie geben an, dass das bedingungslose Grundeinkommen ihnen ermöglichen würde, mehr Zeit mit ihrer Familie zu verbringen. Knapp die Hälfte (46 Prozent) glaubt, dass man sich mehr in der Gesellschaft engagieren würde. Auch Michael Bohmeyer hat erlebt, dass die Gewinner mehr Verantwortung für ihr Umfeld übernehmen, weil sie abgesichert sind und dadurch mehr Lust haben, etwas abzugeben und sich zu engagieren.

"Es geht dabei gar nicht so sehr um das Geld", erklärt Bohmeyer, "sondern vor allem um die Bedingungslosigkeit – das ist das revolutionäre. Die Haltung dahinter – du bekommst das Geld einfach nur, weil du ein Mensch bist, von einer anonymen Masse bereit gestellt – das ist eine Art Vertrauensvorschuss." Die Gewinner des Projekts müssen zwar nicht Bericht erstatten – schließlich ist die Teilnahme bedingungslos – aber die meisten entscheiden sich trotzdem dafür, die Veränderungen in ihrem Leben zu teilen. "Viele empfinden den Gewinn anfangs als Druck, weil sie gar nicht kennen, dass ihnen etwas bedingungs-, erwartungs- und leistungslos gegeben wird", meint auch Bohmeyer.

"Das ist eine neue Erfahrung, die es in unserer Gesellschaft eigentlich gar nicht gibt. Das sorgt erst für Stress, bis nach einer Weile Ruhe einsetzt. Daraus wird eine innere Kraft und dann verändern sie tatsächlich was. Viele berichten, dass sie sogar viel mehr arbeiten und viel mehr schaffen als vorher – aber nicht mehr so gestresst sind. Weil sie entspannter an die Dinge gehen und ein völlig neues Selbstbild entwickeln."

Perspektiven für eine neue Gesellschaft

Natürlich ist das Projekt "Mein Grundeinkommen" nicht hundertprozentig repräsentativ. Die Auszahlung ist zeitlich begrenzt, noch dazu ist das Geld nicht vom Staat gestellt, sondern wird durch Crowdfunding gesammelt – dadurch könnte ein bewussterer Umgang mit dem Betrag gefördert werden. Eine der größten Diskussionen um das Grundeinkommen ist nämlich, woher das Geld kommen soll. Kann eine derartige Menge an Geld wirklich durch Steuern und gesparte Verwaltungskosten – wenn beispielsweise keine Hartz-IV oder Bafög-Anträge mehr bearbeitet werden müssen – gestellt werden?

Das Projekt ist aber ein Anfang – und macht Hoffnung darauf, dass das bedingungslose Grundeinkommen umsetzbar ist. Deshalb bleibt es auch spannend, was Experimente wie in Finnland und bald vielleicht Schleswig-Holstein für Ergebnisse bringen und ob sie es schaffen, das bedingungslose Grundeinkommen in ein positives Licht zu rücken. Denn das Ziel ist letztendlich, jedem Menschen ein würdevolles Leben zu ermutigen, die Selbstbestimmung zu stärken und Existenzängste zu nehmen.


  • Mehr Informationen zum bedingungslosen Grundeinkommen sowie die Chance, monatlich 1000 zu beziehen gibt es auf www.mein-grundeinkommen.de.

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 30. Jul 2017 um 21:24 Uhr von Wunsch
ich finde das super immerhin verdienen die Menschen die arbeiten gehen oder eine Beschäftigung nachgehen viel mehr als ein arbeitsloser da es sich nicht wirklkich lohnt arbeiten zu gehen muss ich sagen ich bekomme die gleiche leistung vom jobcenter als wenn ich arbeiten würde gehen und das wünsche ich mir auch von der politik das endlich mal ein Beschluss kommt für alle menschen in Deutschland und immerhin kann man sich endlich auch die passende wohnung richtig leisten die schon fast unbezahlbar sind in Berlin/Brandenburg und nur Plattenbau ist kein leben und sich auch ein Richtigen Urlaub wieder leisten kann ich finde auch die Leute die jedes mal jammern unmöglich Rentner sind genauso wahrschein zufrieden das sie dann 1000Eur mehr haben für den Monat genauso wie ein Obdachloser der es sich auch verdient hat und diese hilfe annimmt also ich hoffe und bete das es dieses Grundeinkommen einführen schade nur das sie das nicht in ganz Deutschland testen erstmal dann könnte man sich schon mal selbst testen wie das dann läuft schade eigentlich das es nur bei paar testen weil wenn das in die Hose geht dann haben andere nichts davon nur die es testen durften aber eine sehr gute Idee für die zukunft nur das in Zukunft die kosten weiter werden steigen und da müssten die das auch immerwieder aufstocken das man wenn man arbeitslos ist überlegen kann.