Trinkgeld-Knigge für Deutschland
Wichtig bei der Kartenzahlung: Trinkgeld immer extra in bar geben | Foto: Thinkstock/dangubic
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21. Apr 2017

Ann-Christin Kieter

Geld & Finanzen

Stimmt so?! Unser Trinkgeld-Knigge für Deutschland

Muss ich immer Trinkgeld geben?

"Nein, in Deutschland ist man nicht verpflichtet, Trinkgeld zu geben – in keiner Situation. Wenn man das nicht möchte, kann man es lassen", sagt die zertifizierte Trainerin der Knigge-Akademie Linda Kaiser. Aber: "Es gehört schon zum guten Ton und wird entsprechend erwartet."

Wenn du also mit dem Service im Café zufrieden warst oder happy mit deiner neuen Frisur bist, solltest du das entsprechend anerkennen. Und wenn nicht? "Statt einfach kein Trinkgeld zu geben, sollte man seine Unzufriedenheit lieber ansprechen und seinem Gegenüber eine Chance geben, sich zu verbessern", rät die Expertin.

Gibt es auch Situationen, in denen man es lassen sollte?  

"Ja, immer dann, wenn der Chef einen selber bedient, ist ein Trinkgeld unangebracht", erklärt die stellvertretende Vorsitzende der Deutschen-Knigge-Gesellschaft.

Und wie viel Trinkgeld ist nun angemessen?

Linda KaiserAls Faustregel für alle Bereiche gilt: zwischen fünf und zehn Prozent des Rechnungsbetrags. Jedoch müsse man laut Linda Kaiser immer ein bisschen abwägen: "Ist es ein preiswerter Friseur, gibt man ein bisschen weniger. Wenn er etwas hochpreisiger ist, und man eine aufwändigere Leistung bekommt, dann darf es auch ein bisschen mehr sein."

Gleiches gilt im Gastronomie-Bereich: "Beim Italiener um die Ecke kommt man mit fünf Prozent gut hin. Wenn es aber ein schickeres Restaurant ist und die Rechnung ohnehin etwas höher ist, sollte man auch mehr Trinkgeld geben."

Reicht es nicht auch, aufzurunden?

"Man sollte immer ein Auge darauf haben, ob das Aufrunden nicht eher eine Unverschämtheit ist. Dann sollte man es lieber ganz lassen. Oder eben die Fünf-Prozent-Marke anpeilen", sagt Linda Kaiser und nennt ein Beispiel: "Ich etwas für 5,95 Euro verzehrt und sage dann großzügig: 'Ach, machen Sie sechs.' Dann fühlt sich die Service-Kraft etwas veralbert. 6,50 Euro sollten es in dem Fall schon sein."

Übrigens sollten auch keine allzu krummen Beträge rauskommen, wenn du die fünf bis zehn Prozent draufrechnest. Dann lieber bis zum nächsthöheren, glatten Betrag aufrunden.

Darf man als Schüler oder Student weniger Trinkgeld geben?

Da hat die Knigge-Expertin eine klare Meinung: "Nein, denn man bekommt ja die gleiche Leistung und ist als mündige Person unterwegs." Ihr Rat lautet deshalb: "Das Trinkgeld immer einkalkulieren, bevor man einen Restaurantbesuch, eine Hotelübernachtung oder eine Kosmetikbehandlung plant. Also fünf Prozent sollten vom Budget her wenigstens drin sein."

Und denk immer daran: Vielleicht hast du irgendwann auch mal einen Job in der Dienstleistungsbranche und wirst spüren wie hart und wie schlecht bezahlt solche Jobs sein können und wie dankbar man für einen kleinen Bonus ist.

Wie übergebe ich das Trinkgeld am besten?

Bei uns ist üblich, das direkt beim Bezahlvorgang zu machen. Das Restgeld auf dem Tisch liegen zu lassen, das kennt man eher aus dem Ausland. Beim Friseur stehen auch schon mal Trinkgeld-Sparschweine rum. Aber eine Sache ist ganz wichtig: Nämlich, dass man das Trinkgeld zusätzlich in bar übergibt, wenn man mit Karte zahlt. Wenn du den Rechnungsbetrag vor dem Bezahlvorgang einfach erhöhst, kommt es nämlich meistens nicht bei der Service-Kraft an.


Tickst du beim Trinkgeld wie der Rest Deutschlands?

 

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