Liebeskummer
Wenn aus Liebe Kummer wird ... dann - ja, was dann? | Foto: Thinkstock/eldinhoid
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24. Okt 2016

Anna Feininger

Liebe & Sex

Liebeskummer: Ein Leitfaden

Es ist aus: Tipps für die erste Zeit danach

Liebeskummer: Was geht gerade in dir vor?

Die Gespräche, die ihr nächtelang geführt, die Träume, die ihr miteinander geteilt und die Pläne, die ihr gemeinsam und gegen den Rest der Welt geschmiedet habt – all das dreht sich in deinem Kopf. Ihr habt Vertrauen zueinander aufgebaut, wart aufrichtig miteinander. Jetzt breitet sich an der Stelle des warmen Wohlseins eine eigenartige Angst und Leere aus: Du musst ohne deinen Partner klarkommen.

Wer auch immer auf die Idee gekommen ist, zwei widersprüchliche Gefühle miteinander in einem Wort zu verbinden und das Ganze "Liebeskummer" zu nennen, hat den Nagel auf den Kopf getroffen. Du liebst – und du bist traurig. Gleichzeitig. Und was sollst du jetzt eigentlich mit dir und diesem Chaos an Gefühlen anfangen? 

Die schlechte Nachricht zuerst ...

... es gibt kein Patentrezept und du kannst das Gefühl leider nicht ausstellen. Kalendersprüche wie "Andere Mütter haben auch schöne Kinder" und "Die Zeit heilt alle Wunden" haben sich zwar nicht umsonst bis heute durchgesetzt, aber wenn du diese Sätze hörst, glaubst du, dass die anderen nicht verstehen, wie du dich fühlst. Diese "Ratschläge" verletzten dich. Besser gesagt: Du bist verletzt und der Versuch anderer, dich aufzubauen, kann nicht wirklich zu dir durchdringen.

Liebeskummer Ratschläge

Ein Ziel, fünf Tipps, sechs Erfahrungsberichte

Diese Phase ist das, was "Liebeskummer" bedeutet. Nur das Überwinden der appetitlosen Tage und schlaflosen Nächte kann dich dazu bringen, das Ganze mit etwas Distanz und Akzeptanz zu betrachten. Das ist das Ziel, da möchtest du hin. Bis dahin wird dein Liebeskummer leider anhalten.

Liebeskummer und der Verlust nahestehender Menschen haben in diesem Sinne etwas gemeinsam: Die Unterstützung von Freunden und Angehörigen ist unglaublich wichtig, um deine Balance wiederfinden zu können, aber du musst dafür bereit sein. Wie haben es andere geschafft, sich aus diesem dunklen Loch zu ziehen? Was hat ihnen geholfen? An dieser Stelle könnte eine Auflistung der üblichen Tipps und Ratschläge folgen. Aber jede Beziehung und jeder Mensch ist anders. Sechs Leute, die du nicht kennst, haben ihre Tipps geteilt, damit auch du wieder auf den Berg kommst.

Tipp 1: Sei ruhig traurig!

Es hilft, mit jemandem zu reden. Wenn du versuchst, alles alleine durchzustehen, läufst du Gefahr, zu implodieren. Du darfst traurig sein. Schaff also ein Ventil für alles, was sich da gerade in dir zusammenbraut. "Sich erstmal richtig ausweinen und alles rauslassen", hat Lisa (24) dabei geholfen, den aktuellen Zustand zu verstehen. Bei Johanna (24) ist die Sängerin Lana del Rey die Geheimwaffe: Wenn man ihre Musik nicht mehr aushält, "weiß man, es geht bergauf." Außerdem hat es ihr geholfen, "sämtliche Sachen im Zimmer von ihm wegzuräumen oder einer Freundin zu geben, damit man das nicht mehr sieht."

So kannst du dir schon im Kleinen deinen Bereich zurückerobern und wirst nicht immer wieder an den Partner erinnert. Du kannst dich natürlich auch alleine aufs Sofa zurückziehen, aber versuch, das Angebot deiner Freunde anzunehmen.

Tipp 2: Verschanz dich nicht!

Dem Gefühl alleine und verlassen zu sein, kannst du gerade am Anfang am besten entgegentreten, wenn du dich mit den Menschen umgibst, die dich kennen und dir zeigen, wie wichtig du für sie bist. Tobi (25): "A und O sind Freunde und Familie. Wenn man alleine ist, denkt man zu viel über alles nach." Sie bewahren dich davor, dass du dich im Kreis drehst und können dich ein bisschen ablenken. Macht Pläne für die nächste Zeit und verabredet euch – neue Erfahrungen und gemeinsame Hobbies können dabei helfen, voranzukommen. Sie zeigen dir, dass dein Leben sich nicht nur innerhalb einer Beziehung abspielt.

Liebeskummer Hilfe

Tipp 3: Hol dir dein Selbstbewusstsein zurück!

Wir alle brauchen ab und an Bestätigung. Nicht immer ist damit eine absolute Abhängigkeit gemeint, manchmal brauchen wir einfach jemanden, der uns die guten und schönen Seiten an uns zeigt, wenn wir sie gerade nicht sehen können. Vor allem kann diese Art der Bestätigung dazu führen, dass du dein Selbstbewusstsein zurückgewinnst.

Dass das unterschiedliche Formen haben kann, meint auch André (29): "Man muss sich ablenken. Bis genug Zeit vergangen ist oder man eine andere Person kennenlernt. Jeder wie er will/kann. Bei mir ist es der Sport." Für Svenja (25) ist "sich einmal richtig sexy anziehen und mit der besten Freundin ordentlich feiern zu gehen" eine Möglichkeit, sich wieder sichtbar zu fühlen: "Flirten heilt zwar nicht die Wunden, aber es hilft für eine kurze Zeit." Genieß es, dich in deinem Körper und mit deiner Ausstrahlung wieder wohlzufühlen.

Tipp 4: Lerne, allein zu sein!

Eine der schwierigsten Sachen nach einer Beziehung ist es, Zeit alleine zu genießen. Wenn man viele Momente mit einem anderen Menschen verbracht hat, kommt man sich fast komisch vor, wenn das nicht mehr der Fall ist. Seine eigene Gesellschaft wertzuschätzen und Dinge zu tun, die dich interessieren oder dir gefallen, musst du dir im Alltag vielleicht erst wieder erkämpfen. Aber genau das ist wichtig.

Geh ins Kino und sieh dir den Film an, zu dem du deinen Partner nicht hättest überreden können. Kauf dir ein Buch und lies es in aller Ruhe. Koch dir für dich selbst ein leckeres Essen. Oder mach es wie Johanna: "In den Urlaub fahren. Alleine. Und den eigenen Gedanken zuhören." Und auch für Jan (28) ist "zu sich selbst finden, sich selbst und seine eigene Art feiern" der wichtigste Schritt und die größte Erkenntnis aus dem Liebeskummer gewesen. Ihn hat das Interview "Ich kann alleine sein!" mit Julia Engelmann (siehe Video) inspiriert, dass ihren Weg vom Gefühl auf der Stelle zu treten bis zur Zufriedenheit mit sich selbst zeigt.

Tipp 5: Vorsicht vor verfälschten Erinnerungen!

Du wist häufig an die Beziehung denken müssen. Das ist normal. Aber du kannst beeinflussen, wie aufrichtig du mit dir selbst und den Erinnerungen bist. Vermeide es, die Beziehung zu idealisieren. Mach dir bewusst, dass die Liebe nicht aus heiterem Himmel aufgehört hat. Für mindestens einen von euch beiden hat es Gründe gegeben, die nicht mit den eigenen Vorstellungen einer glücklichen Beziehung einhergingen. Die Probleme haben sich vermutlich angekündigt, vielleicht habt ihr häufiger gestritten oder es fehlte die Zeit zu zweit.

Wenn du also an die Beziehung zurückdenkst, denk nicht nur an die schönen Dinge, die du damit verbindest, sondern auch an all das, was dich am Anderen genervt hat. Gleichzeitig lernst du so, was dir an einer Beziehung wichtig ist, und kannst bei der nächsten Partnerschaft auf diese Dinge Wert legen.

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