Markus Barth
Und welche überschätzten Lebensmittel vergammeln in deinem Schrank so? | Foto: Stefan Mager

Studentenfutter

15.08.2016

Superfoods

Wie super sind Superfoods?

Die beliebtesten Trendprodukte im Check

Chia-Samen, Goji-Beeren, Weizengras – UNICUM hat nachgefragt, ob man diese teuren Exoten wirklich braucht.

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01. Dez 2016

Nina Weidlich

Studentenfutter

"Lecker ist ja sowas von 2015": Autor Markus Barth im Interview

"Die Chiadisten haben mich übelst beschimpft!"

UNICUM: Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Buch über überschätzte Lebensmittel zu schreiben?
Markus Barth: Ich habe irgendwann mal einen Text über Chia-Samen geschrieben, weil die mir irgendwie sehr aufgefallen sind. Als ich den Artikel auf meiner Homepage veröffentlich habe, ist er innerhalb kürzester Zeit tausendfach gelesen und geteilt worden – das war Wahnsinn! Die Kommentare dazu  waren größtenteils positiv. Es gab aber auch eine kleine Gruppe von "Chiadisten", wie ich sie nenne, die mich übelst beschimpft haben, weil ich ihr Superfood beleidigt habe. Die unterschiedlichen Reaktionen fand ich dann so spannend, dass ich gleich noch ein paar Artikel zu dem Thema geschrieben habe.

Hasst du denn wirklich alle Lebensmittel, über die du in deinem Buch herziehst?
Absolut nicht! Ich wundere mich oft, dass die Leute sich nicht auch mal über Dinge lustig machen können, die sie mögen. Einige Freundinnen haben mir zum Beispiel gesagt, sie könnten gar nicht verstehen, was ich gegen Schwarzwurzeln habe. Die Sache ist: Ich finde Schwarzwurzeln großartig, ich möchte sie nur nie mehr in meinem Leben zubereiten müssen. Denn das war mit Abstand das Umständlichste, Anstrengendste und Klebrigste, das ich seit Langem gemacht habe. Trotzdem schmecken sie super! Wer auch immer also gerne Schwarzwurzel für mich kochen möchte, soll das gerne tun.

Und welches Lebensmittel hat dir überhaupt nicht geschmeckt?
Ich habe alle Lebensmittel aus dem Buch selbst probiert und ich muss sagen: Das war nicht immer schön. Den Matcha-Tee zum Beispiel habe ich weiterverschenkt, das konnte ich einfach nicht.

An jemanden, den du nicht magst?
Nein, an jemanden, der mich darauf gebracht hat. Der muss das jetzt auch ausbaden.


Unsere Top 5 der überschätzten Lebensmittel*:

Platz 5: Birnen – Mutieren innerhalb von 3 Sekunden von Granit zu Matschepampe.Markus Barth

Platz 4: Schokoreiswaffeln – Ist doch viel zu umständlich, die ganze Schoki runter zu lutschen. Falls ihr trotzdem welche im Schrank habt: Als Dämmmaterial eventuell brauchbar.

Platz 3: Vollkorncroissant – Bemüht mal die Google-Bildersuche, dann wisst ihr es. Spoiler: Fluffig ist anders.

Platz 2: Matcha Tee – Sieht nicht nur aus wie frisch gemahlene Wiese, sondern schmeckt auch so.

Platz 1: Chia-Samen – Setzen sich konsequent zwischen sämtliche Zahnzwischenräume und gehen da nie wieder weg. Nie wieder!

*frei nach Markus Barth


"Die Reiswaffel ist der Inbegriff des lustfreien Essens!"

Kannst du dir erklären, woher dieser ganze Food-Hype kommt?
Zum einen ist das Thema Selbstoptimierung momentan ganz groß: Wir alle wollen perfekt sein, ewig leben, gesund sein und dabei auch noch schön aussehen. Hinzu kommt dann noch die Nahrung als Herausstellungsmerkmal, nach dem Motto: Guckt mal, ich esse Chia-Pudding, ich bin was Besonderes. Ich glaube, damit wollen viele sich ein kleines Krönchen aufsetzen. Viele Leute erhoffen sich anscheinend, einen gesunden Lifestyle durch Nahrung zu erreichen. Da bin ich aber ehrlich gesagt eher skeptisch – wenn jemand ernsthaft glaubt, dass er gesünder lebt, weil er einmal in der Woche einen  Chia-Pudding isst, dann ist das wirklich traurig.

Und was ist mit Laktose- und Glutenunverträglichkeiten?  Sind die auch nur ein Trend?
Ich habe gelesen, dass 2 Prozent der Deutschen tatsächlich eine Lebensmittelallergie haben, aber 20 Prozent nur glauben, sie hätten eine Allergie. Wenn diese Zahlen wirklich stimmen, finde ich das schon sehr bedenklich. Ich selbst habe z.B. Heuschnupfen und weiß, dass das kein Hobby ist. Deshalb bin weit davon entfernt, mir eine Glutenunverträglichkeit einzureden und esse auch keine glutenfreien Lebensmittel. Das sollte man vielleicht besser den Leuten überlassen, die tatsächlich darunter leiden, weil das echt keinen Spaß macht.

Man sagt ja so schön: Du bist, was du isst. Was sind für dich Menschen, die Reiswaffeln essen?
Das möchte ich nicht pauschalisieren (lacht). Aber tatsächlich ist die Reiswaffel für mich der Inbegriff des lustfreien Essens. Wenn ich mich selbst bestrafen will, esse ich eine Reiswaffel. Ich meine, ich kann mir nicht vorstellen, dass irgendjemand das ernsthaft toll findet! Ich bin sicher: Wenn ich mit Freunden in meinem Lieblingsrestaurant hocke, wir ordentlich Tapas wegputzen und dabei mehrere Flaschen Wein leeren, tun wir unserem Körper immer noch etwas Besseres, als wenn jeder von uns allein Zuhause sitzen und eine Reiswaffel essen würde. Einfach nur, weil wir dann einen lustigen Abend hatten.



"Was auch immer euch schmeckt - bitte esst es."

Hast du das Gefühl, dass Vegetarier und Veganer andere ab und an unter Druck setzen, ihre Ernährungsweise zu übernehmen?
Das hört man ja immer wieder. Ich muss aber zugeben, dass ich es so noch nicht erlebt habe. Die vegetarischen Freunde, die ich habe - und das sind einige - halten sich da vornehm zurück. Und das finde ich auch vollkommen richtig! Ich habe großen Respekt vor jedem, der sich vegan oder vegetarisch ernährt, weil er Tierleid vermeiden möchte. Ich persönlich bin nur kritisch, wenn jemand sagt: Ich ernähre mich vegan, weil es gesünder ist. Dafür fehlen mir nach allem, was ich bisher gelesen habe, einfach die Beweise.

Möchtest du selbst denn mit deinem Buch wachrütteln, nach dem Motto: Lasst euch nicht länger von der Lebensmittelindustrie hinters Licht führen?
Ich halte meine Fähigkeit, zu missionieren, für sehr gering. Ich glaube nicht, dass mein Buch die richtigen Hardcore-Superfood-Fans bekehren wird. Ich habe aber schon öfter von Leuten gehört, die den Chia-Samen schon eine Zeitlang Zuhause stehen hatten und ihn nicht mehr kaufen, seitdem sie mein Buch gelesen haben. Ich sage immer: Was auch immer euch schmeckt - bitte esst es, und zwar in rauen Mengen. Aber lasst euch nicht von Leuten, die einfach nur Geld machen wollen, irgendetwas einreden.

Was hältst du von einem anderen Food-Trend: Leute, die im Restaurant ihr Essen fotografieren?
Im Grunde denke ich mir immer, es soll jeder machen, worauf er Lust hat. Ich finde es ein bisschen schwierig, wenn ich im Restaurant sitze und alle zücken erstmal ihr Smartphone, sobald das Essen kommt. Aber wenn es die Menschen glücklich macht und sie wirklich glauben, in zehn Jahren hole ich nochmal meine Bilder raus und gucke mir an, wie das damals war, als wir diese leckere Pizza gegessen haben, dann sollen sie das bitte machen.


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Markus Barth

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