Zuckersucht
Viele Lebensmittel täuschen vor, zuckerfrei und damit gesund zu sein. | Foto: gratisography.com

Studentenfutter

29.06.2014

Studentenfutter

Studentenfutter: Tipps für eine gehirnfreundliche Ernährung

Welches Brainfood taugt wirklich etwas?

Wir erklären dir, wir du dich im stressigen Arbeits- und Unialltag gesund ernährst und welche Nahrungsmittel dir beim Denken helfen. 

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10. Nov 2017

Nina Weidlich

Studentenfutter

Zucker: Wetten, du isst auch zu viel davon?

Das solltest du über das süße Lebensmittel wissen

Die WHO sagt: Nicht mehr als 25 Gramm Zucker am Tag

Nutella ist eine Zuckerbombe  – 56,7 Gramm Zucker befinden sich in 100 Gramm der leckeren Haselnusscreme. Das wissen wir, und deshalb können wir uns auch gerade so beherrschen, nicht mehr als ein Brot mit dem süßen Aufstrich zu futtern. Meistens zumindest.

Eine 0,5 Liter-Dose Energydrink schlürft sich dagegen während einer intensiven Lernphase relativ flott weg. Auch damit haben wir schon wieder mindestens 50 Gramm Zucker intus. Eine einzige Dose des Wachmachers enthält damit doppelt so viel Zucker, wie ein Erwachsener laut Weltgesundheitsorganisation WHO an einem Tag höchstens zu sich nehmen sollte. In ihrer Empfehlung aus dem Jahr 2015 rät die Organisation nämlich, pro Tag nicht mehr als 25 Gramm des "weißen Goldes" zu verzehren. 

Das heißt aber nicht, dass wir eine bestimmte Tagesration Zucker benötigen. Auch die Tatsache, dass unser Gehirn pro Tag etwa 140 Gramm Glukose verbraucht, gibt uns keine Berechtigung dafür, das Nutella-Glas doch noch einmal aufzuschrauben. Denn: Unser Körper braucht den Zucker gar nicht in seiner reinen Form, sondern kann die Energiequelle aus Kohlenhydraten in Lebensmitteln wie Brot oder Nudeln selbst herstellen. 

Nie mehr Schoki & Co.: Anastasia Zampounidis lebt zuckerfrei

Anastasia ZampounidisWeil zu viel Zucker schädlich ist, hat die Fernseh- und ehemalige MTV-Moderatorin Anastasia Zampounidis vor über zehn Jahren beschlossen, komplett auf die Zufuhr von Zucker zu verzichten. Die 48-Jährige gebürtige Griechin sagt von sich selbst, vor ihrem "Entzug" regelrecht süchtig nach Zucker gewesen zu sein: "Wenn ich keinen Zucker bekommen habe, hatte ich sowohl körperliche, als auch psychische und emotionale Symptome. Viele kennen das: Man bekommt Händezittern oder wackelige Knie, ist mies gelaunt und denkt nur noch 'Ich brauche Nachschub!'"

In ihrem Buch "Für immer zuckerfrei" beschreibt Anastasia jetzt, wie sie den Weg in ein zuckerfreies Leben geschafft hat. Heißhunger war dabei natürlich ein großes Thema, trotzdem sagt sie: "Die Gelüste waren nach spätestens drei Wochen weg, nach sechs Wochen war das Thema komplett durch. Nicht nur der Dalai Lama, sondern auch Neurologen sagen, dass es sechs Wochen braucht, bis sich eine veränderte Verhaltensweise im Gehirn festhakt. Da entsteht tatsächlich so eine Art Kerbe im Gehirn – wenn die drin ist, fällt es dir auf einmal leicht."

Einige der Menschen, die es der Moderatorin gleichtun, berichten ihr über Social Media auch schon mal über Kopfschmerzen oder schlechte Laune. Sie selbst hatte solche Nebenwirkungen allerdings nicht, da sie sich schnell in einer Art Rauschzustand befand. "Als ich mir beim Einkaufen die Inhaltsstoffe der Produkte mal genauer angesehen und recherchiert habe, was die Begriffe eigentlich bedeuten, war ich ohnmächtig und wütend. Selbst in meinem vermeintlich leichten Putenaufschnitt war Zucker drin. Da habe ich mir gedacht: Ihr Schweine, die Verarsche hat jetzt ein Ende. Das hat mich tatsächlich ein bisschen euphorisiert."


Facts to go: Das solltest du über Zucker wissen

In ihrem Buch "Für immer zuckerfrei" gibt Ex-Zuckersuchti Anastasia Zampounidis Tipps, wie man auch ohne Schoki & Co. durchs Leben kommt. Wir haben ein paar wichtige Fakten für dich zusammengefasst:

  • Wer zuckerfrei lebt, muss kein Vegetarier oder Veganer sein
    Anastasia lebt zwar mittlerweile weitestgehend vegan, notwendig ist das für eine zuckerfreie Ernährung allerdings nicht: "Ich würde sogar davon abraten, beides gleichzeitig zu starten. Wenn man zu streng ist, besteht immer die Gefahr des Jojo-Effekts."
  • Weniger Zucker bedeutet nicht weniger Freizeit
    Auch wenn man auf verarbeitete Produkte und Fertiggerichte verzichten sollte – der Zeitaufwand für eine zuckerfreie Ernährung ist überschaubar. "‘Meal-Prep‘, also das Vorbereiten von Mahlzeiten, ist gerade in aller Munde. Zwei Mal die Woche eine Stunde in der Küche verbringen, das kann wirklich jeder in seinen Alltag integrieren."
  • Fruktose ist (ein bisschen) besser als Glukose
    Der Vorteil von Fruktose: Sie macht nicht so abhängig. "Wenn ich drei fette Datteln esse, habe ich eine Menge Zucker zu mir genommen. Dann bin ich aber auch bedient. Anders als beim Haushaltszucker bin ich am nächsten Tag nicht sofort wieder 'drauf'."
  • Sport kann den Zuckerkonsum nicht ausgleichen
    Nach dem Workout eine Tafel Schokolade zur Belohnung? Das bringt´s nicht: "Wer von morgens bis abends Zucker isst, wird nie auf ein hohes Fitnesslevel kommen, denn der Muskelaufbau wird durch den Zuckerkonsum gehemmt."

Bei Zuckersucht hilft nur ein kalter Entzug

Von Alkohol- und anderen Drogensüchten wissen wir, dass ein kleiner Ausrutscher bereits das Ende der Abstinenz bedeuten kann. "Wenn ich ein Stück Schokotorte essen würde, wäre ich auch sofort wieder drauf", sagt Anastasia. Das hat sie bereits in einer Art kontrolliertem Rückfall getestet: Nachdem sie sechs Monate 'clean' war, wollte die Moderatorin sich bei einem Gala-Abend mit einem Vier-Gänge-Menü belohnen – natürlich inklusive Nachtisch.

"Crème brûlée, Gebäck mit Sahne, ich habe alles probiert, was es da halt so gab. Am nächsten Tag ging es los: Heißhunger! Ich konnte sieben Tage lang an nichts anderes als Schokolade, Eiscreme oder Kuchen denken. Das war so schlimm, dass es mich für immer geheilt hat. Insofern sind nicht alle Rückfälle Niederlagen, man kann sie auch für sich nutzen und daraus lernen."

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Zuckerfrei muss nicht teuer sein

Fast Food und Fertigprodukte zählten, wie bei vielen Studenten, auch in Anastasias Studienzeit zu den Hauptnahrungsquellen. "Ich habe nebenbei gejobbt und musste als Studentin natürlich auch auf mein Geld achten." Heute weiß sie: Eine gesunde, zuckerfreie Ernährung muss nicht teuer sein.

"Man sollte nicht jedem Trend blind folgen. Glutenfrei, Low-Carb, Superfoods – das kann man alles durch Produkte ersetzen, die viel günstiger sind. Leinsamen statt Chia, Blaubeeren statt Goji. Hafer und Vollkorngetreide sind günstige Sättigungsquellen. Hätte ich dieses Wissen damals gehabt, hätte ich schon viel früher gegensteuern können."

Wer sich zuckerfrei ernähren will, kann laut Anastasia Zampounidis keine verarbeiteten Lebensmittel mehr essen. Aber warum macht die Industrie es uns so schwer? "Weil dieser Wirtschaftszweig in jedem Land besonders mächtig ist", meint die Moderatorin. "Kein Staat der Welt hat sich bisher getraut, sich mit dieser riesigen Lobby anzulegen."

Das Ende der EU-Zuckermarktordnung – Was bedeutet das?

Tatsächlich macht die Politik es der Zuckerindustrie jetzt noch einfacher: Im Oktober dieses Jahres ist die EU-Zuckermarktordnung gefallen. Sie hatte bisher den internationalen Wettbewerb geregelt und Mindestpreise für Zucker innerhalb der EU vorgeschrieben. "Um jetzt wettbewerbsfähig zu bleiben, muss die Zuckerrübenindustrie ganz klar die Preise drücken", prognostiziert Dario Sarmadi von der Organisation Foodwatch. "Zucker wird also billiger und es wird damit für Lebensmittelhersteller noch lukrativer, in Zukunft auf zuckerreiche Produkte zu setzen. Davon sollten wir aber eigentlich nicht mehr, sondern weniger essen."

"Hört endlich auf zu lügen!", fordert Foodwatch deshalb in einer E-Mail-Kampagne von der Zuckerlobby. "Zucker macht nicht dick, der Mensch braucht Zucker als Nahrungsmittel, es gibt keinen Zusammenhang zwischen Typ-2-Diabetes und dem Zuckerkonsum – das alles ist völliger Humbug. Wir decken diese Mythen auf und fordern unter anderem eine verbesserte Nährwertkennzeichnung." In Form des Ampel-Prinzips sollen Verbraucher damit bereits auf der Vorderseite der Verpackung darüber informiert werden, wie gesund oder ungesund ein Produkt ist.

Eine weitere mögliche Maßnahme, die Foodwatch begrüßen würde: Hersteller von zuckerreichen Getränken zahlen eine Sonderabgabe. Ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter muss gezahlt werden, für noch süßere Softdrinks ist eine höhere Gebühr fällig. In Großbritannien ist diese Abgabe noch relativ neu, in einigen skandinavischen Ländern und in Mexiko gibt es das Ganze schon länger – in Form einer Zuckersteuer. Dadurch soll den Herstellern ein Anreiz gegeben werden, den Zuckergehalt in ihren Getränken zu reduzieren.


UNICUM Buchtipp:

Für immer zuckerfreiFür immer zuckerfrei

Anastasia Zampounidis

Bastei Lübbe, 29. September 2017

Preis: 16,00 € (Paperback)

Artikel-Bewertung:

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