Studenten-WG
Bist du der Typ für eine WG? | Foto: Thinkstock/Voyagerix
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06. Apr 2016

Lisa Menzel

Wohnen

Gibt es die perfekte Studenten-WG?

Worauf du bei der WG-Suche achten solltest

Wo suche ich nach der perfekten WG?

Die wohl am weitesten verbreitete Möglichkeit nach Wohngemeinschaften zu suchen, ist das Durchstöbern von Angeboten auf Portalen wie wg-gesucht.de. Dort kannst du auf einen Blick sehen, welche neuen WG-Angebote es in deiner Stadt oder sogar in deinem gewünschten Stadtteil gibt, wie viele Mitbewohner dich erwarten, wie groß das betreffende Zimmer ist und wie viel du dafür monatlich hinblättern musst.

Beim Klick auf einzelne Angebote siehst du neben den allgemeinen Informationen über Wohnung, Mitbewohner und andere Rahmenbedingungen wie etwa "versteckten Kosten" oder das früheste Einzugsdatum auch detaillierte Angaben zum WG-Leben oder der Lage der Wohnung. Oft lohnt es sich, diese Texte aufmerksam durchzulesen und schon danach zu entscheiden, ob diese Wohnung für dich passen könnte.

Einige kannst du eventuell direkt ausschließen und dir den Weg zum WG-Casting sparen. Stecke deine Energie lieber in Wohnungsanzeigen, die dein Interesse wecken, sei es durch den Anzeigen-Text oder die Wohnungsbilder.

Einige Zimmer werden nur zur Zwischenmiete angeboten, etwa weil die Bewohner ein Praktikums- oder Auslandssemester machen. Für den Übergang kann das eine gute Lösung sein, zumal sich oft noch weitere Möglichkeiten ergeben, wenn du vor Ort bist. Meistens werden solche WG-Zimmer möbliert vermietet, sodass du dir neue Möbel in dem Fall auch erstmal sparen kannst.

Juchu, ich bin im Recall!

Nimm dir Zeit für deine Wohnungsbesichtigungen! Einige Castings werden zwar im 10-Minuten-Takt veranstaltet, es werden 20 Leute gleichzeitig eingeladen oder es findet eine erste Auswahl anhand von Bewerbervideos statt, aber am Ende dienen alle Wohnungsbesichtigungen nur einem einzigen Zweck: Die Bewohner wollen dich als Bewerber und potenziellen Mitbewohner kennenlernen. Aber wenn es gut läuft und ihr euch alle gut versteht, dann kann so eine Wohnungsbesichtigung gerne mal mehr als eine Stunde dauern.

Und nichts ist dann blöder, als dass der Bewerber früher abhauen muss, wenn sich die Bewohner eigentlich mehr Zeit genommen haben und dich gerne noch näher kennengelernt hätten. Denn sie sind es, die sich ihren zukünftigen Mitbewohner aussuchen. Und das hauptsächlich nach Sympathie. Deshalb sei einfach du selbst: vor deinen Mitbewohnern kannst du dich und deine Macken später eh nicht verstecken.

Hauptsache, mir gefällt die Wohnung?!

Ob die WG ein Wohnzimmer, einen großen Flur, eine geräumige Küche oder eigentlich gar keine Gemeinschaftsräume hat, ist erstmal nebensächlich. Auch der Balkon, Gartenmitbenutzung, Fahrradschuppen oder ein eigener Stellplatz in der Tiefgarage müssen erst einmal zurückstecken. Natürlich solltest du dich wohlfühlen, denn das soll dein neues Zuhause werden, aber je nach Budget muss man von der idealen Wohnungsvorstellung ganz schnell abweichen.

Die Lage der Wohnung spielt eine erheblich wichtigere Rolle, also wie gut du tägliche Ziele wie Uni, Supermarkt, Nebenjob oder Fitnessstudio erreichst oder ob du nachts gut schlafen kannst, obwohl mindestens stündlich ein Zug neben deinem Fenster vorbeifährt. Und die Hauptsache ist sowieso, dass du in einer WG gut du mit deinen Mitbewohnern (zusammen) leben kannst. Deshalb solltest du dir genau überlegen, mit wem du da zusammenziehst.


Perfekte Wohngemeinschaft


I love my Mitbewohner

Nicht jede Freundschaft hält einem dauerhaften Zusammenleben stand. Vor allem gerade erst entstandene leiden dann unter dem "zu viel" an Nähe. Steckt in meiner Kommilitonin vielleicht eine Putz-Verweigerin? Kann mein Kommilitone nicht abspülen oder entwickelt sich der beste Freund eines Freundes zur immer (tagsüber & nachts) lautstark Musik hörenden Nervensäge?

Aber auch langjährige Freunde halten als Mitbewohner einige unangenehme Nebeneffekte bereit. Das kann echt anstrengend werden. Und die netten Abende oder intensiven Lern-Nachmittage sind plötzlich gar nicht mehr so angenehm. Aber wie sagt man das jemandem, mit dem man so viel Zeit verbracht und den man gut zu kennen geglaubt hat? Deshalb kann es durchaus positiv sein, mit wildfremden Personen zusammenzuwohnen. Die kann man nämlich höflich darauf hinweisen, dass sich der Geschirrberg in der Küche zu Höhen erhebt, die du nicht mehr ertragen kannst. Und das ohne, dass daraus gleich eine Krise im gesamten Freundeskreis erwächst.

Außerdem kann man sich bei seinen Freunden dann auch mal über die neue Mitbewohnerin aufregen, wenn sie das Bad gar nicht oder nicht gründlich genug geputzt hat. Mitbewohner zu haben, kann manchmal weniger sein als Freundschaft, manchmal aber auch viel mehr – auf jeden Fall ist es etwas Besonderes. Und wenn man erstmal Monate oder Jahre zusammengewohnt hat: Wer kann eine so gewachsene Freundschaft dann noch trennen?

Die Geschlechterfrage

Ob du dann mit ein, zwei, drei oder zehn Menschen zusammenwohnen möchtest oder ob du dich überhaupt auf das WG-Abenteuer einlassen willst, das kannst nur du selbst wissen. Gleiches gilt für die Frage nach gleich- oder gemischtgeschlechtlichen WG-Konstellationen: Viele WGs sind froh über die gemischtgeschlechtliche Zusammenstellung und führen darauf die ausgeglichene Stimmung in der WG zurück. Andere sind froh, dass sie sozusagen "unter sich" sind.

Am wichtigsten ist, dass man sich (unabhängig vom Geschlecht) sympathisch ist. Und da kann man sowieso keine allgemeinen Aussagen treffen. Tatsache ist, dass du diesen Menschen Tag für Tag begegnen wirst und jeden Tag mit ihnen, ihrem dreckigen Geschirr, dem übervollen Mülleimer oder den Haaren im Duschabfluss konfrontiert bist.

Plan oder nicht Plan, das ist hier die Frage

Wichtig ist die Einrichtung einer Haushaltskasse oder zumindest klare Regelungen, wer für wen einkauft und wer welche Dinge benutzen darf: Es kann schön sein, gemeinsam einzukaufen oder zusammen zu kochen. Es müssen auch nicht fünf Waschmittelpackungen neben der Waschmaschine stehen oder drei Flaschen Öl neben dem Herd. Aber wenn einem das Essen weggegessen wird, ist das ärgerlich.

Gerade bei finanziellen Fragen – vor allem beim kleinen Studenten-Geldbeutel – hört die Freundschaft auf. Auch wenn es nur kleine regelmäßige Anschaffungen sind, wenn immer dieselbe Person Öl, Waschmittel oder Backpapier bezahlt, kann das ganz schön ins Geld gehen! In vielen WGs existieren Putzpläne, die regeln, wer wann und vor allem was putzen soll. Das kann helfen, denn sonst wird sich nie jemand aufopferungsvoll und ganz freiwillig um den Zustand der WG kümmern. Ein Plan macht solche Zuständigkeiten klar. Natürlich kann es dann auch sein, dass diese Pläne nicht eingehalten werden. Aber dann sollte man nicht still vor sich hin leiden oder zu lange schweigen, denn sonst ändert sich das nie.

Am Ende muss die WG zu dir passen

Egal, ob es bei dir nun die Party-WG oder die Zweck-WG wird, ob deine neuen Mitbewohner zu echten Freunden oder zu geliebten Feinden werden, du musst dich in deiner WG zu Hause fühlen. Du darfst dich freuen, wenn du mal sturmfrei hast, wenn du dich umgekehrt auch mal freust, dass noch jemand zu Hause ist.

Also dann: viel Glück bei der Suche nach deiner neuen WG!

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