Kleinstadt Studium
Kleinstadt oder Metropole? Überall muss man sich erst orientieren | Foto: Thinkstock/dangrytsku
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25. Feb 2014

Anna Gumbert

Wohnen

How to survive – ein Kleinstadt-Studium!

Verschlafene Studentennester vs. brodelnde Uni-Metropolen

Ein Großstadtmensch in der Kleinstadt

Anna GumbertNach Post aus Leipzig, Berlin und Dresden kam die Zusage, auf die ich so lange gewartet hatte. Ich war nun offiziell Studentin der Kultur- und Medienpädagogik an der Hochschule Merseburg. Mein Herz pochte schnell, in meinem Bauch breitete sich ein warmes Gefühl aus und meine Jubelschreie ließen keine Zweifel: Das sollte mein zukünftiger Wohnort werden, hier würde ich ab Oktober 2013 studieren. Da gab es nur einen kleinen Haken: Merseburg, eine kleine schnuckelige Stadt an der Saale, unweit von Leipzig und Halle, wird von gerade einmal 30.000 Menschen bewohnt. Kurz gesagt: Hier sagen sich Fuchs und Hase gute Nacht.

Als Großstadtmensch kam ich ins Grübeln: Ich brauche Straßenbahnen und Menschenmassen, durch die ich mich quetschen muss, ich will einen mindestens monatlich stattfindenden Poetry Slam und Hipster-Bars und eine vernünftige Infrastruktur. Warum ich trotzdem bei meiner Entscheidung blieb und wie man als Kleinstadtstudent überlebt, will ich euch verraten.

Das blanke Grauen oder Ruhe-Oase?

Wenn du dich noch in der Entscheidungsphase befindest, mach dir einige Dinge klar – denn für manche Menschen bedeutet der Umzug in eine Kleinstadt wirklich das blanke Grauen. Nach der anfänglichen Euphorie zu Semesterbeginn werden die Studentenpartys rapide abflauen, du hast die Stadt wirklich innerhalb eines großen Spaziergangs vollständig durchquert und wenn du keinen H&M in der Einkaufspassage findest – dann gibt es ihn auch nicht.

Absolute Großstadtmenschen rennen hier nach wenigen Tagen mit dem Kopf gegen die Wand. Auch wenn es in dieser Hinsicht auch andersherum gehen kann: Viele Studenten kommen extra aus Berlin oder Leipzig und genießen die Ruhe.

Sicherlich ist das kein besonders cooles Argument für einen Studienanfänger, aber: Wenn du wirklich etwas während deines Studiums lernen und mehr mitnehmen willst als unzählbare Kater, eine leere Geldbörse und immer wieder verschobene Nachholtermine für verpatzte Klausuren, dann ist eine Stadt, in der es etwas ruhiger zugeht, nicht die schlechteste Wahl. Zumindest unter der "Arbeitswoche" – am Wochenende kann man dann zum Feiern und Frei-Sein in die nächstliegende Großstadt flüchten.


Kleinstadt Studium Vorteile


Mach was draus!

Freitagabend. Die Studenten der Kleinstadt ziehen geräuschvoll die Rollos ihrer Fenster nach unten. Ein einsamer Heuball wird raschelnd vom Wind zwischen den Wohnheimen umhergefegt. Solche Horrorszenarien soll es wohl geben – doch so muss es nicht sein. Denn was auf dem Campus geschieht, das entscheiden die Studenten selbst.

Erste Anlaufstelle für Party und Geselligkeit am Abend sind beispielsweise die Studentenclubs. Derer gibt es pro Hochschule oder Universität mindestens einen. Was dort an Veranstaltungen passiert, liegt in den fähigen Händen der Campusbewohner. Für Anregungen oder Mitarbeit sind die Clubs immer offen, deswegen auch der Zusatz "Studenten-" in ihrem Namen.

Grundsätzlich ist es so, dass vor allem zu Beginn und Ende des Semesters ordentlich gefeiert wird, dazwischen herrscht größtenteils Ebbe in der Partylandschaft. Diese kann man gut mit kleinen Mottopartys, Poetry Slams mit studentischen Texten, Karaoke-Abenden und vielem mehr füllen.

Ähnlich verhält es sich mit Wohnheimen auf dem Campus oder Studenten-WGs. Deren Nutzen ist es nicht nur, möglichst viele Akademiker in spe auf möglichst geringer Wohnfläche zusammenzupferchen, vielmehr können sie als Chance genutzt werden, gegenüberliegende Wohnungen zu Partyflächen auszuweiten oder die Gänge mit Musik zu beschallen. Ein Lächeln und ein "Guten Morgen", wenn man sich frühmorgens am Briefkasten begegnet, sollten schon als Einladung reichen.


Kleinstadt Studium Nachteile


Gründe deine eigene Campus-Familie

Nicht zuletzt hast du deine Hochschule aber nicht wegen der Stadt gewählt, sondern weil du studieren möchtest – und zwar genau den Studiengang, der zu dir passt. Der Vorteil an kleinen Hochschulen und Unis ist, dass du schnell in die "Hochschulfamilie" aufgenommen wirst. Nach wenigen Wochen kennst du jeden, den du kennen musst und mehr.

Vor allem zu Beginn des Studiums ist es unheimlich erleichternd, wenn man unter den Grüppchen in der Mensa schnell und überall bekannte Gesichter findet. Professoren rufen dich bei deinem Namen und die Grenze zwischen den Studiengängen, egal ob BWLer und Soziale Arbeiter, Chemiker oder Kunststudenten, ist schnell überwunden – schließlich teilt man dasselbe Schicksal. Man weiß, wen man abends auf ein Bierchen im Studentenclub treffen kann, weil es stets dieselben "Pappenheimer" sind, die Abend für Abend an der Theke stehen. Das hat etwas absolut familiäres, wie die abendlichen Couchsitzungen mit der Familie vor dem Fernseher. Man fühlt sich schnell heimisch.


Kleinstadt Hochschulen


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