Tipps bei WG-Zoff
Das WG-Leben kann schnell zur tickenden Zeitbombe werden | Foto: Thinkstock/Wavebreakmedia Ltd.
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03. Jan 2015

Tobias Kurfer

Wohnen

Tipps gegen den WG-Zoff

So vermeidest du Ärger in der Wohngemeinschaft

Streitpunkt: Sauberkeit

Sie ist das WG-Streitthema Nummer eins: die liebe Sauberkeit. "Fast die Hälfte aller Konflikte entzündet sich an ihr", sagt Ludger Büter. Und die Auseinandersetzungen um Hygiene und Ordnung seien oft auch die heftigsten. Der WG-Mediator hat schon Studenten beraten, die sich wegen schmuddeliger Badezimmer oder übervoller Mülleimer geprügelt haben. Sogar zu tätlichen Angriffen mit Haushaltsgeräten soll es gekommen sein.

"Haben die WG-Bewohner unterschiedliche Auffassungen von Sauberkeit, hilft meist nur der klassische Putzplan", so Büter. Liegen die Auffassungen, was "sauber" bedeutet, unüberbrückbar weit auseinander, sollte man Putzpläne mit Checkliste anlegen. In denen ist dann Punkt für Punkt festgehalten, dass etwa zum Küchendienst Abwasch, Müll runterbringen und Kühlschrank ausmisten gehört.


Streitpunkt: Lärm

Auch Lärm ist ein ständiger Zankapfel in Wohnheimen und WGs. Wenn das Ruhebedürfnis der einen mit der Feierstimmung eines anderen kollidiert, gibt es Stress. Wer sich von Partylärm und Schlagzeug-Übungsstunden gestört fühlt, sollte zunächst an die Einsicht des Lärmenden appellieren.

"Bringt das nichts, hilft nur, verbindliche Vereinbarungen über Ruhezeiten zu treffen", so Büter. Der Psychologe rät, bei Gesprächen dem Partylöwen oder Musiker nicht das Gefühl zu geben, man wolle seine Freiheit einschränken, sondern ihm zugestehen, dass er seine Bedürfnisse ausleben soll. Das macht Menschen empfänglich und kompromissbereit.


Streitpunkt: Geld

Sympathie und Sparzwang sind die Hauptgründe für WGs, eine Haushaltskasse einzuführen. Aber kaum eine hat je die Zeit in der gemeinsamen Wohnung überstanden, weiß der WG-Experte aus langjähriger Erfahrung. Mehr noch: "Gemeinsame Kassen sind schon fast ein Garant für WG-Zoff – sei es, weil der eine irgendwann das Gefühl hat, den anderen durchzufüttern, oder gar der Verdacht aufkommt, ein Bewohner bediene sich am gemeinsamen Geld."

Streitschlichter Büter rät deshalb, auf Haushaltskassen besser ganz zu verzichten. Gemeinsame Anschaffungen können dagegen durchaus sinnvoll sein. "Doch auch sie bergen Konfliktpotenzial", warnt Büter, "denn eine gemeinschaftlich erstandene Mikrowelle oder Badezimmerlampe ist in der Regel unproblematisch, aber ein WG-Auto oder eine Playstation für alle kann dagegen schnell zum Streitobjekt werden."


WG-Auswahl: Wer mit wem?

Ob Sprösslinge aus Großfamilien mehr zum WG-Leben taugen als Einzelkinder oder Frauen bessere Mitbewohner sind als Männer, lässt sich pauschal nicht sagen. Bei der Wahl der Mitbewohner sollten WG-Willige vor allem darauf achten, dass sie ähnliche Vorstellungen bei den besonders konfliktträchtigen Themen Ordnung und Ruhe haben. Werden neue Mitbewohner gesucht, kann ein Casting von Vorteil sein.

Der Experte rät WG-Bewohnern, mit den Bewerbern über deren Hobbys und Vorlieben zu sprechen, auf diese Weise bekommt man eine Menge wertvolle Informationen über mögliche Konfliktherde. Auch WG-Regeln ansprechen sei wichtig. Und: Die letzte Entscheidung für einen Kandidaten sollte sich grundsätzlich nie auf Sympathie allein gründen. Die kann, wenn es Streit gibt, schnell wieder verfliegen.


Der UNICUM Experte

Der Diplom-Psychologe Ludger Büter arbeitet in der psychosozialen Beratungsstelle des Kölner Studentenwerks. Er berät Studenten kostenlos bei Streitigkeiten in der WG oder im Wohnheim. 

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 25. Sep 2017 um 12:15 Uhr von Lena Korbjun
Hallo ich habe eine Frage und zwar suche ich den Kontakt zu Ludger Büter und wollte fragen, ob ihr mir diesen vermitteln könnt. Das Kölner Studentenwerk meinte er wäre schon in Rente. Vielleicht könnt ihr mir weiter helfen? Liebste Grüße und danke Lena