Einbruch Schutz
Auch "arme" Studenten können Opfer von Einbruch werden | Foto: Daryn Stumbaugh/Unsplash

Wohnen

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22. Nov 2017

Nina Weidlich

Wohnen

Tipps gegen Einbruch: So machst du deine Wohnung sicherer

"Bei jedem kann etwas abhandenkommen"

"Alle zwei Minuten wird in Deutschland eingebrochen" – diese Info springt uns auf dem Online-Portal "Nicht bei mir – Initiative für aktiven Einbruchschutz!" gleich auf der Startseite entgegen. Die meisten von uns triggert diese (eigentlich ziemlich erschreckende) Aussage jedoch erstaunlich wenig. Wohnungseinbruch ist eines dieser Dinge, die doch immer nur den anderen passiert. Oder? Und selbst wenn: Was sollen die bei mir zuhause schon mitnehmen?

Harald Schmidt ist Kriminaloberrat und Leiter der Zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Der Experte gibt zu bedenken: "Bei jedem kann etwas abhandenkommen: Das Sicherheitsgefühl. Nicht nur der materielle Schaden, sondern häufig auch dauerhafte psychische Belastungen sind die Folgen für die Opfer. Denn die Täter dringen in die Privatsphäre ein, wühlen in den persönlichsten Sachen und stehlen auch Gegenstände, an denen Lebenserinnerungen hängen."

Und tatsächlich: Die Vorstellung, dass jemand Fremdes in der Lage ist, ungefragt unsere eigenen vier Wände zu betreten, ist noch sehr viel unangenehmer als ein gestohlener Fernseher oder ein fehlendes Notebook. Zumindest, sobald man den Verlustschmerz überwunden hat.

Einbruch Technik

Sicherheitstechnik schreckt Einbrecher ab

Die aktuellen Zahlen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) zeigen, dass die Zahlen von 160.000 Einbrüchen im Jahr 2015 auf etwa 140.000 in 2016 gesunken sind. Schaut man sich aber ältere Zahlen an, wird deutlich: Heute wird immer noch viel häufiger eingebrochen als noch vor zehn Jahren – 2007 gab es nämlich "nur" 110.000 Wohnungseinbrüche.

Die momentan sinkenden Zahlen sind laut Experten unter anderem auf verbesserte Sicherheitstechniken zurückzuführen. Laut GDV konnten 43 Prozent der Einbruchsversuche durch technische Sicherungen verhindert werden. Einbrecher versuchen, sich möglichst unbemerkt Zugang zu einer Wohnung zu verschaffen. Geprüfte Sicherheitssysteme helfen dabei, den Dieben das Aufbrechen von Fenstern und Türen zu erschweren, sodass viele ihr Vorhaben lieber frühzeitig abbrechen, bevor sie von aufmerksamen Nachbarn erwischt werden.

Wer in eine Mietwohnung einzieht, hat aber meist keinen Einfluss darauf, ob die Wohnung mit einer speziellen Technik ausgestattet wird. "In Sicherungstechnik zu investieren, hat aber nicht zwangsläufig einen großen Umbau zur Folge. Geeignete Fenster und Türen können auch nachgerüstet werden", weiß Harald Schmidt. Besonders wichtig ist laut dem Experten aber, dass die verschiedenen Sicherungsmethoden geprüft und zertifiziert sind – auf billige "No-Name-Produkte" solltest du deshalb besser verzichten.

Neben der Qualität spielt auch die Anbringung eine wichtige Rolle, denn: "Nur bei fachgerechter Montage können eingebaute Sicherungen ihre volle Wirkung entfalten", gibt der Kriminaloberrat zu bedenken.


TippEinbruchschutz: Darauf solltest du bei Kauf und Einbau achten

Entscheidest du dich, spezielle Sicherungstechnik in deiner Wohnung neu einbauen oder nachrüsten zu lassen, gibt es einige Dinge zu beachten. Hier die wichtigsten Tipps des Experten:

  • Bei Neu- und Umbauten: Geprüfte und zertifizierte einbruchhemmende Türen und Fenster nach DIN EN 1627ff. ab der Widerstandsklasse (RC) 2 bieten einen guten Einbruchschutz.   
  • Bei Nachrüstungen: Die Polizei empfiehlt Nachrüstsysteme gemäß DIN 18104 Teil 1 und 2.
  • Voraussetzung: Für Nachrüstungen ist eine widerstandsfähige Grundkonstruktion notwendig.
  • Fachgerechte Montage: Die Polizei führt sogenannte "Errichterlisten". Hier sind Unternehmen aufgelistet, die die korrekte Montage der Sicherungstechnik gewährleisten. Um Firmen in deiner Nähe zu finden, kannst du einfach "Errichterliste" + "dein Bundesland" googlen.

 Einen Versuch wert: Den Vermieter mit in Boot holen

Wer mit dem Gedanken spielt, seine Wohnung mit entsprechender Technik auszustatten, darf aber nicht einfach auf eigene Faust tätig werden. Da es sich trotz Nachrüstungen um bauliche Veränderungen handelt, musst du auf jeden Fall mit deinem Vermieter darüber sprechen. Mit ein bisschen Glück und guten Argumenten kannst du ihn vielleicht sogar dazu bekommen, einen Teil oder sogar alle Kosten zu übernehmen. Laut Harald Schmidt ist er dazu zwar nicht verpflichtet, aber: "Durch den fachgerechten Einbau von Sicherungstechnik steigt der Wert der Wohnung. Außerdem bleiben Mieter unter Umständen länger wohnen, wenn sie sich sicherer fühlen."

Wer schon vor dem Einzug auf Nummer sicher gehen will, sollte den Vermieter bereits bei der Wohnungsbesichtigung ansprechen: "Man kann nachfragen, ob bereits bauliche Maßnahmen zum Einbruchschutz vorhanden sind, wie zum Beispiel einbruchsichere oder nachgerüstete Fenster oder eine gesicherte Wohnungstür", rät der Experte. Außerdem gebe es die Möglichkeit, im Mietvertrag gesondert zu regeln, ob entsprechende Technik nachgerüstet werden soll und inwieweit der Vermieter sich eventuell daran beteiligt.



Gratis-Sicherheitstipps für arme Studenten

Wenn all das zu teuer ist oder der Vermieter sich weigert, die Kosten zu übernehmen, können auch ein paar einfache Tipps deine Wohnung sicherer machen. Harald Schmidt kennt die wichtigsten Sicherheitstipps der Polizei:

  • Schließ deine Wohnungstür immer ab.
  • Fenster, Balkon- und Terrassentüren solltest du ebenfalls immer verschließen.
  • Denk dran: Auch gekippte Fenster sind offene Fenster.
  • Verstecke niemals deinen Schlüssel draußen.
  • Wenn du deinen Schlüssel mal verlierst, tausche den Schließzylinder aus.
  • Hab ein Auge auf Fremde im Haus oder auf dem Nachbargrundstück.
  • Gib keine Hinweise auf deine Abwesenheit.

Besonders der letzte Punkt ist wichtig für Studenten, die in den Semesterferien ihre Familien besuchen oder eine längere Reise machen. Deine Anwesenheit kannst du zum Beispiel vortäuschen, indem du mithilfe von Zeitschaltuhren regelmäßig das Licht in der Wohnung brennen lässt. Außerdem kannst du einen Nachbarn deines Vertrauens bitten, ab und zu deinen Briefkasten zu leeren. Und auch wenn's schwer fällt, darauf zu verzichten: Facebook- oder Instagram-Posts, die dich in Hotel Mama oder auf einem Roadtrip in Australien zeigen, geben potentiellen Einbrechern ebenfalls Hinweise darauf, dass die Wohnung  gerade unbewohnt ist.

Einbruch – was tun, wenn es doch passiert?

Gerade auf WG-Partys erscheinen oft eine Menge Leute, von denen du viele wahrscheinlich nicht einmal kennst. Auch wenn die Gäste nicht gewaltsam in deine Wohnung eingedrungen sind, besteht die Gefahr, dass sie Notebooks oder andere Wertgegenstände mitgehen lassen. Der Experte rät deshalb: "Keinen Schmuck oder sonstige Wertsachen offen herumliegen lassen – das könnte eine Einladung für Diebe sein. Wenn dennoch etwas abhandengekommen ist, sollte dies sofort der Polizei gemeldet werden."

Auch wenn du dich in deiner Wohnung oder deinem Viertel unsicher fühlst und schon häufiger auffällige Personen bemerkt hast, solltest du keine Scheu haben, dich an die Polizei zu wenden. Harald Schmidt meint: "Solche Fälle sollten grundsätzlich der Polizei gemeldet werden. Entweder unter der Notrufnummer 110, oder bei einer (Kriminal-)Polizeilichen Beratungsstelle oder Polizeidienstelle in der Nähe."


Unser Sicherheitsexperte Harald Schmidt

Harald Schmidt ist Leiter und Projektmanager der Zentralen Geschäftsstelle Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes. Die Institution hat es sich zur Aufgabe gemacht, über die verschiedenen Formen von Kriminalität aufmerksam zu machen und aufzuzeigen, wie diese verhindert werden können.

Für mehr Aufklärung in Sachen Einbruchschutz sorgt ihre Kampagne "K-EINBRUCH".

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