Mikroplastik Plastikmüll im Meer
Durch das Auflösen von Plastikmüll landet Mikroplastik im Meer und über Umwege auch bei uns im Körper. | Foto: Aryafahmed/Getty Images
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26. Feb 2019

Hannah Dautzenberg

Zündstoff

Mikroplastik: Wo es herkommt und wie du es vermeidest

Eine genaue Definition von Mikroplastik ist schwierig

Was genau als Mikroplastik bezeichnet wird, ist schwer festzulegen. "Eine genaue und einheitliche Definition gibt es da gar nicht", sagt Katharina Istel, Referentin für nachhaltigen Konsum beim deutschen Naturschutzbund. Allgemein spricht man bei Mikroplastik von festen oder flüssigen synthetischen Polymeren, die meist nicht größer als fünf Millimeter sind. "In die normale Sprache übersetzt sprechen wir von winzigen Plastikteilchen, die entweder in fester, löslicher oder flüssiger Form auftauchen. Ob diese nun fünf, vier oder einen Millimeter groß sind, ist letztlich nicht von großer Bedeutung. Das Ausmaß des Schadens wird nicht über die Größe, sondern vielmehr über die Zusammensetzung des Kunststoffes bestimmt". Daher ist eine allgemeine Definition auch nicht das große Problem, sondern vielmehr das Finden einer allgemeinen Lösung.

Wie kommt das Mikroplastik in unsere Meere?

Pro Jahr werden schätzungsweise 400 Millionen Tonnen Plastik produziert, wovon circa zwei bis fünf Prozent im Meer landen. Die Bilder von zurückgelassenem Müll an Stränden und Flüssen kennt wohl jeder und natürlich ist dieses respektlose Verhalten der Natur gegenüber ein Grund, warum Mikroplastik entsteht. Der Müll gelangt durch die Strömung ins Meer, zersetzt sich zu immer feineren Teilen und treibt schließlich als Mikroplastik durch unsere Gewässer. Viel dramatischer ist allerdings, dass wir tagtäglich unwissend enorme Mengen der Meeresverschmutzung produzieren, ohne uns dessen wirklich bewusst zu sein. "Es gibt über 70 verschiedenen Quellen, durch die Mikroplastik entstehen kann. Eine der Hauptquellen ist der Abrieb. Dazu zählen Reifen, Sport- und Spielplätze, Fahrbahnmarkierungen und sogar Schuhsolen." Auch der Faserabrieb bei Textilwäsche gehört zu den zehn wichtigsten Quellen. In Deutschland entstehen allein durch diese Ursachen pro Kopf knapp zwei Kilogramm Mikroplastik. "Das Gefährliche an dieser Quelle ist vor allem, dass man den Abrieb nicht sieht!" Dazu sind diese Quellen für Fachfremde nicht offensichtlich und wohl kaum ein Laie würde den Autoreifen direkt mit Mikroplastik assoziieren. Anders ist es bei dem Thema Kosmetik oder Putzmittel. Hier ist es mittlerweile ein offenes Geheimnis, dass die schädlichen Meeresabfälle ihren Ursprung auch in Cremes, Shampoos und Co finden. Viele Verbraucher lassen sich aber täuschen und gehen davon aus, dass nur Peelingkörner schädlich seien oder ein Bio-Duschgel keinen Schaden anrichten könne. "Auch flüssiges Plastik, welches in verschiedensten Kosmetikprodukten und Putzmitteln verarbeitet ist, kann zu Mikroplastik werden." Für Verbraucherinnen und Verbraucher ist es auf den ersten Blick somit schwer, abbaubare Inhaltsstoffe zu erkennen und gezielt solche Produkte in den Einkaufswagen wandern zu lassen.

Folgen von Mikroplastik für die Meeresbewohner

Mikroplastik Deutscher Naturschutzbund Katharina IstelWas genau die Folgen von Mikroplastik für unsere Umwelt sein werden, kann noch nicht abschließend benannt werden. "Wir haben großen Forschungsbedarf", weiß auch Katharina Istel. Bekannt und untersucht sind bereits eindeutige Entzündungsreaktionen bei Meeresbewohnern wie beispielsweise der Miesmuschel. "Das wird nicht einfach aufgenommen und ausgeschieden." Vielmehr kann es erheblichen Schaden anrichten, erklärt Katharina Istel. Auch bei Krebstieren stellten Forscher bereits fest, dass der Mikro-Müll zu einer Verringerung der Wachstumsrate führt. "Wenn das Plastik einmal in den Kreislauf gelangt ist, kriegen wir es nicht mehr raus! Auch wenn die Folgen größtenteils noch nicht konkretisiert werden können, sieht die Gefahrenlage so aus, dass wir nicht erst warten sollten, bis alles wissenschaftlich bewiesen ist. Wir dürfen nicht warten, bis es zu spät ist!", warnt Katharina Istel und spricht somit stellvertretend für viele Umweltschützer.

Ist Mikroplastik auch für uns gefährlich?

Das Mikroplastik gelangt ins Meer, wird von den Fischen aufgenommen, die später bei uns auf den Tellern landen und gelangen somit auch in unseren Körper. Ob Mikroplastik auch schädlich für den Menschen sein kann, haben österreichische Forscher untersucht. In einer Pilotstudie wurde erstmals Mikroplastik im menschlichen Stuhl nachgewiesen. Die Probanden ernährten sich dabei von Fisch und Meeresfrüchten, tranken Getränke aus PET-Flaschen und aßen fertigverpackte Produkte. Inwiefern Mikroplastik tatsächlich schädlich für den menschlichen Körper ist, muss noch untersucht werden. Allerdings gilt auch hier der Grundsatz von Katharina Istel und vielen anderen Umweltschützern: "Wir müssen präventiv handeln!" Keiner kann das Ausmaß des Schadens absehen, weshalb es an der Zeit ist, Maßnahmen gegen die Umweltverschmutzung zu ergreifen.

Maßnahmen gegen Mikroplastik

Bisher gibt es keine Gesetzte oder Verbote, die eine grundsätzliche Regulierung festlegen. "Ich denke auch vorerst nicht, dass es dazu kommen wird", vermutet Katharina Istel. Allerdings muss man bei der Kunststoffproduktion ansetzten, um eine Verbesserung zu erzielen. "Der Kunststoff selbst ist nicht das Giftige, sondern die additiven Zusatzstoffe! Die Frage ist also, wie wir Kunststoffe gestalten. Es müssen bessere Zusammensetzungen entwickelt werden, denn das Produkt an sich ist aus unserer Welt nicht mehr wegzudenken." Neben politischen Lösungsansätzen gibt es viele Forscher, die verschiedenste Filtersysteme entwickeln oder an anderen technischen Lösungen arbeiten, um das Plastik aus den Meeren zu entfernen.

Was du gegen Mikroplastik tun kannst

Für Verbraucher, die nicht erst auf eine große globale Lösung warten wollen, gibt es viele Möglichkeiten, den eigenen Mikroplastikmüll zu reduzieren. Der erste Schritt ist natürlich die richtige Entsorgung des eigenen Hausmülls oder am besten gar keinen Müll zu produzieren. Wer der Umwelt zu Liebe weitergehen will, der verzichtet nach Katharina Istel so oft wie möglich auf sein Auto, um den Reifenabrieb als größte Quelle weitestgehend zu reduzieren. "Am besten ist, die Verbraucher fahren gar kein Auto mehr und lassen es direkt stehen." Für alle, die auch ihr Badezimmer und die Kosmetikschublade von Mikroplastik befreien wollen, gibt es sogar schnelle und kostenlose Hilfestellungen. Ohne allgemeine Definition ist es oft schwierig, Mikroplastik zu kennzeichnen und durch die Angabe der Inhaltsstoffe ausfindig zu machen. Manch ein Hersteller wirbt sogar mit Mikroplastikfreiheit, berücksichtigt dabei aber keine flüssigen Polymere. Um dennoch nachhaltiger zu leben, können Apps wie Codecheck ein echter Einkaufshelfer sein. Ein einfacher Scan des Barcodes gibt genauen Aufschluss über die Zusammensetzung und macht es leicht, Produkte mit Mikroplastik auf den ersten Blick zu erkennen. Wer sich keine App auf sein Smartphone herunterladen will, der kann sich bei dem Mikroplastik-Einkaufsratgeber des Bundes einen Überblick über die häufigsten Kunststoffe in Kosmetika verschaffen. Auch beim Shopping-Trip kann man durch den Kauf von polyesterfreier und nachhaltiger Mode zu einer Verbesserung des Mikroplastikvorkommens sorgen. Anstelle der Kunstfasern sollte man dafür zu Naturfasern oder anderen nachhaltigen Rohstoffen greifen und dann natürlich auch an der Kasse auf die Plastiktüte verzichten oder sogar in Unverpackt-Läden einkaufen. Jeder Einzelne kann also seinen Beitrag dazu leisten, die Meere von Mikroplastik zu befreien und ein Teil der Lösung sein.  

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