Fastenmonat Ramadan
Auch in Deutschland fasten viele Muslime während des Ramadan von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang. | Foto: Rawpixel/Getty Images
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30. Apr 2019

Elena Weber

Zündstoff

Ramadan: Darum wird gefastet

Was du über den islamischen Fastenmonat wissen solltest

Ramadan: Der islamische Fastenmonat

Der Ramadan ist der Fastenmonat im Islam. Er dauert 29 oder 30 Tage und fällt jedes Jahr in eine andere Zeit – dieses Jahr auf den 5. Mai bis 6. Juni 2019. Da sich der Islam nach dem Mondkalender und nicht nach der Sonne richtet, verschiebt sich der Ramadan um zehn oder elf Tage pro Jahr und durchläuft so allmählich alle Jahreszeiten. Als neunter Monat des Mondkalenders beginnt der Ramadan mit dem Neumond. Deswegen wird der Beginn der Fastenzeit auch als "Geburt des neuen Mondes" bezeichnet.

Der Ramadan erinnert an die Zeit, als der Erzengel Gabriel dem Propheten Mohammed den Koran offenbart hat. Er gilt als eine besonders heilige Zeit und ist der Monat, in dem Gott zu den Menschen spricht und die Gläubigen die Möglichkeit haben, sich intensiv mit ihrem Glauben auseinanderzusetzen.

Warum ist der Ramadan so wichtig?

Das Fasten im Ramadan gehört zu den sogenannten fünf Säulen des Islam. Sie sind die wichtigsten Regeln des islamischen Glaubens und die Hauptpflichten eines Moslems. Diese fünf Säulen sind:

  • Öffentliches Glaubensbekenntnis
  • Das Gebet
  • Das Fasten
  • Die soziale Pflichtabgabe
  • Die Pilgerfahrt nach Mekka

Laut islamischer Tradition war der Prophet Mohammed der erste Moslem, der im Ramadan fastete. Er dient den Muslimen als Vorbild; das Fasten symbolisiert die Verbundenheit des Gläubigen mit seinem Schöpfer. Während der Fastenzeit sollen Körper und Seele gereinigt werden. Aber auch die Gemeinschaft und die Solidarität mit den Schwachen und Armen ist im Ramadan besonders wichtig.

So wird im Ramadan gefastet

Das Fasten soll um Allahs Willen geschehen und bedeutet, dass der Muslim oder die Muslima von Beginn der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang keine Nahrung zu sich nehmen darf. Die Gläubigen dürfen nichts essen, nichts trinken, nicht rauchen und sollen sich auch sexuell enthalten. Neben dieser "äußeren" Form des Fastens hat das Fasten noch eine "innere" Dimension. Diese besagt, dass sich die Gläubigen noch mehr als sonst von Sünde fernhalten, sprich nichts Schlechtes reden, hören oder tun sollen. Fasten im Ramadan heißt auch zu erkennen, dass man als Gläubiger allein von Gott abhängig ist.


Fastenbrechen am Abend im Ramadan


Begonnen wird das Fasten täglich vor dem sogenannten Fajir-Gebet um ungefähr fünf Uhr früh. Es endet ab zirka 21 Uhr mit dem Abendgebet und dem anschließenden Iftar. Bei diesem festlichen Abendessen versammelt sich die ganze Familie, um nach Sonnenuntergang gemeinsam das Fasten zu brechen. Traditionell werden Datteln mit Wasser oder Milch als erste Speise zum Fastenbrechen gereicht.

Ramadan: Pflichten und Ausnahmen

Das Fasten im Ramadan ist eine der im Koran verankerten religiösen Pflichten von Muslimen. In einigen islamischen Staaten ist das Nichteinhalten der Fastenpflicht von staatlicher Seite verboten. Zur Teilnahme am Ramadan sind jedoch nur jene Muslime verpflichtet, die dazu körperlich und geistig auch in der Lage sind. So sind menstruierende, schwangere oder stillende Frauen, Kranke, altersschwache Menschen und Kinder von der Fastenpflicht ausgenommen. Sie haben die Möglichkeit, das Fasten nachzuholen oder eine Ersatzleistung zu erbringen, beispielsweise, indem sie Bedürftige speisen. Auch wer körperlich anstrengende Arbeit verrichten muss, ist von der Fastenpflicht befreit.

Das Fest des Fastenbrechens

Das Ende des Ramadans ist gleichzeitig der Tag des Ramadanfestes und ist für Muslime nach dem Opferfest der wichtigste islamische Feiertag. Je nach Region dauert das Eid al-Fitr, das Fest des Fastenbrechens, zwei bis drei Tage. Im Türkischen wird es auch Zuckerfest (Seker Bayrami) genannt, weil Kinder Süßigkeiten geschenkt bekommen.

Mit dem Fest drücken Moslems ihre Freude darüber aus, dass sie die Entbehrungen des Ramadan gemeistert haben und bitten Allah darum, ihre Gebete und Mühen anzuerkennen. Eine wichtige religiöse Pflicht des Festes ist das Festgebet am Morgen des ersten Festtages. Dazu ziehen sich die Gläubigen festlich an und treffen sich in der Moschee zum gemeinsamen Beten. Anschließend entrichten sie Spenden für bedürftige Gemeindemitglieder. Die Festtage verbringen die meisten Muslime mit Verwandten, Freunden und ausgiebigem Essen.

Ramadan: Das solltest du als Urlauber beachten

Führt dich dein Urlaub oder dein Auslandssemester während des Ramadan in islamische Länder wie Ägypten, Marokko, die Türkei oder Tunesien, solltest du beachten, dass viele Restaurants und Stände geschlossen haben. Auch musst du dir überlegen, welches Verhalten angemessen ist: Einigen Muslimen macht es nichts aus, wenn Urlauber tagsüber essen oder trinken. Andere empfinden das Trinken und Essen in der Öffentlichkeit hingegen als störend. Im Zweifel solltest du dich diesbezüglich zurückhalten und Rücksicht auf die Gebräuche des Landes nehmen.

Fasten in anderen Religionen

Der Brauch des Fastens ist Jahrtausende alt und auch in anderen Religionen fest verwurzelt. Christen begehen das Fasten als Vorbereitung auf Ostern, das Fest der Auferstehung Jesu. Die christliche Fastenzeit dauert von Aschermittwoch bis Ostern und ist ein Zeichen der Buße, Trauer und inneren Reinigung.

Die Juden haben mehrere Fastentage. Der strengste Fastentag ist der Versöhnungstag Jom Kippur. Hier dürfen die Gläubigen eine ganze Nacht und den darauffolgenden Tag weder essen noch trinken. Aber auch auf materielle Dinge wird verzichtet.

Auch wenn der Buddhismus keine festgelegte Fastenzeit kennt, spielt der Verzicht hier eine große Rolle. Er dient vor allem zur inneren Einkehr. Der Hinduismus kennt ebenfalls keine einheitlichen Fastenzeiten. Manche Hindus fasten zum Ehrentag Shivas, andere zu Krishnas Geburtstag. Wieder andere folgen mit ihrem Verzicht auf Nahrung dem Beispiel Mahatma Gandhis und wollen damit ein politisches Statement setzen. Eine ritualisierte Extremform des Fastens ist das sogenannte Prayopavesa, das den Selbstmord durch Fasten in Kauf nimmt. Allerdings ist es nur Menschen vorbehalten, die keine Verpflichtungen mehr im Leben haben.

Fasten im Ramadan: Wie gesund ist das?

Fasten hat nicht nur einen religiösen Aspekt. Inzwischen ist Fasten ein wahrer Ernährungstrend, der in Form von Heil- oder Intervallfasten regelrecht zelebriert wird. Doch gerade das Fasten im Ramadan steht immer wieder in der Kritik. Grund dafür ist vor allem der Verzicht auf Flüssigkeit, der insbesondere an heißen Tagen zu Kreislaufproblemen, Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen führen kann. Deswegen empfehlen Ernährungswissenschaftler, vor Tagesanbruch viel Flüssigkeit aufzunehmen. Menschen mit gesundheitlichen Beschwerden sollten das Fasten mit einem Arzt absprechen.

Auf einen Blick: Die wichtigsten Regeln im Ramadan

  • Von Sonnenauf- bis Sonnenuntergang ist Essen und Trinken komplett untersagt
  • Muslime sollen im Ramadan fasten, mehr beten und für wohltätige Zwecke spenden.
  • Reisende, Kinder, Altersschwache, Kranke und Schwangere sowie stillende und menstruierende Frauen sind von der Fastenpflicht befreit.
  • Menschen mit einer anstrengenden Arbeit müssen während des Ramadan nicht fasten.
  • Rauchen ist tagsüber verboten.
  • Sex ist ebenfalls verboten.

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