USA Trump
Studieren in den USA: Seit Trump ist das keine so beliebte Option mehr. | Foto: Kosamtu/Thinkstock
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07. Nov 2017

Alexander Lemonakis

Zündstoff

Studieren in den USA unter Trump

Gekommen um zu bleiben? Deutsche Exil-Studierende in den USA

Trump schreckt Studierende ab

US-Präsident Donald Trump spaltet die USA und auch die amerikanischen Universitäten. Seit der Trump-Wahl zieht es weniger deutsche Studierende in die USA und das Interesse an einem Studium oder einem Auslandsjahr im Land der unbegrenzten Möglichkeiten geht deutlich zurück. Der DAAD (Deutsche Akademische Austauschdienst) vermeldet, dass die Zahl der Bewerber für ein USA-Stipendium im Studienjahr 2018/19 sich um etwa ein Fünftel verringerte. Doch gerade die amerikanischen Hochschulen und Elite-Unis gelten als besonders liberal und weltoffen. Wie ist die Stimmung an den amerikanischen Hochschulen? UNICUM sprach mit deutschen Studierenden, die momentan an US-Hochschulen studieren und über ihre Eindrücke berichten.

Großes Entsetzen nach der Trump-Wahl – bei Studis und Professoren

Auslandsstudium USA Trump Nathalie Nann"Direkt nach der Wahl von Trump herrschte großes Entsetzen unter uns Studierenden, besonders weil die CSULB eine sehr liberale Universität ist, der sehr viele Studierende mit verschiedenen ethnischen Hintergründen angehören", berichtet Nathalie Nann (24), die seit August 2016 einen Master in Psychologie an der California State University in Long Beach studiert und fügt hinzu: "Unsere Professoren teilen unser anhaltendes Entsetzen über das Wahlergebnis und Verhalten von Donald Trump offen in unseren Kursen mit."

Ähnlich ergeht es Xenia Hestermann (27) in New York: "Am Tag direkt nach der Wahl war ich gar nicht auf dem Campus, weil ich auf einer Konferenz in Westpoint in einer Militärakademie war. Das war die Conference at the United States Military Academy at West Point (SCUSA) – dort waren Abgesandte von jeder Universität und aus jedem Bundesstaat aus den USA mit den unterschiedlichsten Backgrounds und manche Vertreter waren extrem konservativ. Da herrschte eine Art Ausnahmezustand – das war verrückt!"

Kreativer Protest gegen den Hass

Der Schock war in vielen Städten groß, aber schnell ist kreativer Protest entstanden, wie Xenia berichtet: "Am Brooklyn College wurde jetzt auch eine Kampagne gestartet "Stand Against Hate" - also insgesamt hat sich ganz viel getan, seit Trump gewählt wurde. Vielleicht ist das aber auch ein Einzelfall, weil Bernie Sanders hier studiert hat, unser Campus eine hohe Diversität besitzt und viele ausländische Studierende aus aller Welt mit mir studieren." Xenia studiert seit 2016 einen Master in International Affairs & Global Justice am Brooklyn College. Sie arbeitet zudem im International Office der Hochschule und hat sich mit der Causa Trump bereits intensiv auseinandergesetzt. Sie hat einen Artikel im "Journal of International Affairs" des Brooklyn College veröffentlicht. In der Publikation berichtet sie auch über den Widerstand gegen Trump an ihrer Hochschule.

USA Studium Trump Xenia

Verhältnis zwischen Trump-Anhängern und Gegnern an Hochschulen

"An meiner Uni habe ich noch keinen einzigen Trump-Anhänger wahrgenommen, entweder weil niemand es offen zeigt oder weil Trump sehr, sehr wenige Anhänger unter Studierenden und Professoren hat. Viele Professoren machen laufend Witze über den Präsidenten und sagen, dass sie sein Verhalten einfach nicht verstehen können. Deshalb glaube ich, dass Trumps’ Anhängerzahl sich auf akademischen Level gegen Null bewegt", berichtet Daniel Schmalen. Daniel (25) studiert einen Master in Computer Science an der California State University Long Beach und hat bereits im Jahr 2015 für sechs Monate in den USA gelebt und studiert. 

Nathalie besucht die gleiche Hochschule wie Daniel, teilt seine Einschätzung und ergänzt: "Da die CSULB eine Mehrheit an liberalen Studenten hat, wird hier von vielen Studenten und Professoren offen gegen Trump gesprochen. Ich selbst habe noch von niemanden über die Zustimmung der Wahlergebnisse gehört und denke, dass Trump-Anhänger aus Angst, verurteilt zu werden, nicht offen über dieses Thema sprechen. Ich selbst habe aber von keinen Auseinandersetzungen auf unserem Campus gehört."

Auswirkungen der Trump-Wahl an amerikanischen Hochschulen

"Die direkteste Auswirkung war das Einreiseverbot für Menschen aus einigen Ländern, der sogenannte "Muslim-Ban" und die Änderungen in Bezug auf DACA. Bei beiden Ereignissen hat die Hochschule sofort reagiert und Statements an die Studenten verschickt, dass die Hochschule sich von den Entscheidungen der Regierung stark distanziert. Für DACA hat die Hochschule sogar einen Fonds eingerichtet, um betroffene Studenten finanziell zu unterstützen", berichtet Daniel. Die US-Regierung hat in diesem Jahr DACA beendet, das Schutzprogramm für Migranten, die als Kinder ohne Papiere in die USA eingereist waren. Demonstranten protestierten landesweit gegen die Entscheidung von Donald Trump.

USA Studium Trump Daniel SchmalenNathalie beobachtet ebenfalls aufmerksam die angespannte Lage: "Die Unsicherheit ist sehr groß. Als International Student habe ich mehr E-Mails über VISA und ähnliches bekommen. Wir bekommen mehrmals monatlich E-Mails von unserer Uni-Präsidentin über die Auswirkungen von Trumps neuen Gesetzen auf Studierende, deren Eltern in die USA vor Jahrzehnten illegal eingewandert sind. Oft betreffen diese Maßnahmen Latinos, die jedoch selbst hier geboren wurden. Viele meine Kommilitonen studieren hier ohne gesetzlich gemeldet zu sein und müssen nach neuen Gesetzen Angst haben, im schlimmsten Fall könnten sie gemeldet und aus den USA ausgewiesen werden."

Studium in den USA trotz Trump?

"Ich habe zu keinem Zeitpunkt erwägt meinen US-Aufenthalt wegen Trump abzubrechen. Ich halte ihn zwar für eine sehr fragwürdige Persönlichkeit und distanziere mich von nahezu jeder Aussage und Entscheidung, jedoch hat es auf mich und mein Studium bis jetzt keinerlei direkte Auswirkungen. Aber ich würde mir auf jeden Fall Barack Obama wieder im Amt wünschen, da die politische Stimmung unter ihm deutlich besser war. Aktuell hoffe ich einfach nur, dass Trump sich im Nordkorea Konflikt nicht zu stark provozieren lässt. Sonst wird es bestimmt in Zukunft schwieriger werden VISA und Green Cards für die USA zu bekommen. Ich persönliche werde nach diesem Semester meinen Master abschließen und zurück nach Deutschland zurückkehren. Grundsätzlich kann ich mir trotzdem vorstellen hier weiter zu leben und zu arbeiten", berichtet Daniel zuversichtlich.

"Ich glaube und hoffe das Trump nicht die gesamten vier Jahre seiner Legislaturperiode im Amt bleibt. Das Beängstigende ist nur, dass auf Donald Trump Vizepräsident Mike Pence folgen könnte: Pence weiß zumindest, wie Politik funktioniert und ist selbst sehr rechts angesiedelt. Ich hoffe, dass die Gesellschaft daran nicht zerbricht, aber ich kann das auch nur von New York aus beurteilen und das ist leider nicht repräsentativ für die USA", sagt Xenia. Es bleibt spannend im Land der unbegrenzten Möglichkeiten unter Donald Trump.

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