Versicherung Rabatte
Möhrchen knabbern und saftig sparen? Manche Versicherungen bieten es an! | Foto:Thinkstock/lolostock
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05. Mai 2015

Sebastian Wolking

Zündstoff

Versicherung 2.0: Rabatte für einen gesunden Lebensstil

Gesünder leben, weniger zahlen?

Zeigt her deine Fitness

Geschwindigkeit, Kalorienverbrauch und Kilometerzahl – es gibt tatsächlich jemanden, der an den Daten interessiert ist, die Fitness-Apps wie "Runtastic" ausspucken. Nein, es sind nicht deine Facebook-Freunde, sondern einige Versicherungsgesellschaften! Auch die Entscheidung, ob du zum Frühstück Bircher-Müsli oder gebratenen Speck isst, könnte sich bald auf deine Finanzen auswirken.

Die Generali etwa setzt seit Ende 2015 auf das Modell "Vitality". Vorbild ist der südafrikanische Versicherer Discovery. Kunden erhalten dort Ermäßigungen im Supermarkt oder im Kino, wenn sie fleißig Punkte gesammelt haben. Gemüse essen, Gutschein kassieren – an diesem Belohnungssystem arbeiten die Allianz und AXA ebenfalls schon.

Laut Generali-Exposé sind die Tarife "speziell auf deutsche Bedürfnisse und Markterfordernisse" angepasst. Klar, was im datenschutzbesessenen Deutschland damit gemeint ist. "Niemand muss Angst um seine Daten haben", beteuert Silvia Lorger-Michel, Sprecherin von Generali, gegenüber UNICUM.

Kritik am "gläsernen Kunden"

Ihr Kollege Karsten Eichner von der R+V Versicherung sieht das ganz anders: "Individuelle Tarife bzw. Beiträge infolge von Apps werden sich aus unserer Sicht nicht durchsetzen, da der 'gläserne Kunde' einen negativen Beigeschmack hat und das Kollektivprinzip in Frage gestellt wird." Bei der R+V werde es derartige Tarife daher auf absehbare Zeit nicht geben.

Eichner liegt mit seiner Meinung auf einer Wellenlänge mit vielen Verbrauchern. Laut einer Studie des Marktforschungsinstituts YouGov kommt der Daten-gegen-Rabatte-Tausch für 39 Prozent nicht in Frage. 81 Prozent glauben gar, dass die einmal erfassten Daten auch für andere Zwecke missbraucht werden.

Vor allem geht die Sorge um, dass sie bei einer Verschlechterung des Gesundheitszustandes plötzlich mehr für die Versicherung zahlen müssten. Denn wer das Prinzip zu Ende denkt, landet unweigerlich beim unbarmherzigen Leistungsprinzip. Die Starken werden belohnt, die Schwachen bestraft. Das Ende der Solidargemeinschaft?

Ein nicht einfach zu lösendes Dilemma

Ein individueller Tarif ist für die Berliner Rechtsanwältin und Datenschutz-Expertin Nele Trenner keine Option: "Die meisten Krankheiten hängen auch nicht davon ab, ob man sich nun vegan ernährt oder ständig Brause trinkt." Und sie ergänzt: "Auch beim gesunden Joggen kann ich von einem Hund angefallen werden und mir einen Wirbel brechen, wenn ich hinfalle – schon bin ich invalid."

Andererseits: Ist es solidarisch, der Allgemeinheit Kosten aufzubürden, die ich durch unverantwortliches Verhalten selbst verursacht habe? Wenn ich täglich rotes Fleisch esse, wie ein Loch trinke und wie ein Schlot rauche, bestraft mich mein Körper mit großer Wahrscheinlichkeit dafür. Ein Dilemma, das so einfach nicht zu lösen ist.

"Viele Menschen wünschen sich eine risikogerechte Zuordnung", behauptet Lorger-Michel von Generali. Immerhin 32 Prozent können sich nach YouGov-Erhebung vorstellen, in einen individuellen Tarif zu wechseln. Maschinenbau-Studentin Carina Becker aus Paderborn schwankt noch: "Die Einsparung müsste bei 200 Euro im Jahr liegen, damit ich den Tarif nutzen würde." Und solange nutzt sie "Runtastic"weiterhin nur für sich selbst.


InfoSüdafrikanisches Vorbild

  • Gesundheit (Vitality): Versicherte übermitteln Fitnessdaten per App und erhalten Rabatte, zum Beispiel bei Flügen oder in Geschäften. Über zehn Apps und Wearables wie von Fitbit, Garmin, Nike+, Jawbone, Fitbug werden akzeptiert.
     
  • Kfz (Vitalitydrive): Ein Tracker wird im Fahrzeug installiert, der das Fahrverhalten des Versicherten misst. Im Gegenzug erhält dieser unter anderem Tankgutscheine. Relevante Daten: Wie schnell beschleunigt und wie stark bremst der Fahrer? Welche Durchschnittsgeschwindigkeit hat er? Ist er häufig nachts unterwegs?

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