Ohne Kind Ausland studieren
Ohne Kind ins Ausland? Keine leichte Entscheidung! | Foto: Thinkstock/massonstock

Auslandssemester

13.05.2014

Checkliste Auslandssemester

Der UNICUM Auslandssemester-Check

Rechtzeitige Organisation und gute...

Wem ein Semester im Ausland bevorsteht, der sieht sich erst einmal von einem Haufen an Papierkram, Aufgaben und Fragen überrollt, die sich ihm für seinen Aufenthalt in ei ... mehr »

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14. Mai 2014

Gastbeitrag

Auslandssemester

Als Elternteil ohne Kind im Ausland studieren

Nicht einfach, aber möglich

Ein Kind ist kein Hindernis

Auslandserfahrung ist bei Arbeitgebern immer mehr gefragt und kann im Bewerbungsprozess einen entscheidenden Vorteil bringen. Studienabgänger mit Auslandserfahrung sind meist emanzipierter und aufgeschlossener und können mit wertvollen Erfahrungen in Bezug auf die kulturelle Vielfalt im Business-Bereich punkten. Dazu kommt noch, dass im Ausland oft die Kosten für das Studium geringer sind als im Heimatland und die Karriere somit rascher vorangetrieben werden kann.

Ein Kind sollte daher niemals ein Hindernis sein, diese vielversprechende Option wahrnehmen zu können. Wie das Auslandsstudium mit Kind möglich ist, zeigt folgende Checkliste.

Entscheidung bewusst treffen

Die Entscheidung, trotz Kind ein Auslandssemester anzugehen, muss bewusst und mit vollster Überzeugung getroffen werden. Beim Start ins Ausland darf kein negatives Gefühl im Bauch zurückbleiben – sonst kann man sich nicht auf das Studium konzentrieren, weil man mit seinen Gedanken die Hälfte der Zeit Zuhause ist. Das bringt allerdings der Familie auch nichts, weil man ja nicht tatsächlich daheim ist. Somit ist niemandem geholfen.

Über die Bedeutung des Auslandsstudiums muss man sich absolut im Klaren sein, denn es kann sein, dass man sich sein Leben lang Vorwürfe macht, wenn man diese Chance für die Karriere nicht ergreift. Zwangsweise ist man dann mit seinem Leben unzufrieden – und wer mit sich selber nicht im Reinen ist, kann auch nicht die Fürsorge und Liebe aufbringen, die jedes Kind von seinen Eltern verdient.

Ebenso in Erwägung gezogen werden muss, dass sich vielleicht auch das Kind später einmal Vorwürfe macht, dass es "schuld" daran ist, dass seine Mutter oder sein Vater die immer schon gehegten Träume und Visionen nicht verwirklichen konnte. Kinder schauen immer zu ihren Eltern auf – wenn man ihnen als Vorbild zeigen kann, was sie alles erreichen können, und dass sie sich durch nichts aufhalten lassen müssen, kann das für beide Seiten nur gut sein.

Mögliche Versäumnisse akzeptieren

Über folgende Szenarien sollte man sich allerdings stets im Klaren sein:

  • Es kann passieren, dass das Kind seine ersten Schritte macht und man nicht dabei ist.
  • Es kann passieren, dass das Kind sein erstes Wort spricht und man es nicht miterlebt.
  • Es kann passieren, dass das Kind krank wird und man ist nicht da, um es zu pflegen.

Diese Situationen werfen zwangsweise die Frage auf: Wird mich mein Kind durch jemand anderen ersetzen, wenn ich zu wenig Zeit habe?

Dem kann entgegengewirkt werden, indem man die Zeit, die man Zuhause zur Verfügung hat, so weit wie möglich dem Kind widmet. So kann die Beziehung zwischen Kind und Eltern sogar noch intensiver erlebt werden, als wenn man zwar die ganze Zeit anwesend ist, sich aber kaum aktiv mit dem Kind beschäftigt. Natürlich lässt sich, vor allem wenn kein Partner vorhanden ist, die Möglichkeit in Erwägung ziehen, das Kind zum Auslandsstudium mitzunehmen, dazu muss jedoch unbedingt Kinderbetreuung vor Ort eingeplant werden. Und das Risiko, dass man – gegenüber den anderen Studienkollegen – zu wenig Zeit für das Studium aufbringt.

Entscheidung mit dem Partner absprechen

Mit der Entscheidung, allein ins Ausland zu gehen, muss der Partner hundertprozentig einverstanden sein. Schließlich ist er in dieser Zeit für das Wohlbefinden des Kindes verantwortlich. Hat der Partner Zweifel, kann dies nicht nur zum Scheitern des Studiums, sondern im schlimmsten Fall auch zum Scheitern der Beziehung führen.

Folgende Fragen sollten unbedingt beantwortet werden:

  • Wie gut sind wir finanziell abgesichert?
  • Können wir uns ein Auslandsstudium ohne zusätzliches Einkommen leisten?
  • Wie sehr wird unsere Beziehung darunter leiden?
  • Haben wir noch Zeit für Romantik und Intimität?
  • Fühlt sich der Partner der Aufgabe der (Beinah-) Alleinerziehung gewachsen?
  • Welche Hilfe kann und soll in Anspruch genommen werden (finanziell und organisatorisch für Haushalt und/oder Kind)?
  • Zu welchen Anlässen MÜSSEN beide Eltern anwesend sein (Geburtstag des Kindes, Weihnachten, verlängerte Wochenenden, etc.)?

Gemeinsam den Alltag planen

Zu zweit ist es noch machbar, den Alltag zu bewältigen und nebenbei genügend Zeit für Kind, Haushalt und den eigenen Schlaf zu finden. Ist man auf sich allein gestellt, wird die Sache schwieriger. Wer sich für ein Auslandsstudium entschieden hat, sollte ernsthaft in Erwägung ziehen, Hilfe anzunehmen. Sei es für den Haushalt oder die Kinderbetreuung, von Familie und Freunden oder von Personen, die angestellt werden. Damit ist gewährleistet, dass man die wenige Zeit, die man als Auslandsstudent mit seiner Familie verbringen kann, wirklich der Familie gewidmet wird und nicht für andere Dinge aufgewendet werden muss. Über diese Dinge sollte man sich unbedingt einig sein, bevor man zum Auslandsstudium aufbricht.

Das Auslandsstudium planen

Die Entscheidung, trotz Kind ins Ausland zu geht, muss gut überlegt sein, denn es gilt eine Menge Ziele zu erreichen. Was verlangt das Studium, was verlangt das Kind, was verlangt der Partner und was verlange ich von mir selbst? Und schaffe ich es, all diese Ziele so zu vereinbare, dass ich emotional nicht daran zerbreche?

Und natürlich gibt es auch eine Menge an organisatorischen Dingen, die vor dem Auslandsstudium abgeklärt werden müssen. Für die notwendigen Vorbereitungen für ein Auslandsstudium gibt es eine wertvolle Checkliste, die vom DAAD empfohlen wurde.

Die Situation beobachten

Je nachdem, wie lange das geplante Auslandsstudium dauert, sollte man sich mit dem Partner (und auch mit dem Kind) in regelmäßigen Abständen kurzschließen, ob die Situation für alle Seiten noch tragbar ist. Stellt sich nach einiger Zeit heraus, dass das Studium doch nicht mehr möglich oder gewünscht ist, kann das Auslandssemester immer noch abgebrochen und einige Jahre später wieder aufgenommen werden. Man muss sich der verlorenen Zeit und höchstwahrscheinlich auch der verlorenen finanziellen Mittel bewusst sein, die durch eine derartige Entscheidung anfallen.


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