Krankenversicherung Auslandssemester
Bevor du in die weite Welt aufbrichst, solltest du dich über Auslandskrankenversicherungen informieren. | Foto: Frank Vex/Unsplash
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20. Nov 2018

Hannah Essing

Auslandssemester

Auslandskrankenversicherung für Studenten

Darauf musst du achten!

Krankenversicherung ist wichtig

So viel steht fest: Versicherungen sind kein sexy Thema. Aber in der deutschen Bürokratie sind sie, ohne Frage, meistens unumgänglich. Einige Unis wollen sogar einen Nachweis, dass man eine Auslandskrankenversicherung für Studenten hat, bevor man das Auslandssemester anfangen kann. Außerdem weiß man nie, was im Ausland passiert – ein Hundebiss, ein Skiunfall, oder eine einfache Erkältung. Einen Grund, zum Arzt zu gehen, gibt es in einem so langen Zeitraum meistens schon, und darauf möchte man vorbereitet sein. Wenn die Sprache schon eine Barriere ist, braucht man nicht auch noch eine weitere und möchte ohne Krankenversicherung dastehen.

"Die gesetzliche Krankenversicherung trägt einen gewissen Teil," erklärt Elke Weidenbach, Referentin für Versicherungen und Rechtsanwältin der Gruppe Finanzen und Versicherungen der Verbraucher-Zentrale NRW. "Sie gilt allerdings nicht weltweit, sondern nur in Staaten, die der EU angehören oder im europäischen Ausland wie der Schweiz, außerdem in einigen Staaten, die mit Deutschland ein Sozialversicherungsabkommen haben. Da muss man im Vorfeld bei der gesetzlichen Krankenversicherung nachfragen, ob sie zahlen würden." Eine extra Versicherung fürs Ausland ist jedoch trotzdem sinnvoll – denn die gesetzliche Krankenkasse deckt den Rücktransport nicht ab, das tut eine Auslandsreisekrankenversicherung schon.

Ist man privat versichert, sollte man wissen, dass die Deckung oft auf ein paar Wochen begrenzt ist, erklärt die Versicherungsexpertin. Man sollte vor allem sicher gehen, wie lang der Zeitraum ist, in dem man Versicherungsschutz bekommt und auch hier, ob der Rücktransport gesichert ist.

Wie funktionieren die meisten Auslandskrankenversicherungen?

Viele Auslandsversicherungen funktionieren, indem man in Vorkasse tritt. Das bedeutet, wenn man behandelt wird, bezahlt man den Beitrag selbst, den der Arzt oder das Krankenhaus ansetzt. Dann ist es wichtig, daran zu denken, sich eine Rechnung ausstellen zu lassen. Viele Krankenkassen bestehen darauf, dass diese Rechnung auf Deutsch oder Englisch ausgestellt wird. Während ersteres schwer werden kann, je nachdem, wo man sein Auslandssemester macht, ist letzteres meistens kein Problem. Selbst bei Ärzten, wo niemand Englisch spricht, kann immer jemand aufgetrieben werden, der die Sprache doch beherrscht – manchmal braucht es nur ein wenig Geduld. Oder sehr viel Geduld.

Je nach Krankenkasse reicht es dann, den Beleg einzuscannen und als E-Mail zu schicken. Manche Kassen bestehen jedoch auf einen Originalbeleg, der per Post versendet werden soll. Wenn das der Fall ist, solltest du dir sicherheitshalber aber nochmal eine Kopie des Belegs machen – man kann ja nie wissen, ob die Post es auch wirklich bis nach Deutschland schafft. Da ist es klug, noch einen Nachweis zu haben und der Krankenkasse die Situation dann erläutern zu können.

Auslandskrankenversicherung für Studenten: Nicht irgendeine wählen!

Die Angebote der Krankenkassen sind zahlreich, es gibt also viele verschiedene Versicherungen, für die man sich entscheiden kann. Worauf sollte man also besonders achten? "Man sollte nicht irgendeine Versicherung auswählen," erklärt Elke Weidenbach. "Der Beitrag, den man zahlt, sollte erst das letzte Prüfungskriterium sein. Da rate ich, im Finanztest nachzuschauen oder die Hilfe der Verbraucherzentrale in Anspruch zu nehmen, da können verschiedene Merkmale geprüft werden und die Vertragsgestaltung vernünftig und passend ausgewählt werden."

Es gibt einige Kriterien, die man auf jeden Fall beachten sollte. Hat man zum Beispiel eine chronische Krankheit, so erklärt Elke Weidenbach, dann sollte man darauf achten, dass der Versicherer auch zahlt, wenn eine Vorerkrankung vorhanden ist. Besonders wichtig ist es auch, auf die Vertragslaufzeit zu achten. "Wenn Sie einen Vertrag nehmen, der auf drei Monate ausgerichtet ist und Sie verunfallen eine Woche bevor Sie wieder nach Hause fahren und liegen im Krankenhaus, stellt sich die Frage, wie lang die Nachleistungspflicht des Versicherers ist," so Elke Weidenbach. "Endet die Leistung dann, wenn der Vertrag endet, oder gibt es eine Nachleistungspflicht, also zahlt der Versicherer noch, bis Sie wieder nach Hause fahren können?" Ist eine solche Nachleistungspflicht nicht enthalten, kann es sein, dass man sehr viel Geld im Krankenhaus zahlen muss und dieses nicht erstattet bekommt.

Der Rücktransport ist auch ein sehr wichtiger Punkt der Krankenversicherung für das Auslandssemester. Prinzipiell sollte man dort besonders auf die Formulierung im Vertrag achten. So rät Elke Weidenbach, dass darin stehen sollte, dass der Rücktransport "medizinisch sinnvoll und vertretbar" sein muss, damit dieser übernommen wird.

Übrigens leistet der Versicherer bei Kriegen und Unruhen nicht, wenn die Kriegsereignisse vorhersehbar waren – oder man aktiv daran teilgenommen hat. Auch wenn man in ein Kriegsgebiet fahren würde, würde die studentische Auslandskrankenversicherung dort nicht gelten – das klingt logisch, oder?

Fazit: Ein bisschen Vorbereitung ist nötig

Der Versicherungsdschungel ist also zu bewältigen. "Bei Stiftung Warentest kann man sehr gut nachlesen, welche Bedingungen es gibt und wie die Versicherungen im Vergleich miteinander abschneiden. Auch die Verbraucherzentralen helfen weiter," mein Elke Weidenbach. "Man muss sich nicht viel früher um seine Versicherung kümmern, aber man sollte sich ein paar Monate Vorlaufzeit nehmen. Gerade wenn man lange im Ausland ist, sollte man sich vorher auch genau erkundigen." Better safe than sorry, wie man so schön sagt.

Einen letzten Tipp hat Elke Weidenbach noch, neben einer Auslandsreiseversicherung schadet es nämlich nicht, wenn eine private Haftpflichtversicherung besteht: "Diesen Schutz sollte man auf jeden Fall haben, gleichgültig, ob man im Inland oder Ausland ist. In der Regel besteht deren Schutz weltweit. Man sollte vor dem langfristigen Auslandsaufenthalt den Versicherer darüber informieren und sich schriftlich bestätigen lassen, dass der Schutz auch für die Monate im Ausland gilt und in welchem Umfang."

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