Politisches Engagement Uni
Studierende hoffen, durch Initiativen zeitnah etwas zu verändern | Foto: Thinkstock/lorenzoantonucci

Engagement an der Uni

 

Fachschaften

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05. Okt 2015

Sonja Dietz

Engagement an der Uni

AStA war gestern!

Wie sich Studierende an der Uni politisch engagieren

Credit Points statt Cash

"Studenten engagieren sich heute anders", sagt Stefan Grob, Sprecher des Deutschen Studentenwerks, "punktueller und oft mit biografischer Passung." So bringen Lehramtsstudenten Analphabeten etwa das Lesen bei oder helfen Grundschülern beim Lernen.

In Frankfurt gibt es derweil eine studentische Poliklinik, die Sprechstunden für Nicht-Krankenversicherte anbietet. Kostenfrei. Angeleitet werden die Jungmediziner von erfahrenen Ärzten. Alles Initiativen, die von Studentengruppen auf eigene Faust initiiert wurden oder gar in den Lehrplan integriert sind. Stichwort: Service Learning.

Diese Lernform verknüpft gesellschaftliches Engagement mit der Fachausbildung. Studierende arbeiten in einem von der Uni initiierten Projekt für ein Semester mit einer Organisation zusammen. Davon profitieren beide Seiten: Die Institutionen erfahren Unterstützung und die Studenten wenden ihr Wissen praktisch an. Statt Cash winken Credit Points.

Fließender Übergang zum Ehrenamt

Service Learning gehört hierzulande zu den jüngeren Formen des Lernens. Neu ist sie aber nicht. Bereits in den 60er Jahren praktizierten Hochschulen in den USA die Methode. Seit der Jahrtausendwende ist sie auch an deutschen Unis verbreitet, wobei der Übergang vom Ehrenamt fließend ist: Manchmal wird die Arbeit in studentischen Initiativen auch als Studienleistung anerkannt.

In beiden Fällen ist das Engagement meist zeitlich begrenzt. Ist ein Projekt abgeschlossen, wird das nächste in Angriff genommen. Gleichzusetzen ist diese "Sprunghaftigkeit" jedoch nicht mit politischem Desinteresse. "Im Gegenteil", sagt Stefan Grob. "Es ist ein neues Politikverständnis. Es geht um das Lösen konkreter Probleme – im Grunde Politik in Reinkultur."

Geduldsspiel Politik

Aber auch die klassischen Gremien sind nicht aus der Universitätswelt verschwunden, doch sie haben an Zulauf verloren. Zum einen, weil sich die Bandbreite an Initiativen vervielfacht hat und ihnen Konkurrenz macht. Zum anderen reizt Studenten an einer Initiative die größere Aussicht auf Erfolg: Insbesondere in politisch engagierten Gruppen kann es länger dauern, Ergebnisse zu sehen - geschuldet ist das mitunter der größeren Bandbreite an Aufgaben.

Dennoch: Wer sich für die Belange der Studierenden einsetzen möchte, kann beispielsweise in der Fachschaft nach wie vor einiges bewegen. Fachschaftler organisieren innerhalb ihres Fachbereichs Erstsemestereinführungen, sammeln Skripte, Altklausuren, Prüfungs- und Praktikumsprotokolle. Oder sie organisieren Partys und beraten Studierende in fachlichen Fragen.

Politbühne Asta

Die Politbühne betritt, wer sich im Allgemeinen Studierendenausschuss (AStA) engagiert, der die hochschulpolitischen Interessen aller Studierenden gegenüber der Professorenschaft vertritt und zudem Dienstleistungen anbietet. Eine Rechts- und Sozialberatung etwa, oder eine Wohnungs- und Arbeitsvermittlung. Gewählt und beauftragt wird der AStA vom Studierendenparlament (StuPA), das sich aus den Vertretern politischer Studenten-Gruppen zusammensetzt, zu denen jeder Student freien Zugang hat.

Soft Skills in der Praxis weiterentwickeln

Egal ob AStA, StuPA, Initiative oder Lehrmodul – für Ina Claßen, Inhaberin der Unternehmensberatung "brands for talents", ist jede Form des studentischen Engagements ein regelrechter Booster für die Persönlichkeitsbildung.

Die Karriere-Expertin, die bei dem Konzern Henkel für die Förderung studentischer Kräfte verantwortlich war, sagt: "Nirgends entwickeln sich Soft Skills besser als in der Praxis: Führungskompetenz, Entscheidungsfähigkeit, soziale Kompetenz und Ausbildung eines sozialen Bewusstseins. Und nebenbei leistet man einen Beitrag für die Gesellschaft. Gratulation."

Das falle auch Personalern bei der Durchsicht einer Bewerbung ins Auge. Engagement lohnt also – sowohl Gesellschaft als auch Karriere sagen letztlich "danke".

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