Flüchtlingsarbeit
Soziales Engagement: Mehr als ein einfacher Job | Foto: Thinkstock/oneinchpunch

Engagement an der Uni

21.09.2015

Flüchtlingshilfe

Engagement zeigen: Uni-Projekte für Flüchtlinge – und wie du helfen kannst

Aktionen unterstützen, eigene...

Hunderttausende Menschen engagieren sich aktuell in Deutschland für Flüchtlinge und gegen Fremdenhass. Auch an den Hochschulen wird eine Menge gemacht. Hier ein kleiner A ... mehr »

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08. Nov 2016

Ann-Christin Kieter

Engagement an der Uni

5 Fehler in der Flüchtlingsarbeit

Helfen ist gut. Richtiges Helfen ist besser.

1. Ich gönne mir zu wenig Freizeit neben der Flüchtlingsarbeit.

Seit sich Sebastian Bartoschek mit Flüchtlingsarbeit auseinandersetzt, habe er o­ft erlebt, "dass sich junge Menschen total motiviert in die Arbeit stürzen und nicht erkennen, dass ihre Krä­fte begrenzt sind". Da man jedoch leicht Fehler macht, wenn man nicht top‑fit, ausgeruht und entspannt ist, "tut man so weder sich noch den Geflüchteten einen Gefallen". Also plan neben Uni, Job und Ehrenamt auch immer noch freie Zeit für dich und deine Hobbys ein!

2. Ich will alles im Alleingang schaffen.

"Am Anfang habe ich auch geglaubt, dass keiner meine Arbeit so gut macht wie ich. Aber das ist meistens falsch", gibt der Diplom-Psychologe zu. Im Kontext der Sozialarbeit installiere man schließlich auch Teamsitzungen oder Supervision, bei Jugendämtern zum Beispiel müssen gewisse Themen im Team diskutiert werden: "Zum einen, um eine fachlich bessere Einschätzung zu bekommen, aber auch, um sich selbst ein Stück weit zu entlasten und Psychohygiene zu betreiben."

3. Ich habe ein falsches Bild vom Flüchtling vor Augen.

Diplom-Psychologe Sebastian Bartoschek

Laut Bartoschek werden Geflüchtete zu o­ft als "arme Opfer" angesehen, "die andauernd über das Opfersein reden müssen". Genau das sei der falsche Weg: "Es ist ein Irrglauben, dass ein Problem verschwindet, wenn wir nur oft­ genug darüber reden. Gerade im Sinne einer Re-Traumatisierung kann das Reden über das Erlebte mitunter genauso belastend sein wie das Erlebte selbst."

Falls du dennoch in die Situation kommst, dass dir was Schlimmes erzählt wird, sei es absolut okay zu sagen: "Boah du, das ist echt he­ftig. Können wir später darüber sprechen?" Allerdings platze es gerade bei Kindern oft­ einfach aus ihnen heraus. Dann wäre sein Ansatz, erstmal zuzuhören. Nicht zu bewerten, nicht zu kommentieren. Und dann mit Fragen wie 'Gibt es etwas, das dir jetzt guttun würde?‘ seine Hilfe anzubieten.

Zwei Dinge solltest du dringend vermeiden: nachbohren, wenn jemand nicht weiterreden möchte, und Versprechen à la "Alles wird gut!".

4. Ich übersehe die einfachsten Aufgaben bei der Arbeit mit Flüchtlingen.

Als Ergänzung zu Punkt 3 rät Bartoschek, "den Flüchtling als einen Menschen zu sehen, dem man hier einen guten Start ermöglichen will". Für ihn mache es durchaus Sinn, eine Person mal durch einen ganz normalen Tag zu begleiten. Probleme, die au­ftauchen können, seien teilweise sehr banal. "Ich habe mal ein afghanisches Mädchen betreut, von dem alle dachten, es sei taub, weil es nie reagiert hat, wenn es an der Tür geklingelt hat. Dabei kannte es einfach keine Türklingeln."

Frag dich, was dir besonders liegt. Kannst du gut unterrichten? Oder Fußballspielen? Bereiten dir Behördengänge keine Kopfschmerzen? Deine Stärken lassen sich sicher in ein Hilfsangebot verpacken.

5. Ich fühle mich latent immer schlecht.

"'Sollen wir unseren normativen Werterahmen durchdrücken oder uns auf andere einlassen?‘, 'Brauchen wir nach Religionen getrennte Unterkün­fte?‘. Das sind so Sachen, die diskutieren wir nicht offen genug", bemängelt Bartoschek. Dies führe dazu, dass sich ein Flüchtlingshelfer, falls er das mitentscheiden muss, hin- und hergerissen ist. Aussprachen im Team können da helfen. Genauso wie die Einsicht, dass es auf engstem Raum einfach immer zu Konflikten kommen wird.

Und er sieht noch ein weiteres Problem: "Viele glauben: 'Wenn ich für Flüchtlingsarbeit bin, dann muss ich alle Flüchtlinge auch total toll finden. Wenn nicht, dann bin ich eigentlich schon ein AfD-Wähler.‘" Die Wahrheit sei jedoch: "Ich muss nicht alle Menschen, mit denen ich arbeite, mögen. Ich muss denen helfen", sagt Sebastian Bartoschek und erzählt: "Mich haben Leute schon gefragt: 'Ich habe da jetzt einen, der geht mir total auf den Sack. Ist das o.k.?‘ – Na klar ist das o.k.!"

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