Medizinisches Hilfsprojekt Ruanda
Verena, Julia und Saskia in Ruanda in Aktion | Foto: Eat to fight your disease

Engagement an der Uni

21.09.2015

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10. Jul 2015

Heike Kruse

Engagement an der Uni

Hilfsprojekt "Eat to fight your disease": Studenten retten Leben in Ruanda

Mitgründerin Julia Färber im Interview

"Wir haben viel Potenzial"

UNICUM: Was habt ihr in Ruanda erlebt, das euch zum Aktiv-Werden bewegt hat?
Julia Färber: Wenn Patienten aufgrund des Genozids oder HIV/Aids keine Verwandten haben, diese zu weit vom Krankenhaus entfernt leben oder die Familien einfach nicht genügend Geld besitzen, so verhungern die Patienten unter ärztlicher Aufsicht im Krankenhaus. Wir haben Kinder gesehen, die so mangelernährt waren, dass sie an einfachen Hautpilzen starben, wie auch junge Frauen, deren Kaiserschnittwunden sich infiziert hatten, weil sie keine Abwehrkräfte besaßen. Wir haben erkannt, dass man in Butare das Leben von Menschen positiv verändern könnte und begannen, für unser Hilfsprojekt Spenden zu sammeln. Seit August 2014 können wir an die zwanzig bedürftigsten Patienten täglich eine warme Mahlzeit austeilen lassen.

Auch wenn wir oft daran denken, wirkliche Hilfe leisten die wenigsten. Warum sollte jemand euer Hilfsprojekt unterstützen?
Wir sind ein sehr junges und kleines Projekt – genau das zeichnet uns auch aus. Wir haben viel Potenzial, uns zu entwickeln, und garantieren, dass jeder Euro direkt bei unseren Patienten ankommt. Dies sichern wir durch unseren engen Kontakt zu den Krankenhausmitarbeitern vor Ort. Gleichzeitig kooperieren wir mit einer Organisation, die den Aufenthalt von Medizinstudenten in Ruanda organisiert – die für uns dort weiterarbeiten, wo wir aufgehört haben.

"Wir waren mit großer Armut konfrontiert"

Was für einen Eindruck hat das Land bei euch hinterlassen?
Unser Bild von Ruanda hat sich im Laufe unseres Aufenthalts sehr gewandelt. Auf den ersten Blick sahen wir ein afrikanisches Land, das sich von seiner dunklen Geschichte befreit hat, voller neuer Reformen und Visionen, im rasanten wirtschaftlichen Aufschwung. Wir waren beeindruckt von den großen Bauten der Hauptstadt, erstaunt, auf gut geteerten Straßen zu laufen und überrascht von dem völligen Gefühl der Sicherheit, auch nachts. Ruanda ist in vielen Punkten ein Vorbild für andere afrikanische Staaten.

Und die Schattenseiten?
Durch unsere Arbeit im Krankenhaus lernten wir schnell die Menschen des Landes wirklich kennen. Eine Generation Waisen, noch immer geprägt von den Grausamkeiten und Folgen des Genozids 1994, bot uns Einblick in den von den vielen Widersprüchen geprägten ruandischen Alltag. Nicht nur im Krankenhaus, sondern auch auf den Straßen, waren wir mit großer Armut konfrontiert. Besonders auf dem Land, außerhalb der so westlich geprägten Städte. Es gibt keine freie Meinungsäußerung und eine Überwachung durch die Militärregierung, was den Austausch unheimlich erschwert.

"Abhängigkeit von europäischem Geld beenden"

Ihr habt 3.000 Euro Förderung beim Wettbewerb "Macht was draus!" des Stifterverbandes erhalten. Was macht ihr damit?
Diese 3.000 Euro gehen vollständig nach Butare in unser Projekt! Wir sind so glücklich über den Gewinn, denn so können wir bei einem Preis von 1 Euro pro Mahlzeit unseren 20 Patienten/innen 150 Tage lang eine warme Mahlzeit garantieren.

Wie reagieren die Menschen vor Ort auf eure Hilfe?
Ruander sind sehr herzliche Menschen, warm und voller Lebensfreude. So zeigen sich besonders die Klinikmitarbeiter sehr dankbar. Sie selbst sehen die positiven Auswirkungen unserer Organisation. In einer unserer letzten Visiten im Krankenhaus fragte der Chefarzt, warum denn plötzlich die Wunden eines Patienten so gut heilen würden, da antwortete die Pflegeleitung stolz: "Dank des Food-Projektes!"

Und wie soll es mit eurem Hilfsprojekt weitergehen?
Wir brauchen Spender, die uns finanziell unterstützen, aber auch engagierte Menschen mit Ideen, die unser Projekt weiterentwickeln und ausweiten. Gerade gründen wir einen Verein; unsere Homepage mit Logo wird erstellt. Wir träumen von einer festen Partnerschaft zwischen deutschen und ruandischen Krankenhäusern, von Nachhaltigkeit, vielleicht sogar von Agrarfeldern für das Krankenhaus, um die Abhängigkeit von europäischem Geld zu beenden. Der Verein soll eine Gruppe Menschen zusammenbringen, die gemeinsam durch ihre individuellen Talente, das Projekt und dadurch auch sich selbst weiterbringen.


"Eat to fight your disease" im Netz

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