Junge Deutsche Philharmonie
Das Ensemble der "Jungen Deutschen Philharmonie" | Foto: Achim Reissner
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28. Aug 2014

Simon Sperl

Engagement an der Uni

Zwischen Sinfonie und Demokratie

Die "Junge Deutsche Philharmonie"

Das Aufnahmeverfahren für neue Mitglieder

Ohne Altersbeschränkung kommt auch die "Junge Deutsche Philharmonie" nicht aus: Die Mitglieder müssen zwischen 18 und 28 Jahren alt sein. Für die musikalische Qualität sorgt ein weiteres Aufnahmekriterium, nämlich das Studium an einer deutschsprachigen Musikhochschule.

Damals wie heute entscheiden die Mitglieder einer Instrumentengruppe darüber, ob ein Musiker aufgenommen wird oder nicht. In bis zu drei Probespielen müssen sich Interessierte beweisen. Dabei gehen die Meinungen der Abstimmenden auch schon einmal auseinander. "Wir diskutieren dann unsere Eindrücke und fällen unsere Entscheidung letztendlich nach dem Mehrheitsprinzip", führt Nico Treutler, ein Mitglied des Orchestervorstandes, aus.

Mit dem Probespiel endet die Bewerbungsphase jedoch nicht. Wenn die erste Entscheidung gefallen ist, wird derjenige für die Dauer eines Proben- und Tourneezyklus aufgenommen. Das hat laut Nico Treutler einen einfachen Grund: "Jemand kann im Probespiel überzeugen und seine Solostücke super können, das heißt aber nicht unbedingt, dass er sich gut ins Orchester einfügen kann." Erst wer diese Phase überstanden hat, wird ein vollwertiges Orchestermitglied.

Das Orchester als basisdemokratischer Ort

In der Methode der Selbstbestimmung wird die gesamte Arbeitsweise deutlich. Denn das Orchester versteht sich als basisdemokratische Einrichtung. Nicht nur über neue Mitglieder wird im Orchester entschieden, sondern auch über das Programm, die Wahl der Dirigenten und Solisten, den Tourneeplan oder Workshops. Dadurch besitzt jedes einzelne Mitglied die Möglichkeit, eigene Ideen einzubringen und Einfluss auf die Orchesterarbeit auszuüben.

In der konkreten Umsetzung sieht das so aus, dass sich die Musiker beispielsweise im Orchestervorstand oder dem Programmausschuss engagieren. Gewählt werden die unterschiedlichen Gremien nach geltenden Vereinsrecht alle zwei Jahre. Dieses Engagement geht über das reguläre Orchesterspiel hinaus und schafft zusätzliche Qualifikationen für die Arbeitswelt, die das Studium so nicht schaffen kann.


Musiker Junge Deutsche Philharmonie


Vielfalt bei der Musikwahl und Probenarbeit

Im Mittelpunkt der musikalischen Arbeit stehen natürlich die Probenarbeit und die Aufführung der einstudierten Werke. Da die Bedingungen in den Großstädten oftmals nicht geeignet sind, finden die Probenarbeiten an wechselnden Orten statt, zuletzt in der Landesmusikakademie im baden-württembergischen Ochsenhausen. Die musikalische Ausrichtung beschränkt sich nicht nur auf klassische sinfonische Werke, auch zeitgenössische Musik sowie die Uraufführung von Kompositionsaufträgen bilden einen Schwerpunkt.

Die Probenphasen der "Jungen Deutschen Philharmonie" liegen zwangsläufig in den vorlesungsfreien Zeiten im Frühjahr und Sommer. Im Anschluss an die konzentrierten Probephasen folgen nationale und internationale Konzerttourneen. Seit 2008 veranstaltet die Junge Philharmonie in Frankfurt am Main zudem ein eigenes biennales Festival: das FREISPIEL. Im Rahmen des Festivals werden Grenzen gesprengt und mit künstlerischen Genres experimentiert. So wird Musik mit Schauspiel gekoppelt oder aber Aufführungsorte außerhalb des klassischen Konzertraumes gelegt.

Dirigent, Kooperationen und Ausgründungen

Trotz aller Konstanz stehen im Jahr 2014 Veränderungen in der "Jungen Deutschen Philharmonie" an. Während des Festaktes zum 40. Jubiläum wird der renommierte britische Dirigent Jonathan Nott in der Frankfurter Alten Oper den Taktstock von Lothar Zagrosek übernehmen. Nach fast 20 Jahren endet damit dessen Phase als erster Gastdirigent und künstlerischer Berater. Die Entscheidung für Jonathan Nott fiel laut Nico Treutler aufgrund der positiven Erfahrungen bei einer früheren Zusammenarbeit. "Die Proben mit ihm waren musikalisch und menschlich wirklich wertvoll und mitreißend. Er war sehr akribisch und forderte gleichzeitig auch jeden einzelnen Musiker heraus."

Die Bedeutung der "Jungen Deutschen Philharmonie" im deutschen Kulturbetrieb wird in den Kooperationen mit angesehenen Dirigenten, Solisten und Kooperationen mit Profiorchestern wie den Bamberger Symphonikern und dem WDR Sinfonieorchester deutlich. Auch zahlreiche, mittlerweile namhafte Ensembles wurden von ehemaligen Mitgliedern gegründet. Zu nennen sind das Ensemble Modern, die Deutsche Kammerphilharmonie Bremen oder das Ensemble Resonanz.

Das Orchester als Karrieresprungbrett

Insofern das Mitwirken in der Jungen Deutschen Philharmonie nicht bereits bei Bewerbungen von Vorteil ist und der Musikerkarriere hilft, kann die Gründung eines neuen Ensembles oder Orchester eine Geschäftsidee und Alternative zur Anstellung in einem Orchester sein. Genau dieses Gefühl verspürt Nico Treutler gerade im Orchester: "Es herrscht einfach eine kreative Stimmung. Sobald sich da die richtigen Leute zusammensetzen und sich trauen, könnte das passieren."


Logo Junge Deutsche PhilharmonieDie Junge Deutsche Philharmonie in Zahlen

  • 204 Mitglieder, die sich auf die Instrumentengruppen hohe Streicher, tiefe Streicher, Holzbläser, Blechbläser und Schlagzeug/Harfe/Klavier verteilen
  • 26 Nationalitäten
  • 50 % Musikerinnen und 50 % Musiker
  • von 33 Hochschulen
  • 76 Arbeitstage im Jahr 2014
  • 8 Projekte (u.a. die Konzerte im Rahmen des Festivals FREISPIEL und der Festakt zum 40. Jubiläum der "Jungen Deutschen Philharmonie" unter der Schirmherrschaft von Bundestagspräsident Prof. Norbert Lammert)

Weitere Informationen gibt es auf der Website der "Jungen Deutschen Philharmonie": jdph.de.

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