Exzellenzstrategie
Die Exzellenzstrategie fördert Wissenschaft und Forschung in Deutschland | Foto: Thinkstock/Rawpixel

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25. Jan 2017

Alexander Lemonakis

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Exzellenzstrategie: Spitzenforschung für alle oder Elitenförderung?

Was ist die Exzellenzstrategie?

Die Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder fördert Wissenschaft und Forschung an deutschen Hochschulen. Die Idee eines deutschlandweiten Wettbewerbs unter allen deutschen Universitäten stammt von Edelgard Buhlmahn (SPD), der ehemaligen Bundesministerin für Bildung und Forschung. Das Förderprogramm existiert seit dem Jahr 2005 und ist in zwei Förderlinien unterteilt: Exzellenzcluster und Exzellenzuniversitäten.

Die ehemalige dritte Förderlinie zur Ausbildung der Doktoranden in Graduiertenschulen wird nicht mehr gefördert. Nach langem Hin und Her haben sich Bund und Länder auf eine Fortsetzung der Exzellenzstrategie geeinigt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Wissenschaftsrat führen das Begutachtungs- und Auswahlverfahren gemeinsam durch.

Exzellenzcluster

In den Exzellenzclustern werden international wettbewerbsfähige Forschungsfelder an Universitäten bzw. Universitätsverbünden projektbezogen gefördert. Laut DFG sollen mit den Exzellenzclustern an deutschen Universitätsstandorten international sichtbare und konkurrenzfähige Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen etabliert und dabei wissenschaftliche Vernetzung und Kooperation ermöglicht werden. Die Exzellenzcluster sollen wichtiger Bestandteil der strategischen und thematischen Planung einer Hochschule sein, ihr Profil deutlich schärfen und ihre Internationalisierung fördern.

Exzellenzuniversitäten

"Zukunftskonzepte" haben zum Ziel, die universitäre Spitzenforschung in Deutschland auszubauen und international konkurrenzfähiger zu machen. Gegenstand der Förderung sind alle Maßnahmen, welche die Universitäten in die Lage versetzen, ihre herausragenden Bereiche nachhaltig zu entwickeln und zu ergänzen und sich als Institution im internationalen Wettbewerb in der Spitzengruppe zu etablieren. Die Universitäten, die mit den Geldern des "Zukunftskonzept" gefördert werden, gelten als "Elite-Unis".

Was sind die Ziele der Exzellenzstrategie?

Die Exzellenzstrategie fördert ab dem Jahr 2018 intensiv Wissenschaft und Forschung an ausgewählten Hochschulen mit jährlich 533 Millionen Euro. Laut der DFG ist es Ziel der Exzellenzstrategie, Spitzenforschung und Qualität des Hochschul- und Wissenschaftsstandortes Deutschland in der Breite zu fördern und damit den Wissenschaftsstandort Deutschland zu stärken. Die deutschen Hochschulen sollen insgesamt international wettbewerbsfähiger werden. Aus diesem Grund fördern Bund und Länder insbesondere mehrere Spitzen-Universitäten.

Exzellenzuniversitäten

Welche Unis besitzen den "Elite-Status"?

Seit 2012 erhalten elf Universitäten Mittel aus der Förderlinie "Zukunftskonzepte" und gelten als "Exzellenzuniversitäten" oder auch "Elite-Universitäten".

Vorteile der Exzellenzstrategie

Geld für Bildung und Forschung

Grundsätzlich ist es positiv, dass immense Fördergelder in die Bereiche Bildung, Forschung und in die deutsche Hochschullandschaft fließen. Manche Forschungsbereiche und Projekte werden nachhaltig gefördert und können mit Welt-Unis wie Harvard, Stanford und Oxford mithalten. Auch klar ist, dass deutsche Hochschulen chronisch unterfinanziert sind, wie Prof. Dr. Dieter Lenzen, Präsident der Uni Hamburg, erklärt: "Inzwischen ist die Grundausstattung der Universitäten so schlecht, dass Hochschulen darauf angewiesen sind, sich an Wettbewerben wie der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder zu beteiligen, um auf hohem Niveau forschen und lehren zu können."

Automatisch profitiert bei einem geförderten Teilbereich auch die ganze Hochschule, wie Lenzen ebenfalls klarstellt: "Die Fokussierung auf vereinzelte Forschungsbereiche in der ersten Förderlinie bedeutet jedoch nicht, dass an den Clusteranträgen unbeteiligte Fächer neben diesen Leuchttürmen an Relevanz verlieren. Letztendlich kommt ein Erfolg in diesem Wettbewerb der gesamten Universität zugute."

Großes Angebot an Vorlesungen und Seminaren

Außerdem ist es sinnvoll, die Wissenschaftler/innen und Studierenden eines bestimmten Forschungsfeldes an einigen wenigen Standorten zu konzentrieren. Wissenschaft lebt von enger Verzahnung, Diskussion und Austausch. Das ineffiziente Nebeneinander von Unis und außeruniversitären Einrichtungen in Deutschland soll damit begrenzt werden. Die Exzellenzstrategie bringt zudem eine gesunde Form der Wettbewerbskultur in die deutsche Hochschullandschaft. Seit der ersten Runde der Exzellenzstrategie in den Jahren 2005/2006 haben sich eine Vielzahl neuer Wettbewerbe etabliert: Von Exzellenzinitiativen auf Landesebene über Preise für gute Lehre bis hin zu anderen Forschungsauszeichnungen. Mehr Wettbewerb ist für alle Hochschulen gut und besonders die Qualität von Forschung und Lehre steigt im Wettbewerb nachweisbar.

Der (Prestige-)Erfolg der eigenen Universität ist auch für jeden Studierenden von Vorteil, wie Marlene Odenbach, Koordinatorin des Exzellenz-Bewerbungsverfahren von der TU Dresden, ausführt: "Die Studierenden machen ihren Abschluss an einer Universität mit hoher Reputation, was für die Arbeitsmarktchancen förderlich ist. Sie haben die Gelegenheit, mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Kontakt zu kommen, die nur an einer solchen Universität forschen und lehren werden."

Estelle Gottlob-Linke, 28, schreibt gerade an ihrer Masterarbeit im Fach Kunstgeschichte und profitiert durch Fördergelder in ihrem Fachbereich auch im Uni-Alltag: "Die Uni Heidelberg bietet eine Vielzahl an interdisziplinären Veranstaltungen, die nur dank der Exzellenzinitiative möglich sind. Das macht sich insbesondere in den Angeboten der Seminare und Vorlesungen bemerkbar."



Kritik an der Exzellenzstrategie

Zweiklassensystem an deutschen Hochschulen

Es gibt viel Kritik an der Exzellenzstrategie: Die Fördermittel und die Maßnahmen würden nicht bei den Studierenden ankommen und ein Zweiklassensystem in der deutschen Hochschullandschaft entstehe. Rund 3.000 Gegner der Exzellenzstrategie, Professoren und Dozenten deutscher Hochschulen, haben sich für eine Online-Petition zusammengetan. Zu den Initiatoren gehört Prof. Dr. Tilman Reitz von der Uni Jena, der das "Eliteförderprogramm grundsätzlich in Frage stellt" und eine "flächendeckende, gerechtere Verteilung der Fördergelder in die gesamte deutsche Hochschullandschaft", statt an "ausgewählte Leuchttürme" fordert. Gute Lehre und Forschung sind laut Reitz auch ohne Elite-Prädikat möglich.

Zudem profitieren von dem Förderprogramm nur eine Handvoll Bildungseinrichtungen, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland mehr als 430 Hochschulen und davon allein 108 Universitäten gibt. Reitz beklagt zudem "Wettbewerbsglauben und ein großes Missverhältnis zwischen Antragsaufwand und qualitativem Ertrag", insbesondere für Sozial- und Geisteswissenschaften. Im Zuge der letzten Runde des Förderungsprogramms blieben die Geisteswissenschaften vergleichsweise auf der Strecke. Obwohl in ihnen ungefähr doppelt so viele Studierenden eingeschrieben sind, bekamen sie im Vergleich zu den MINT-Fächern nur knapp die Hälfte an Fördergeldern.

Studierende fordern: Uni für alle

Auch viele Studierende sehen die Exzellenzstrategie kritisch und demonstrierten in verschiedenen Uni-Städten für einen "Exit" aus dem Förderprogramm und forderten "Uni für alle statt Exzellenzinitiative". Insbesondere viele kleine Universitäten und Hochschulen fühlen sich benachteiligt.

Auch Walter Pelka, Präsident der HafenCity Universität Hamburg, sieht die Exzellenzstrategie kritisch: "Es reicht einfach nicht aus zu sagen, dass es immer gut ist, wenn irgendwo zusätzliches Geld in das deutsche Hochschulsystem fließt. Dies muss auch sinnvoll und mit einem hohen Wirkungsgrad und mit der erforderlichen Nachhaltigkeit geschehen." Er fügt hinzu: "Forschung muss bunt und vielfältig sein."

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