NC Medizin
Die Abiturnote soll für das Medizinstudium unwichtiger werden | Foto: Jesse Orrico/StockSnap
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20. Dez 2017

Nina Weidlich

Studienstart

Medizinstudium: Was bedeutet die NC-Entscheidung des Gerichts?

NC für Medizin: So lief die Bewerbung bisher ab

Die Studienplätze für Mediziner werden von der Stiftung für Hochschulzulassung (SfH) für ganz Deutschland zentral vergeben. Auf www.hochschulstart.de können Bewerber zwei Mal im Jahr einen Antrag stellen und maximal sechs Unis nennen, an denen sie gerne Medizin studieren würden. Damit können sie auch nur an diesen vorab festgelegten Universitäten angenommen werden.

Die Zulassung erfolgt nach verschiedenen Kriterien: Zuerst einmal werden Bewerber berücksichtigt, die unter die sogenannte Vorabquote fallen. Dazu zählen unter anderem ausländische Studierende oder Härtefälle, also zum Beispiel Menschen mit einer schweren Krankheit. Danach gehen 20 Prozent der Studienplätze an diejenigen mit dem besten Abiturnoten – mittlerweile ist aber selbst ein Abischnitt von 1,2 meist schon nicht mehr ausreichend.

Weitere 20 Prozent werden an Bewerber mit den meisten Wartesemestern vergeben. Das kann aber unter Umständen lange dauern: Im Jahr 2017 lag die Wartezeit mit 15 Semestern höher als die Regelstudienzeit von zwölf Semestern.   

Für die restlichen 60 Prozent gelten Kriterien, welche die Hochschulen selbst festlegen können – auch hier bleibt es aber dabei: Die Abiturnote hat einen erheblichen Einfluss. Zusätzlich können je nach Uni bestimmte Einzelnoten, Auswahlgespräche oder eine fachbezogene Ausbildung mit in die Entscheidung einfließen.

NC-Urteil des Bundesgerichtshofs: Das kritisieren die Richter

Grundsätzlich ist es so, dass es im Fach Medizin zu viele Bewerber für zu wenige Studienplätze gibt. In Zahlen der SfH heißt das: Auf 9.176 Plätze haben sich im Wintersemester 2017/2018 mehr als 43.000 Studienanwärter beworben – das sind fünf Bewerber pro Studienplatz.

Zwei von ihnen haben geklagt, und das Bundesverfassungsgericht hat nun entschieden: Einige Bereiche der Studienplatzvergabe sind verfassungswidrig, da sie keine Chancengleichheit gewährleisten und die freie Berufswahl unmöglich machen. Die geforderten Änderungen sollen bis zum 31. Dezember 2019 von den Ländern umgesetzt werden.

Die Änderungen des Medizinstudiums im Überblick

Das größte Problem ist die Gewichtung der Abiturnoten. Da jedes Bundesland für seine eigene Schulpolitik verantwortlich ist, sind die Abiturnoten innerhalb Deutschlands nur schwer vergleichbar. Das heißt: Ein Schüler in Bayern hat es schwerer, ein gutes Abitur zu machen, als ein Schüler in NRW – denn in Bayern ist das Abi anspruchsvoller. Das Gericht fordert deshalb, die Abiturnoten in Deutschland vergleichbarer zu machen.

Kritisiert haben die Richter außerdem die Bedeutung der Ortsangabe. Denn auch ein Bewerber mit guten Noten oder vielen Wartesemestern kann leer ausgehen, wenn er die Kriterien an den angegeben Unis nicht erfüllt, an einer anderen Uni aber vielleicht eine Chance hätte. Deshalb sollte die Ortspräferenz laut Gericht im Auswahlverfahren keine so große Rolle mehr spielen wie bisher.

Ein weiteres Problem ist die Wartezeit. Wie bereits erwähnt, liegt die Zahl der Wartesemester oft höher als die eigentliche Studiendauer. Deshalb fordern die Richter, dass die Wartezeit in Zukunft begrenzt werden muss. Wo genau diese Grenze liegen sollte, hat das Bundesverfassungsgericht aber noch nicht festgelegt – nur, dass die Anzahl der Wartesemester ein "angemessenes Maß" haben sollte.

Die hochschuleigenen Kriterien sollen zukünftig einheitlicher gestaltet werden. Außerdem muss bei der Auswahl neben der Abiturnote mindestens ein weiteres Kriterium ausschlaggebend sein. Möglich wären hier zum Beispiel Auswahlgespräche oder Assessment-Center, in denen soziale Kompetenzen eine größere Rolle spielen als bisher. Auch Aktivitäten wie der Einsatz bei der freiwilligen Feuerwehr oder dem Sanitätsdienst könnten stärkeren Einfluss auf die Bewerberauswahl nehmen.

Andere Länder kommen ohne Numerus Clausus aus

In vielen anderen europäischen Ländern spielt die Abiturnote bei der Auswahl der Bewerber um ein Medizinstudium gar keine oder nur eine untergeordnete Rolle. Wir haben uns die Kriterien für Bewerber in einigen Ländern mal genauer angesehen und für dich zusammengefasst:

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Deine Meinung:

Veröffentlicht am 25. Dez 2017 um 00:22 Uhr von SimoneSichel
Hallo Nina, vielen Dank für den super Artikel. Ich finde das Urteil vollkommen nachvollziehbar und sinnvoll. Leider kommt es für viele von uns, die jetzt gerne Medizin studieren wollen, zu spät. Deine Übersicht mit den Regelungen im Ausland finde ich klasse und werde da jetzt auch nochmal weiter recherchieren. Ich bin gerade auch noch auf folgenden Link gestoßen mediziner-test.de/medizin-studieren-ohne-nc-1-0 .. da ist ziemlich übersichtlich dargestellt, an welcher Uni man mit welchem Schnitt noch eine Chance haben könnte und wie man seinen Schnitt verbessern kann. Ich hoffe das Posten ist ok ... ? Vielleicht hilft die Übersicht ja auch jemanden weiter .. ;) Viele Grüße und schöne Feiertage, Simone