Gewissensfragen Studium
Ups! Geht ist das an der Uni überhaupt okay? | Foto: Thinkstock/Max Kegfire
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27. Aug 2015

Christina Scholten

Studienstart

Neu an der Uni: Ist es okay, wenn ...?

UNICUM klärt häufig gestellte Gewissensfragen

Geht das klar an der Uni?!

"Ich stelle mir täglich knapp 254 Fragen. An den Wochenenden sind es meiner Zählung nach meistens weniger, das hat aber etwas mit der Abendgestaltung zu tun. Die meisten dieser Fragen sind recht schnell beantwortet. Soll ich den Wecker zum zehnten Mal ausmachen und liegen bleiben? Klares Ja. Ist es vielleicht doch noch möglich, eine Karriere als erfolgreiches Model zu starten und mein Leben den Drogen und Rockstars zu widmen? Klares Nein. Das sind die Fragen für Amateure, schon nach dem ersten Kaffee abgehakt.

Aber dann gibt es eben dieses nächste Level. Diese Sachen, deren Beantwortung irgendwo in der Grauzone des Lebens liegen, auch Gewissen genannt. Themen, bei denen man nie weiß, ob das jetzt gerade richtig ist oder falsch. Oder ob man gegen irgendwelche ungeschriebenen Regeln der Gesellschaft verstößt, die man nicht kennt, weil sie ja niemand aufgeschrieben hat. Das sind die Fragen für Profis, kniffelig, aber nicht unlösbar. Ich erkenne diese Sorte von Fragen recht schnell, wenn sie sich in den Tiefen meines ratlosen Gehirns auftun. Denn immer dann will ich zum Telefonhörer greifen und meine Eltern anrufen. Aber es gibt auch Fragen, auf die noch nicht einmal Mama die Antwort kennt. Damit ist die dritte und letzte Stufe der Fragekategorien eröffnet, Fragen für Fortgeschrittene."

  • UNICUM Autorin Christina Scholten

Von den Fragen für Fortgeschrittene haben wir ein paar ausgesucht. Antworten inklusive – allerdings nicht nur von Experten, auch eure Meinung war uns wichtig.

Ist es okay, einem Professoren Kontra zu geben?

"'Obiectio! – Einwand!' Das war ein Ruf, auf den schon um das Jahr 1300 jeder Professor eingehen musste und eingehen wollte. Und zwar mit einer begründeten Antwort, sonst hätte er sich blamiert. Es gibt dabei nur zwei Grenzen: die der Höflichkeit und die der Zeit. Die Höflichkeit versteht sich von selbst: Es muss immer um die Sache gehen. Die Zeit ist das größere Problem: Der Prof ist verantwortlich für das Zeitmanagement der Vorlesung. Daher gilt: Zeit für Widerspruch ist einzuplanen."

"Speziell gerade erst berufene Dozenten sind häufig um jede Rückmeldung über ihre Lehrmethoden dankbar, während eher alteingesessene Lehrende nicht gerne an der Struktur der Veranstaltung rütteln lassen. Dass eine schlechtere Benotung eine Reaktion auf Kritik sein soll, glaube ich kaum; vielmehr zeigt das eher ein ungleiches persönliches Verhältnis zwischen Prof und Studi. Manch ein Kommentar, der in der Veröffentlichung der anonymen Vorlesungsevaluationen meiner Hochschule auftaucht, ist einfach nur schlecht formuliert und provoziert. Wird jene Kritik im selben Tonfall im direkten Gespräch geäußert, kann man vom torpedierten Dozenten nicht verlangen, weiterhin dennoch ein neutrales Bild von einem zu haben."

  • Stefan Volkmann, Allgemeiner Studierenden Ausschuss der Hochschule der Medien, Stuttgart

Ist es okay, das Studenten-/Semesterticket nach Studienabschluss weiter zu benutzen?

"Die missbräuchliche Nutzung der Studentcard für eine günstige Verpflegung in der Mensa, obwohl man nicht mehr Student ist, ist eine Täuschungshandlung gegenüber dem Studentenwerk und somit liegt grundsätzlich ein Betrugsbestand vor. Ebenso verhält es sich auch in Bezug auf das Semesterticket. Es liegt folglich mindestens ein Täuschungsversuch und damit ein Betrugsversuch gegenüber den Verkehrsbetrieben vor, wobei zu bedenken ist, dass die Studentcard auf ein Semester nach außen hin begrenzt ist. Allerdings ist ein Missbrauch ziemlich dumm, da spätestens bei der Kontrolle auffällt, dass die Studentcard nicht mehr für das aktuell laufende Semester gültig ist."

  • Helene Riefer, Leiterin der Abteilung Hauptverwaltung & Soziales beim Studentenwerk München

Ist es okay, länger als die üblichen Fachsemester zu studieren?

"Ein schnelles Studium ist sicher nicht für jeden geeignet. Aber diejenigen, die es durchziehen, erlangen in kürzester Zeit viel mehr Lebenserfahrung. Außerdem lernt man, etwas wirklich durchzuziehen – wenn man ein Ziel hat und den Willen dazu, warum dann groß Zeit vertrödeln? Davon abgesehen liegt man Staat und Familie nicht länger auf der Tasche, kann mehr Verantwortung übernehmen und wird schneller selbstständig."

  • Marcel Pohl, 23, Turbostudent und Projektmanager der Commerzbank

"Ja, denn es ist wichtig, Hausarbeiten und Klausuren nicht nur als To-do-Liste zum Abhaken zu betrachten, sondern zu versuchen, aus allem auch Wissen mitzunehmen – dafür soll man sich ruhig Zeit nehmen. Auch ein Auslandssemester ist empfehlenswert. Nach dem Bachelor bekam ich eine Zusage von einer Firma in Thailand. Da ich Erfahrung sammeln wollte, um nicht nach dem Studium als völliger Berufsanfänger dazustehen, nahm ich den Job an und ging für ein Jahr ins Ausland. Nach dieser Erfahrung wusste ich genau, welchen Master ich studieren und in welchem Bereich ich dann arbeiten wollte. Für mich war es richtig, zu studieren und dazwischen Dinge auszuprobieren oder zu vertiefen, weil ich so auch mal vom Studium wegkam und neue Motivation in der Arbeit zu finden konnte und umgekehrt."


Ist es okay, Vorlesungen mit dem Handy aufzuzeichnen?

"Prinzipiell ja. Doch man muss vorher das Einverständnis des Dozenten holen. Denn die Vorlesung, etwaige Folien und Unterlagen, sowie die persönliche Darbietung durch den Referenten bilden nach § 2 des Urheberrechtsgesetzes ein urheberrechtlich geschütztes Werk. Dies erfasst nicht nur das Mitschneiden des Vortrags, sondern auch das Abfotografieren von Folien. Auch die Kommilitonen müssen um Erlaubnis gefragt werden, sonst muss die Aufnahme vor jeder Wortmeldung oder Frage unterbrochen werden. Bedenklich ist auch das alleinige Lernen mit diesen Aufzeichnungen oder den Mitschnitten von Freunden: Einer Aufzeichnung kann man keine (Rück-)Fragen stellen."

  • Herr Dr. Michael Beurskens (Lehrstuhl für Bürgerliches Recht, Handelsrecht und Wirtschaftsrecht) an der Heinrich-Heine Universität in Düsseldorf

  Ist es okay, in Jogginghose ein Referat zu halten?

"An deutschen Universitäten gibt es keine Kleiderordnung."

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