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Studium Digital

03.02.2014

MOOC Universität

MOOC: Online-Kurse für die Uni von Zuhause

Die Zukunft der digitalen...

Sind die sogenannten MOOCs – von Hochschulen produzierte Online-Kurse für den Hausgebrauch – das Allheilmittel in Sachen digitale Hochschulbildung? Oder ist der Hype viel ... mehr »

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11. Mai 2016

Lukas Günther

Studium Digital

Computer statt Campus

Digitales Studium auf dem Vormarsch

Onlinekurse: Riesiges internationales Angebot

Weder Aufnahmeprüfung noch Anwesenheitspflicht, dafür interaktives Lernmaterial und stressfreies Studieren? Was sich auf den ersten Blick wie der Traum eines jeden Studenten anhört, ist bereits seit einiger Zeit vielversprechende Realität.

Onlinekurse bieten jedem Interessierten die Möglichkeit, in den Fachbereich seiner Wahl einzutauchen und sich in multimedial gestalteten Vorlesungsreihen weiterzubilden. Weil die Inhalte je nach Bedarf an das eigene Pensum angepasst werden können, lässt sich die Teilnahme eines Kurses problemlos mit Arbeit oder Studium vereinbaren.

Die Auswahl ist mittlerweile riesig: Neben US-Universitäten wie Harvard oder dem MIT, existiert auch ein Anteil deutschsprachiger Bildungsangebote.

Wirklich ausgereift ist das System hierzulande aber noch nicht. Die Anmeldung beziehungsweise der Besuch einer Vorlesung ist mitunter kostenlos, wer nach erfolgreich bestandener Prüfung (oft Multiple Choice) jedoch ein Zertifikat über die erbrachte Leistung haben will, muss zahlen.


Die beliebtesten MOOC-Plattformen

iTunes U – Lernen mit Podcasts

Das Lehrmaterial ist jeweils vom Anbieter abhängig. iTunes U, der Bildungsbereich von iTunes, setzt beispielsweise auf Audio- und Video-Podcasts, bei denen es sich größtenteils um Originalmitschnitte der jeweiligen Vorlesung handelt. Egal ob Zuhause oder unterwegs, wenn der Wissensdurst zu stark wird, lässt sich dieser zur Not auch über Kopfhörer und Smartphone stillen.

Das Angebot reicht von Lehrinhalten der Mittelschule bis hin zu gymnasialen Fachgebieten. Der Großteil richtet sich jedoch an erwachsene Menschen und entspricht universitärem Niveau. Viele der über iTunes U angebotenen Seminare sind gratis, doch entbehren der Möglichkeit eines Zertifikats. Apples Bildungsplattform empfiehlt sich also besonders für diejenigen, die einfach Spaß am Lernen haben und weniger auf eine Anerkennung über den persönlichen Nutzen hinaus angewiesen sind.

Coursera – Onlinekurse für lau

Zu den Klassikern der MOOCs zählen coursera und edX. Coursera, das im April 2012 von der Stanford University ins Leben gerufene Programm, umfasst mittlerweile 142 Partnerunis und bietet über 1800 Onlinekurse in unterschiedlichen Schwerpunktbereichen an.

Unter den Universitäten befinden sich auch zwei deutsche Einrichtungen: Die Ludwig-Maximilians-Universität und die Technische Universität München veranstalten unter anderem Seminare zu Unfallchirurgie und Mathematischer Philosophie. Ihre Kurse sind teilweise sogar in deutscher Sprache verfügbar.

Der große Vorteil an coursera ist die Tatsache, dass der Besuch eines Kurses immer kostenlos ist, sofern man die Leistung nicht zertifiziert haben möchte. Sinn macht das nur dann, wenn man den Kurs in seinen Bewerbungsunterlagen aufführen will und Wissenserwerb nicht bloß als Freizeitbeschäftigung ansieht.

Geht man den offiziellen Weg über ein Zertifikat, dann ist dieses auch verifiziert, also unter Vorlage des eigenen Ausweises erstellt und mit Originalunterschrift der Fakultätsvorsitzenden versehen. Auf diese Weise wird eine fälschliche Anerkennung scheinbar erbrachter Leistungen verhindert.

edX – Auf hohem Niveau

edX, die von der Harvard University in Zusammenarbeit mit dem MIT gegründete Plattform, funktioniert auf ähnliche Weise. Anders als bei coursera sind die Kurse jedoch nicht kostenlos, sondern erfordern eine minimale Aufnahmegebühr. Grund dafür ist der nonprofit-Charakter der Organisation, denn edX ist der einzige führende Anbieter von MOOCs, der sowohl nonprofit als auch Open Source aufgestellt und damit auf eine Finanzierung durch Mitglieder angewiesen ist.

Das bedeutet aber nicht, dass nur diejenigen davon profitieren, die das Geld dazu haben. Gefördert werden auch Personen, die auf finanzielle Hilfe angewiesen sind. Diese lässt sich ohne großen Aufwand direkt auf der Website beantragen. Obwohl edX mit nur 90 Partneruniversitäten stark unter dem Angebot von coursera liegt, sind hier weltweite Top-Unis am Start, die in ihrer enormen Qualität das reduzierte Kursangebot wieder wettmachen.

Egal ob coursera oder edX, beide Plattformen überzeugen mit anschaulichen Videoeinheiten und interaktiven Kursen. In regelmäßigen Abständen stehen Quizze auf dem Lehrplan, um den bisherigen Leistungsstand abzufragen und eventuelle Lücken im Verständnis aufzudecken. Und in Online-Foren besteht die Möglichkeit, sich mit anderen Kursteilnehmern auszutauschen, man lernt also nicht alleine.

Für alle, die neben dem Kopf auch noch ihren Lebenslauf aufpimpen wollen, ist das die perfekte Alternative zu Podcast und Co.


Spezielle Angebote für Programmierer

Udacity – Professionelles Online-Studium

Wer seine Kenntnisse vor allem im Bereich Computertechnik und Webentwicklung aufstocken möchte, dem sei Udacity empfohlen. Als Programmierer-Pendant zu den bereits bekannten Kursanbietern setzt die von einem deutschen Stanford-Professor entwickelte Plattform auf sogenannte "Nano-Abschlüsse". Seminare werden hier teilweise in Zusammenarbeit mit Branchengrößen wie Google, Facebook oder AT&T entwickelt und garantieren im Plus-Feature sogar eine Jobvermittlung.

Das Kursverzeichnis umfasst neben grundlegenden Einführungsveranstaltungen auch die Vermittlung spezifischer Programmiersprachen sowie plattformabhängiges Entwicklerwissen. Zwar sind die meisten Kurse kostenpflichtig, doch werden die Hälfe der Studiengebühren zurückerstattet – falls die jeweilige Vorlesungsreihe innerhalb von sechs Monaten mit Erfolg abgeschlossen wird. Auch das Zertifikat ist im Preis mitinbegriffen, es fallen also keine zusätzlichen Kosten an.

Besonders hervorzuheben ist bei Udacity die unmittelbare Nähe zu Silicon Valley-Giganten und eine starke Vernetzung der Mitglieder untereinander. Um die Kursinhalte mitsamt Fachvokabular nachvollziehen zu können, sind ausgeprägte Englischkenntnisse hier eine notwendige Voraussetzung für eine effektive Weiterbildung.

codecademy – Spaß für Programmieranfänger

Steht eher der Spaß am Programmieren und weniger akademische Qualifikationen im Fokus, dann bietet codecademy einen geeigneten Ausgangspunkt für den Start in die Welt von HTML und JavaScript. In interaktiven Kursen und spannenden Projekten werden Inhalte aus verschiedenen Bereichen der Web-, Software- und Appentwicklung vermittelt.

Besonders praktisch ist das in der Plattform integrierte Programmierfenster, mit dem man je nach Kurs Schritt für Schritt am eigenen Code schreibt. Alle Einheiten sind gratis, können jedoch gegen Entgelt auf die Pro-Version, die exklusive Lerninhalte und kurze Wissenstests beinhalt, heraufgestuft werden.

codecademy ist übersichtlich gestaltet, leicht nachvollziehbar und bereitet besonders dann große Freude, wenn ein Projekt, das man von Anfang an selbst konzipiert hat, am Ende funktionstüchtig seinen Abschluss findet und die virtuelle Auszeichnung im Profil erscheint.

Im Gegensatz zu Udacity richtet sich codecademy aufgrund der klaren Designs auch an jüngere Personen, die in die Branche hereinschnuppern wollen. Perfekt also für alle neugierigen und wissenshungrigen Programmier-Anfänger, die Lust auf interaktive Inhalte haben und sich nicht einfach berieseln lassen wollen.


Analoge Hochschule bleibt unersetzlich

So umfangreich das Angebot der MOOCs auch sein mag, eine richtige Universität ersetzen die Kurse letztendlich nicht. Doch sie schaffen eine gute Alternative, wenn der Besuch einer höheren Bildungseinrichtung nicht möglich ist.

Durch die größtenteils kostenlose Kursteilnahme vereinfachen sie den Zugang zu Wissen und bringen neue Formen der Lehrinhaltsvermittlung hervor, die zunehmend für den traditionellen Bildungsbereich interessant werden.

Auch in Europa tut sich seit einiger Zeit etwas: Iversity, eine Plattform, die in Funktion und Aufbau ihren US-amerikanischen Nachbarn gleicht, als einziger MOOC-Anbieter jedoch ECTS-Integration anbietet, bringt frischen Wind in die einheimischen Akademikerbauten. Alles was man dazu braucht, ist eine funktionierende Internetverbindung. Einmal Wissen zum Mitnehmen bitte!

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