Studienfachwechsel
Ist eine Studienfachwechsel so einfach wie Tapetenwechsel? | Foto: Thinkstock/Jeffrey Hamilton

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21.06.2016

Bafög Studium

Studieren mit BAföG

Wir klären klärt die wichtigsten Fragen!

Studieren kostet. Und zwar nicht zu knapp: Bücher, Gebühren und nicht zuletzt Wohnung, Strom und Essen müssen bezahlt werden. Bloß wie? Das Zauberwort im Studium lautet: ... mehr »

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11. Jul 2015

Barbara Kotzulla

Uni-Orga

Studienfachwechsel: Das muss ich beachten

Wenn man sein Fach einfach nicht weiterstudieren will ...

"Das passt irgendwie nicht ..."

"Die meisten Studierenden haben sich ihr Studium oft anders vorgestellt", nennt Eva Fischer, Leiterin der Zentralen Studienberatung der Ruhr-Universität Bochum, als einen Hauptgrund für einen Studienfachwechsel. "Häufig passiert das bei Fächern, die in der Schule genauso heißen: 'Ich habe Englisch immer gerne gemacht, also studiere ich Anglistik'. Doch dann stellt man fest, dass das Fach an der Uni ganz anders ist, was zum Beispiel den sprachwissenschaftlichen oder literaturwissenschaftlichen Anteil angeht."

In naturwissenschaftlichen oder ingenieurwissenschaftlichen Fächern gibt es meist noch ein weiteren Grund  für einen Wechselwunsch, denn hier merken die Studenten oft, dass sie die Voraussetzungen des Studienfaches nicht erfüllen können. "Dann hören wir oft: 'Meine Physik- oder Mathematikkenntnisse reichen nicht aus – ich müsste so viel investieren, das passt irgendwie nicht'".

Der Wunsch nach einem Studienfachwechsel ist nicht ungewöhnlich. In den meisten Fällen überdenken Studenten schon kurz nach Beginn des Studiums ihre Studienwahl. "Man muss sich auch selber ein bisschen Zeit geben, um diese Art 'Kulturschock' zu verarbeiten. Man muss in die Universität, in die neue Art des Lernens reinwachsen. Da gibt es eine erste Phase, in der manche denken, dass sie das falsche Fach gewählt haben – was aber vielleicht gar nicht so ist. Man braucht manchmal ein, zwei Semester um festzustellen, dass die erste Entscheidung doch trägt."

Natürlich gebe es auch Einzelfällen, die ihr Fach fast zu Ende machen, allerdings ist der Studienwechsel dann keine Frage von Kompetenzen, sondern weil die Fächer nicht nach eigenem Wunsch gewählt wurden, erzählt Diplom-Psychologin Eva Fischer. Auch an der RUB hat man mit solchen Ausnahmefällen zu tun: "Die Studierenden quälen sich durch ihr Studium und stellen fest, dass es das eigentlich gar nicht ist. In solchen Fällen wird oft zum Ende hin der Druck größer."


Zum Download: Checkliste Studienfachwechsel

Checkliste Studienfachwechsel


Wann ein Wechsel Sinn macht – und wann nicht

In allen Fällen ist ein Studienfachwechsel aber kein Weltuntergang – und auch kein Stolperstein für die spätere Karriere. Allerdings muss man sich in einem Vorstellungsgespräch mit einem potenziellen Arbeitgeber auch Nachfragen nach dem Wechselgrund einstellen. Fischer: "Wenn man diesen dann gut begründen kann – und das kann man in der Regel – ist das kein Problem."

Der Entscheidung für einen Wechsel sollte im Idealfall der Gang zur Studienberatung folgen. Hier werden dann die wichtigsten Anfangsfragen geklärt: Was ist der Hintergrund für den Fachwechsel? Ist es eher eine Interessensfrage oder ist es eher der Zweifel an der Kompetenz für das Fach? Haben Studierende das Gefühl, dem Anspruch des Studiums nicht gewachsen zu sein, macht ein Gespräch mit den Fachberatern Sinn, die sich gut mit dem Studiengang auskennen. "Der Fachvertreter kann einschätzen, welche Voraussetzungen man weiter ausbauen muss und kann, wie sich das Studium noch entwickelt und in welche Richtung die Vertiefung geht. Das ist ein ganz wichtiger Punkt", erläutert Fischer.

Natürlich ist dann die Wahl des neuen Studienfachs entscheidend – bevor man sich festlegt, sollte man auch hier mit den jeweiligen Fachberatern sprechen, in Vorlesungen reinschnuppern und vor allem realistisch an die eigenen Wünsche und Fähigkeiten herantreten. Ein Fachwechsel macht dann keinen Sinn, wenn man sich auch über die anderen Fachinhalte falsche Vorstellungen macht.

Ein Beispiel aus der Praxis: "Jemand studiert ein ingenieurwissenschaftliches Fach, kommt damit aber nicht so richtig klar, und will daher zu einer Naturwissenschaft wechseln. Wenn sich dann herausstellt, dass die Hauptgründe für den Wechsel Probleme mit Mathematik und Physik sind, dann ist eine Fachberatung dringend angezeigt: Sind die Voraussetzungen für beiden Fächern vergleichbar. Besucht man die gleichen Kurse?"

Und, was ist mit meinem BAföG?

Von Seiten der Universität sind auch mehrere Studienfachwechsel möglich. Schwierig wird es dabei nur, wenn man BAföG erhält. "Beim BAföG ist unter bestimmten Voraussetzungen ein zweiter Wechsel ohne Verlust des Förderungsanspruchs möglich. Mehr geht nicht. Von daher ist es wichtig, bei der Beratung zum Fachwechsel zu erfragen: Wie sind die Hintergründe? Wie gehe ich als Studierender die neue Entscheidung an? Im Zweifelsfall sollte man sich lieber etwas Zeit lassen, als eine voreilige Entscheidung zu treffen und wieder vor dem gleichen Punkt zu stehen."


Studienfachwechsel: Fristen, Fragen und Formalia

Ist das neue Studienfach gewählt, darf es nun an den eigentlichen Wechsel gehen – und auf dem Weg dahin müssen einige wichtige Fragen geklärt werden:

  • Bis wann muss ich mich aus meinem "alten" Fach exmatrikulieren?
  • Ist mein neues Studienfach zulassungsfrei? Wann endet die Rückmelde-/Einschreibungsfrist?
  • Ist mein neues Fach zulassungsbeschränkt? Wann und wie muss ich mich dann dafür bewerben?
  • Hat mein Wunschfach eventuell auch erst in den höheren Fachsemestern eine Zulassungsbeschränkung?
  • Welche Scheine und Leistungen kann ich mir anrechnen lassen? Kann ich so schon im neuen Fach in ein höheres Fachsemester eingestuft werden?
  • Gibt es Eignungstest, die ich vor Studienbeginn des neuen Faches absolvieren muss?
  • Brauche ich bei einem artverwandten Studiengang eine Unbedenklichkeitsbescheinigung, um zu beweisen, dass ich bislang noch nicht endgültig durch eine entscheidende Prüfung gefallen und somit meinen Prüfungsanspruch verlosen habe?

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