Generation Wealth Film
Der Film Generation Wealth zeigt die Kehrseite von Reichtum und dem amerikanischen Traum. | Foto: Lauren Greenfield/Prime Video
Autor

14. Feb 2019

Hella Wittenberg

Filme

Generation Wealth: Warum der Film jetzt gerade so wichtig ist

FILMICUM KW 7/8

Thema der Woche: Warum du die Doku "Generation Wealth" unbedingt schauen solltest

Seit Ende Januar gibt es den Film "Generation Wealth" im Kino zu sehen. Eine Doku über Geld, Reichtum, den amerikanischen Traum und Glück, aber auch Unglück, Armut und jegliche Kehrseiten der Welt des Bling Bling. Wer danach nicht an so manchem Gesellschaftsbild Zweifel hat, der hat nicht bis zum Ende hingeschaut. Denn tatsächlich zeigt der Film nur allzu deutlich auf, wie sehr oberflächliche und mediale Werte das Leben von Menschen maßgeblich beeinflussen – und dass nicht im positiven Sinne. Warum es aber trotzdem so wichtig ist, genau hinzugucken und sich mit den Problemen zu befassen, die das Werk aufgreift, wollen wir jetzt erklären.

Es sind 110 Minuten gefilmtes Material, die uns die Amerikanerin Lauren Greenfield aufbereitet hat. Sie ist nicht nur die Regisseurin der Doku, sondern arbeitet auch als Fotografin. In der Vergangenheit porträtierte sie die Superreichen überall auf der Welt, knipste sie strahlend vor ihren Villen, inmitten ihrem Prunk und zwischen flatternden Scheinchen. Für ihre Fotoausstellung, die sie 2017 eröffnete, traf sie vorab noch einmal viele ihrer Fotomotive wieder. Sie fragte nach – was ist aus euch geworden? Wir lebt ihr jetzt, nach knapp 25 Jahren? Damit zeichnet sie ein umfangreiches Bild einer Gesellschaft, die vor allem den vermeintlichen amerikanischen Traum leben will, ohne an Konsequenzen oder Verluste zu denken. Doch ganz schnell stellt sich heraus: Je höher die Summen, desto tiefer der Fall.

Aber zunächst präsentieren sich Goldketten tragende Männer vor der längsten Limousine der Welt, die selbst noch einen Hubschrauberlandeplatz aufweisen kann. Und eine Frau, die sich immer wieder operieren lässt, um makellos perfekt in die makellos perfekte Welt der Schickeria zu passen. Sie lässt ein Paar strahlen, was sich einen Palast, ganz ähnlich dem Schloss von Versailles, inmitten von den USA gebaut hat. Und dann kommen noch jede Menge erfolgreiche Businessmenschen oder auch die Freunde und Freundinnen der Stars zu Wort.



"Generation Wealth" zeigt deutlich: Geld allein macht nicht glücklich.

Doch jede einzelne superreiche, berühmt berüchtigte Person, die Greenfield zeigt, hat nicht nur ein Strahlen für die Kamera übrig. Und da ist auch schon die wichtige Message der Doku: Geld allein macht sicher nicht glücklich. Kennt man eigentlich, oder? Aber hier wird beleuchtet, wie nah die beiden Extreme – Reichtum und komplette Einsamkeit – zusammenliegen. Wenn die eine Mutter glaubt, ihrem Kind in einer schwierigen Phase der Pubertät am besten zur Seite stehen zu können, indem sie sich Fett absaugen und so eine gesunde Einstellung zum eigenen Körper demonstrieren kann, macht das traurig. Diese Frau wirkt so weit entfernt von ihrer Tochter, wie nur irgend möglich. Wieso nicht mal miteinander reden? Warum nicht auch mal einfach Zeit miteinander verbringen? Dass hier anscheinend die falschen Prioritäten gesetzt wurden, macht der Weitergang der Geschichte klar, der hier aber lieber noch nicht gespoilert werden soll.

Auch der Fakt, dass Geld und Karriere keine Liebe, Zuneigung und Zweisamkeit ersetzen können, ist an sich natürlich klar. Dennoch scheinen die ProtagonistInnen der Doku allesamt fest daran zu glauben. Immer wieder lässt man den Nachwuchs der rich people vor die Kamera und sie erzählen das Gleiche: Mein Vater und/oder meine Mutter habe ich bisher nur ziemlich selten in meinem Leben gesehen. Aber ich würde sie schon gerne öfter sehen. Selbst die Fotografin und Filmerin dieses Werkes kann sich nicht aus dieser heiklen Situation herausnehmen. Doch so reflektiert sie das zeigt, so wenig ändert sie im Zeitraum des Filmes bei sich selbst.

Also Leute! Nehmt euch Zeit füreinander! Denn die kriegt man nun mal wirklich nicht zurück. Und die Vorstellung, dass erst ein bestimmter Geldbetrag oder eine gewisse Position im Job erreicht werden müssen, um glücklich zu sein, sind Quatsch. Darauf stößt einen die Doku sehr direkt und nachhaltig.

Hier kannst du nachschauen, wann und wo du "Generation Wealth" im Kino sehen kannst.

Neu im Kino: "Sweethearts" und "Der verlorene Sohn"

Sweethearts (Start: 14. Februar 2019) – Bei Mel (Hannah Herzsprung) läuft es gerade finanziell nicht so gut. Eigentlich möchte die alleinerziehende Mutter ihrer kleinen Tochter den Himmel auf Erden bereiten, aber die Wahrheit ist: Sie hat nicht mal annähernd das Geld dafür. Aus der Not heraus entscheidet sie, dass nur ein Diamantenraub aus der Misere helfen kann. Dabei geht jedoch so einiges schief und schließlich muss sie eine Geisel nehmen. Der Ärger nimmt damit kein Ende. Denn die ängstliche Franny (Karoline Herfurth) nervt mit Panikattacken und Deine-Mutter-Witzen. Und obendrauf flirtet sie auch noch mit einem Polizisten (Frederick Lau), den Mel kurzerhand auch noch zur Geisel macht. Und so befinden sich ein paar völlig ungleiche Gestalten auf der Flucht vor dem SEK, angeführt von der toughen Ingrid von Kaiten (Anneke Kim Sarnau).

Die etwas andere Komödie ist die zweite Regie-Arbeit von der ebenfalls als Hauptdarstellerin agierende Karoline Herfurth. Nach "SMS für dich" hat sie nun mal Blut geleckt und mittlerweile ihren Stil verfeinert. Der Film changiert mühelos zwischen Drama, etwas Thrill in Knallerfarben und einer besonders hohen Gagdichte. Gleichzeitig wirkt das kurzweilige Werk wie eine moderne Verbeugung vor der "Bonnie und Clyde"-Story, in der einmal mehr gezeigt wird, dass Freundschaft das wichtigste auf der Welt ist. Mächtig kitschig, aber immer noch aktuell, oder?

Hier geht's zum Trailer von "Sweethearts" auf YouTube!

Der verlorene Sohn (Start: 21. Februar 2019) – Als Jareds (Lucas Hedges) Eltern (Nicole Kidman, Russell Crowe) herausfinden, dass er schwul ist, verändert sich alles. Doch leider nicht zum Guten. Sein Vater will ihn unbedingt in einem von der Kirche unterstützten zwölftägigen Programm sehen, wo er von der Homosexualität geheilt werden soll. Wenn Jared sich nicht darauf einlässt, muss er das Haus für immer verlassen. Schließlich lässt sich Jared auf die Therapie ein – doch diese stellt sich als besonders herzlos und demütigend heraus.

Auf schnörkellose Weise werden hier die christlichen Erziehungsmethoden und insbesondere die Struktur der real existierenden Umerziehungscamps näher gezeigt. Doch wirklich Gewicht erhält das Drama durch das Beleuchten der einzelnen Menschen, auf die Hauptcharakter Jared in seinem Programm trifft. Ihren Sorgen, Ängsten und Sehnsüchten wird jede Menge Raum gegeben, sodass ein Einfühlen (trotz der fast schon nüchternen Bildsprache) leicht fällt. Eine der besten Performances von Lucas Hedges, der schon in der Vergangenheit mit "Manchester by the sea" eine Oscarnominierung einheimsen konnte.

Hier geht's zum Trailer von "Der verlorene Sohn" auf YouTube!


Streamingperle: "Hard Sun"

"Hard Sun" – Staffel 1 (Verfügbar bis 07. März 2019) – Nachdem die Londoner Polizisten Charlie (Jim Sturgess) und Elaine (Agyness Deyn) bei der Arbeit auf streng geheime Dokumente gestoßen sind, ändert sich mit einem Mal alles für die zwei. Denn nun werden sie vom Geheimdienst höchstpersönlich gejagt. Eine spannende Serie, bei der man unbedingt dranbleiben muss!

Hier kannst du "Hard Sun" auf Shelfd streamen!


Film-Trailer der Woche: "Berlin Bouncer"

"Berlin Bouncer" (Start: April 2019) – Die Clubkultur Berlins ist einzigartig, ihre Türsteher genauso. Mit Sven Marquardt, Frank Künster und Smiley Baldwin werden gleich drei der besonders herausragenden in dieser Doku in den Fokus genommen. Bereits der Trailer offenbart: Hier wird überall dorthin geschaut, wo man sonst nur selten oder gar nicht reinkommt. Und wer weiß, vielleicht erfährt man ja mit dem Schauen am Ende noch, wie man garantiert ins legendäre Berghain gelangen kann?!


Die nächste FILMICUM erscheint am 28.02.2019

Artikel-Bewertung:

3.34 von 5 Sternen bei 74 Bewertungen.

Deine Meinung: