The Circle Filmkritik
Mae (Emma Watson) und Annie (Karen Gillan) bei einem Firmenevent | Foto: Universum Film

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Hannah Essing

Filme

The Circle

Dystopie mit Emma Watson, ab 07. September im Kino

"Etwas zu wissen ist gut, alles zu wissen ist besser"

Mae Holland (Emma Watson) kommt frisch von der Uni und ist unglücklich mit ihrem Zeitarbeitsjob, der nicht mehr als tristen Büro-Alltag bietet. Da kommt ihr ein Vorstellungsgespräch, das ihre Freundin Annie (Karen Gillan) ihr verschafft hat gerade recht – bald schon arbeitet sie bei "The Circle", einem Portal, das alle Internetdienste miteinander vereint – also die besten Funktionen von Facebook, Google, PayPal in einem, um den Nutzer die einfachste Interneterfahrung bieten zu können.

Schnell ist Mae voll integriert im Circle-Alltag – denn der Campus bietet nicht nur Arbeit, sondern auch unzählige Freizeitangebote zum Socialising. Sogar ihre Eltern profitieren von ihrer Anstellung, so bekommen sie ihre eigene Krankenversicherung, die auch die Multiple Sklerose von Maes Vater abdeckt. Anfängliche Zweifel, die auch ein mysteriöser Mitarbeiter (John Boyega) teilt, verfliegen schnell, als Mae nach einem Vorfall zur Vorreiterin eines ganz besonderen Projekts des Circles wird: der völligen Transparenz, denn "etwas zu wissen ist gut, aber alles zu wissen ist besser". So wird Maes ganzes Leben von nun an überwacht, doch sie muss sich schnell fragen, wieviel Transparenz wirklich gut ist und was die Absichten von den großen Bossen Bailey (Tom Hanks) und Stenton (Patton Oswald) sind.



The Circle: "Geheimnisse sind Lügen"

Es ist verständlich, warum Mae schnell begeistert vom Circle ist. Die Vorträge von Boss Bailey erinnern sehr an TED-Talks, die Atmosphäre in den Büros gleicht Unternehmen wie Facebook oder Google und der Campus bietet alles, von Volleyball bis hin zu Dog-Yoga. Auch Tom Hanks ist sympathisch in seiner Rolle als Steve-Jobs-anmutender Kumpel-Typ. Er spielt somit zwar eine Rolle als Bösewicht, was in seiner Karriere bisher selten vorkam, bleibt dabei aber charmant und mitreißend.

Wenn es um Emma Watsons Schauspielkünste geht, scheiden sich die Geister, Fakt ist aber, dass die Rolle der Mae Holland der jungen Schauspielerin wenig Raum gibt um mehr zu tun, als besorgt zu schauen. Die naive Protagonistin merkt zwar, dass im Circle nicht alles mit rechten Dingen zu geht, und ist sich der moralischen und ethischen Frage von völliger Transparenz grundsätzlich bewusst. Sie scheint dies aber im Laufe des Films immer wieder zu vergessen.

Wo sie anfangs noch vorgibt, die Werte der Firma zu teilen, um nicht aufzufallen, nähert sie sich der Philosophie des Circles immer mehr an, sie prägt sogar einen der Leitgedanken: "Geheimnisse sind Lügen". Leider scheint der Film sich selbst nicht sicher zu sein, ob er eine mutige Heldin darstellen will, die ihren moralischen Absturz in ihrer Naivität nicht bemerkt, oder ob der Verfall beabsichtigt ist und zeigen soll, wie schnell eine einzelnde Person in der großen Firmen-Welt versinkt.

Den Nebenrollen wird weniger Platz eingeräumt, als sie verdienen. John Boyega – der schon bei Star Wars die Fans begeisterte – ist zwar als wichtiger Charakter eingesetzt, der Film vergisst ihn aber mittendrin und so kommt er insgesamt in drei Szenen wirklich vor, darf in anderen nur im Hintergrund sitzen oder stehen und die Situation kritisch beäugen. Ausdrucksstark wie er ist, macht er das gut – man würde sich trotzdem wünschen, mehr von ihm zu sehen zu bekommen. Auch Karen Gillan als beste Freundin Annie, die eine der einflussreichsten Positionen im Circle besetzt, ist überzeugend sowohl als Multi-Tasking-süchtiger Workaholic als auch am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Obwohl ihre Rolle wenig mehr bereit hält als "beste Freundin, die den Erfolg ihrer Freundin beneidet", macht sie letztendlich eine größere, positivere Entwicklung durch als Protagonistin Mae.

Optisch ist der Film im Stil der großen Unternehmen wie Facebook und Google gehalten, mit viel Licht und offenen, modern eingerichteten Räumen. Besonders cool ist, wie die Technik eingebunden wird: So erscheinen beispielsweise während Maes Video-Broadcasting dutzende Kommentare von Zuschauern auf dem Bildschirm, die sehr real anmuten – Trolls, begeisterte Fans, Kritiker. Eben alles, was man auch unter einem YouTube-Video findet.


Tom Hanks The Circle


Fazit zu "The Circle"

"The Circle" glänzt mit einer außerordentlichen Besetzung und einem aktuellen Thema. Gerade wenn der Film versucht, Satire an der momentan trendigen Unternehmenskultur oder der Faszination mit Social Media zu sein, ist er amüsant, hält aber insgesamt nicht, was er verspricht.

Ein Film, der die Moral-Keule schwingt, ist sicherlich langweilig. Gerade, wenn es um das Thema Privatsphäre geht, haben viele schon genug davon. Aber eine dystopische Thematik kann immer wieder ein Hit sein und Zuschauer zumindest zum Nachdenken anregen. Weil "The Circle" sich aber seiner eigenen Philosophien nicht bewusst wird, es nicht schafft, eine Message rüberzubringen und noch dazu viel zu abrupt endet, ist der Film zwar eine gute Unterhaltung, aber nicht die Sozialkritik, die er vielleicht sein wollte. Für Fans von Emma Watson oder der Romanvorlage von Dave Eggers ist der Film aber sicherlich sehenswert!


The Circle FilmplakatUNICUM Film-Tipp

The Circle

Science-Fiction/Drama, USA 2017

Regie: James Ponsoldt

Darsteller u.a.: Emma Watson, Tom Hanks, John Boyega, Karen Gillan, Bill Paxton, Ellar Coltrane

Verleih: Universum Film

Kinostart: 07. September 2017

Mehr Infos unter www.wearethecircle.de und www.facebook.com/TheCircle.DerFilm

Artikel-Bewertung:

3.65 von 5 Sternen bei 95 Bewertungen.

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