Kingdom Hearts III
Wer liebt sie nicht? Sora, Olaf, Donald und Goofy. | Foto: Disney Pixar/Square Enix
Autor

18. Feb 2019

Marvin Kesper

Games

Kingdom Hearts III

Die Rückkehr der Schlüsselschwertträger

Die komplexe Story von Kingdom Hearts wird fortgesetzt

Eines vorab: Wer noch gar keinen Teil der Kingdom-Hearts-Reihe gespielt und noch nie etwas von der Story mitbekommen hat, wird es schwer haben, den Anschluss im dritten Teil zu finden. Die Handlung des dritten Teils knüpft nämlich nahtlos an die des ersten und zweiten Teils, sowie allen Prequels und Sequels an. Immerhin ist Kingdom Hearts III schon der achte Teil der Reihe, wenn man die HD-Remakes nicht beachtet. Wer jedoch jetzt bei Kingdom Hearts III den Einstieg wagen oder sein Story-Wissen nach all den Jahren auffrischen möchte, für den haben sich die Entwickler etwas einfallen lassen: Im Hauptbildschirm des Spiels kann man sich über eine Memory-Funktion, den bisherigen Verlauf der Geschichte, schön aufbereitet noch einmal ansehen.

Kingdom Hearts III soll nun das große Finale der Reihe bilden und alle Handlungsstränge der Teile zusammenführen.  Also machen wir uns mit Sora, Goofy und Donald auf, die Herzlosen, Niemande und die Wiege des Bösen, die Organisation XIII zu besiegen.

Wähle zwischen Weisheit, Vitalität und Balance

Doch bevor wir uns in die Disney-Abenteuer stürzen, wachen wir mit unserem Protagonisten Sora im Ort des Erwachens auf. Dieser dürfte den eingefleischten Kingdom-Hearts-Fans noch aus dem ersten Teil bekannt sein. Hier können wir unseren Weg wählen, wie sich Sora entwickeln und leveln soll. Im ersten Schritt wählen wir zwischen Weisheit, Vitalität und Balance. Während Weisheit Sora mit mehr Magiepunkten starten lässt, bietet Vitalität zu Beginn mehr Lebenspunkte. Balance ist logischerweise der Kompromiss aus beidem. Im zweiten Schritt können wir zwischen Krieger, Magier oder Wächter wählen. Als Wächter lernt Sora zuerst sich zu verteidigen und Schaden einzustecken. Wählen wir Krieger, bringen wir Sora dazu zuerst das Kämpfen und coole Combo-Boost-Skills zu erlernen. Der Magier legt hingegen eher den Fokus auf das Erlernen von Zaubersprüchen und das Ausführen von Magie-Combos. Doch keine Angst: Die Auswahl bedeutet nicht, dass ihr einige Sachen und Fertigkeiten verpasst. Sora erlernt dadurch die ausgewählten Fähigkeiten nur schneller.

Kingdom Hearts III bringt dich zurück in deine Kindheit

Nach einem kurzen Tutorial, bei dem wir uns gegen eine kleine Gruppe von Herzlosen beweisen müssen, geht es dann auch schon direkt in die Welten. Das Leveldesign von Kingdom Hearts III ist, wie bei seinen Vorgängern, extrem liebevoll, detailreich und einfach nur schön. Kaum hat man die Konsole eingeschaltet fühlt man sich in seine Kindheit zurückversetzt und sich seinen Disney-Helden so nah wie sonst nie. Es macht einfach Spaß sich mit Gefährten wie Hercules, Woody und Buzz Lightyear oder sogar Captain Jack Sparrow durch die eher linear, aber teilweise auch open-world gestalteten Level zu kämpfen. Das Kampfsystem orientiert sich dabei an seinen Vorgängern und dürfte für die treuen Kingdom-Hearts-Fans keine lange Eingewöhnungszeit mit sich bringen. Über ein kleines Menü unten links im Bildschirm kann eine Attacke ausgewählt und sofort ausgeführt werden.

Gibt es genug Herausforderung?

Für Anfänger ist das Menü etwas gewöhnungsbedürftig, aber hat man erstmal die Shortcuts für Zaubersprüche und Items angelegt, geht das muntere Monsterkloppen immer leichter von der Hand. Leicht ist für Kingdom Hearts III ein gutes Stichwort, denn es fühlt sich deutlich leichter an, als noch seine Vorgänger. Während man bei Kingdom Hearts II, auf der höchsten Schwierigkeitsstufe, noch gefühlte 587 Mal an dem selben Boss oder den Scharen von Niemanden gescheitert ist, reicht es beim aktuellen Teil oft aus, den X-Button auf dem PS4 Controller zu smashen und einfach drauf los zu prügeln. Vielleicht hat Square Enix es hier etwas zu einsteigerfreundlich gestaltet und den Hardcore-Zockern eine Herausforderung verwehrt. Aber ist der schwierigste Schwierigkeitsgrad nicht gerade dazu da, eine Herausforderung zu suchen? Das Problem hat allerdings nicht nur Kingdom Hearts III, sondern es zieht sich durch die komplette Gaming-Branche der letzten Jahre. Immer mehr Singleplayer-Games für Casual-Spieler, die kaum fordern und wenig Frustpotenzial bieten. Aber, was wäre zocken, ohne ab und an mal den Controller an die Wand werfen zu wollen oder den Fernseher anzubrüllen?

Superattacken und viel Spielspaß

Und dennoch machen die Kämpfe in Kingdom Hearts III richtig Spaß. Neben den normalen Schwertschlägen, gibt es viele zu erlernende Zaubersprüche und dazu noch super coole Spezialattacken. Die Spezialattacken sind es, die viel Abwechslung in die Kämpfe bringen. So sollte man immer die Anzeige über dem Aktionsmenü im Auge behalten. Blinkt dort die Dreieck-Taste können entweder coole Moves mit einem der Partner ausgeführt werden oder das Schlüsselschwert verwandelt sich und lässt Sora eine Superattacke ausführen. So findet man sich plötzlich in einem großen Fluch der Karibik Piratenschiff, den drehenden Teetassen, wie man sie aus dem Disneyland kennt oder einem riesigen Zug wieder, mit denen man die Gegner mit Leichtigkeit beiseite schleudert. Diese Attacken machen richtig Spaß und bringen einen schönen, bunten Minispiel-Charakter mit sich, der den Spielspaß in die Höhe treibt.



Viel gucken anstatt spielen

Auch wenn Kingdom Hearts III in seinen spielerischen Zügen durchaus überzeugen kann, gibt es doch Punkte, die stören. Vor allem die vielen Zwischensequenzen, die es in dem Spiel gibt. Ja klar, legt die Kingdom-Hearts-Reihe schon immer den Fokus hauptsächlich auf das Erzählen der Story, aber in Kingdom Hearts III kommt es einem stellenweise so vor, als würde man einen Film gucken, anstatt ein Spiel zu spielen. Da haben wir grade die fünf bis zehnminütige Zwischensequenz überstanden und stürzen uns in einen Kampf, schon folgt die nächste Filmpassage. Was man normalerweise bei vielen Games nur zu Beginn hat, zieht sich durch den gesamten Spielverlauf und wird eher noch mehr anstatt weniger. Mal eben die Konsole anwerfen und ein bisschen daddeln ist eher schwierig, wenn man plötzlich in einer ewig langen Zwischensequenz feststeckt. "Dann überspring die Sequenzen doch einfach, wenn sie dich stören!" Natürlich könnte man das machen, aber bei einem Spiel wie Kingdom Hearts ist das doch eher kontraproduktiv, vor allem weil die Story so schon komplex genug ist und man es sich eigentlich nicht leisten kann etwas zu verpassen, wenn man die Geschichte richtig verstehen möchte. Auch die komplexe Geschichte und die vielen verworrenen Handlungsstränge aus den Vorgängern werden Kingdom Hearts III zum Schluss etwas zum Verhängnis.

Ein einsteigerfreundliches großes Finale?

Als großes Finale angekündigt, gelingt zwar ein guter Abschluss, jedoch wünscht man sich zum Schluss, dass sich mehr Zeit für die einzelnen Handlungen genommen wird. So hat man viele kleine Finale und wird am Ende doch etwas unbefriedigt zurückgelassen. Auch die vorausgesagte Einsteigerfreundlichkeit ist, was die Story angeht, wenig zu erkennen. Die Memory-Funktion ist zwar nett aufbereitet und man weiß danach grob worum es geht, um die Story aber richtig gut zu verstehen, kommt man nicht drum herum, die Vorgänger zu spielen.

Kingdom Hearts III: Fazit  

Das Warten auf einen Heimkonsolen-Nachfolger zu Kingdom Hearts II hat sich auf jeden Fall gelohnt. Der dritte Teil bietet wieder viele schön und liebevoll gestaltete Disney Welten und jede Menge Abwechslung in Sachen Kampftechniken und Combos. Die vielen unterschiedlichen Gefährten, die mit uns den Kampf gegen die Herzlosen und Niemande aufnehmen sind authentisch, witzig und vor allem eins: klug! Sie helfen uns oft aus der Patsche und geben uns mit ihren Partneraktionen zu sinnvollen Zeitpunkten die Möglichkeit, die Kämpfe für uns zu entscheiden. Wer richtig tief in der Geschichte von Kingdom Hearts drin ist, der wird auch im dritten Teil viel Spaß an der Story haben. Für Neueinsteiger ist es allerdings zu verwirrend mitzuhalten, da einfach sehr viel Vorwissen vorausgesetzt wird. Für Story-Fanatiker und Zwischensequenzen-Liebhaber ist Kingdom Hearts III wie ein Paradies. Diejenigen, die einfach nur zocken möchten und nichts auf eine komplexe Geschichtenerzählung geben, ist das Game hingegen eher nichts.

Aber trotzdem, das Kingdom-Hearts-Feeling ist zurück und es fühlt sich immer noch genauso gut an wie früher.

Artikel-Bewertung:

3.33 von 5 Sternen bei 27 Bewertungen.

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