Was sind deine Ausgaben im Studium?
Wie hoch sind die regelmäßigen Ausgaben in deinem Studentenalltag? │Foto: Fotolia, © methaphum
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19. Jun 2018

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Geld & Finanzen

Genug Einkommen zum Auskommen?

Soviel kostet das Studium

Wieviel Einkommen haben Studierende zur Verfügung

So verschieden die Hochschulstandorte, die Studiengänge oder auch die individuellen Lebensumstände sind, so unterscheidet sich auch die finanzielle Situation jedes einzelnen Studierenden. Um hier zumindest einen Anhaltspunkt zu haben, mit welchen Kosten du durchschnittlich rechnen musst, führt das Deutsche Studentenwerk regelmäßig eine Sozialerhebung durch. Dabei wird neben verschiedenen demographischen Angaben auch die wirtschaftliche Situation abgefragt.  

Ein Blick auf die Durchschnittswerte

Die aktuelle Studie ist die 21. Sozialerhebung mit Daten aus dem Jahr 2016. Studierende in Deutschland sind demnach knapp 25 Jahre alt und leben im Monat von durchschnittlich 918 Euro. Die größten Schwankungen zeigen sich hier zwischen jenen, die noch zuhause wohnen und älteren Studierenden (ab 40 Jahren) oder jenen, die bereits Eltern sind:

Wer keine Mietausgaben hat und in Hotel Mama wohnt, hat im Monat rund 474 Euro zur Verfügung. Die älteren Semester (Ü40) leben von knapp 1.480 Euro im Monat und Studierende mit Kind geben im Schnitt zwischen 1.255 und 1.523 Euro aus, wenn sie den Nachwuchs gemeinsam mit einem Partner aufziehen. Bei Alleinerziehenden steigt der monatliche Betrag auf 1.600 bis 1.750 Euro – dafür sind vor allem die Betreuungskosten verantwortlich.

Unterschiede gibt es zudem auch zwischen den Bundesländern im Osten und Westen der Republik. Im Osten liegt der Monatsdurchschnitt bei 839 Euro, im Westen bei 930 Euro.

Woher stammt das verfügbare Geld?

Die Studie zeigt, dass die meisten Studierenden – 86 Prozent finanziell von ihren Eltern unterstützt werden. Durchschnittlich stehen dann 821 Euro zur Verfügung. Knapp zwei Drittel (61 Prozent) bessern sich ihre Finanzen mit einem Nebenjob auf.  980 Euro werden hier im Schnitt erwirtschaftet. BAföG erhält derzeit nur ein relativ geringer Teil von 18 Prozent. Diese Studierenden leben durchschnittlich von 786 Euro im Monat.  

Noch weniger verbreitet sind Einnahmen aus Stipendien oder einem Kredit. Manche nutzen Erspartes, bekommen Waisenrente oder werden von ihren Partnern oder anderen Verwandten unterstützt. Bei einem dualen Studium kann der Lebensunterhalt teilweise oder ganz aus dem Gehalt (etwa zwischen 400 und 1.000 Euro) bestritten werden.   

Die Finanzierung durch einen Nebenjob erfordert ein gutes Zeitmanagement.In anderen Ländern, vor allem dort, wo es hohe Studiengebühren gibt, sind Stipendien viel verbreiteter. Dennoch ist es überraschend, dass sich hierzulande relativ wenige um eine solche Unterstützung bewerben. Dabei gibt es sehr vielfältige Stipendien. Der große Vorteil: Das Geld muss nicht zurückgezahlt werden. Allerdings hast du grundsätzlich auch kein Recht auf eine solche Fördermöglichkeit.

Anders sieht es beim BAföG aus. Wie bei allen Leistungen vom Staat gibt es klare Regelungen, wann genau ein Anspruch besteht. Studierende mit Kindern können zudem Kindergeld, Elterngeld und verschiedene weitere finanzielle Unterstützung beantragen.

Während Geld von den Eltern, BAföG oder selbsterwirtschaftete Einnahmen hauptsächlich für den allgemeinen Lebensunterhalt ausgegeben werden, dienen spezielle Studienkredite meist für die Finanzierung von Studiengebühren oder anderen Semesterbeiträgen.

Ausgaben für Unterkunft und Wohnung - der größte Posten

Die mit Abstand größte Summe des verfügbaren Geldes verschlingt regelmäßig die Miete – egal ob für ein WG-Zimmer, das eigene kleine Appartement oder auch „nur“ ein Zimmer in einem Wohnheim. Insgesamt werden im Schnitt 326 Euro dafür ausgegeben.

Hotel Mama, Wohnheim, WG, oder eigenes Appartement?

Wenn du noch zuhause wohnst, kannst du dir diesen großen Posten nicht unbedingt sparen. Als Beteiligung an den Nebenkosten oder Verpflegung zahlen Studierende im Schnitt 190 Euro im Monat als „Miete“ für Hotel Mama.

Bleibt die Frage, wie groß die Unterschiede der Ausgaben bei den unterschiedlichen Wohnformen sind:

  • Im Wohnheim lebt es sich am günstigsten mit rund 277 Euro.
  • Ein WG-Zimmer schlägt im Schnitt mit 312 Euro zu Buche.   
  • Für eine eigene Wohnung werden durchschnittlich 405 Euro Miete gezahlt.
  • Wird die Wohnung mit dem Partner geteilt, verringern sich die Mietausgaben auf rund 331 Euro.

Die Erhebung zeigt deutlich, dass die im BAföG enthaltene Mietpauschale von 250 Euro zu niedrig angesetzt ist. Selbst die günstigen Zimmer in einem Wohnheim kosten im Durchschnitt mehr. Ab Herbst 2019 soll die Pauschale im Rahmen der BAföG-Reform deshalb auf 325 Euro angehoben werden.

Studieren in München oder in Schwerin?

Wenn du die aktuellen Entwicklungen auf dem Wohnungsmarkt verfolgst, ist dir sicherlich klar, dass es hier ebenfalls riesige Unterschiede je nach Standort gibt. Wer ohnehin weiß, dass er mit wenig Geld auskommen muss, sollte bei der Wahl der Uni einen Blick auf die regionalen Mietpreise werfen.

München zählt hier zu den teuersten (Studenten-)Städten. Über 600 Euro musst du dort bereits für ein WG-Zimmer einrechnen. Auch Berlin ist mit rund 420 Euro inzwischen ganz schön kostspielig geworden. Alteingesessene Unistädte wie Heidelberg oder Tübingen schlagen bei den Mietkosten noch mit etwa 380 Euro für ein WG-Zimmer zu Buche. Mit weniger als 220 Euro kommst du in ostdeutschen Städten wie Chemnitz oder Frankfurt/Oder vergleichsweise günstig weg.

Dabei sind je nach Studiengang auch dort ausgezeichnete Hochschulen zu finden. Ein Blick auf das aktuelle Ranking kann dir mehr Aufschluss dazu geben.

Ausgaben für Lebensmitel und Ernährung

Der zweitgrößte Posten bei deinen monatlichen Ausgaben fällt auf die Verpflegung. Durchschnittlich musst du hier mit 168 Euro rechnen. Je nachdem, wo du isst und auf was du bei deiner Ernährung Wert legst, fallen mehr oder weniger hohe Kosten an.   

Lecker Mensaessen oder Kochen in der WG?

Eine der günstigsten Varianten: die Mensa.Besonders günstig isst du vor allem in der hochschuleigenen Mensa. Fast drei Viertel (73 Prozent) der Studierenden nutzen dieses Angebot regelmäßig. Je nach Art und Umfang eines Gerichts kostet dich eine Mahlzeit zwischen 0,75 und 5,90 Euro. Einfache Hauptgerichte sind am günstigsten, bei den teureren Gerichten ist meist ein Salat oder ein Nachtisch dabei. zudem gibt es auch hier starke Unterschiede bei den einzelnen Hochschulen.

Hochwertige Bio-Qualität kannst du bei den günstigen Gerichten allerdings nicht erwarten. In den Mensen werden im Schnitt maximal 15 bis 20 Prozent Biolebensmittel verarbeitet.

Auch für sich selbst zu kochen, kann preiswert sein. In einer WG wird zudem oft zusammen gekocht und dann auch der Einkauf beziehungsweise bestimmte allgemeine Verbrauchswaren wie Gewürze, Essig und Öl oder auch Süßigkeiten aus einer Gemeinschaftskasse bezahlt.

Hier gibt es allerdings keine belastbaren Zahlen. Je nach deinen persönlichen Vorlieben können die Ausgaben dabei ebenfalls stark schwanken. 

Zusätzliche Ausgaben

Der Coffee‑to‑Go auf dem morgendlichen Weg zum Campus, kleine Snacks zwischendurch, ein Bierchen am Abend – diesen zusätzlichen „Luxus“ solltest du bei deiner monatlichen Rechnung nicht vergessen. Auch, wenn es zunächst kaum ins Gewicht fällt - tatsächlich summieren sich diese Extraausgaben oft zu einem erstaunlich hohen Betrag. 

Der ein oder andere Kneipenbesuch oder ein gelegentlicher Ausflug ins (Schnell‑) Restaurant kann hier schnell für weitere Ausgaben von 100 Euro und mehr sorgen.

Ausgaben für das Studium

Einen wichtigen Platz auf der Ausgabenliste nehmen die Kosten für das Studium selbst ein. Neben den regelmäßigen Semesterbeiträgen zählen dazu unter anderem Kosten für Bücher und weitere Lehrmittel.

Semestergebühren unter der Lupe

Die Semesterbeiträge schwanken je nach Hochschule etwa zwischen 120 und 315 Euro pro Halbjahr. Damit werden verschiedene Ausgaben gedeckt, die für die unterschiedliche Höhe verantwortlich sind:

  • Semestergebühren (Verwaltungskosten der Hochschule)
  • Beiträge zu Studentenschaft und Studentenwerk
  • Kosten für das Semesterticket

Gerade der letzte Punkt sorgt für die großen Abweichungen. Die Kosten dafür kommen von den regionalen Verkehrsverbänden, die mit dem Ticket dann genutzt werden können. Zudem gibt es bei der Reichweite der Semestertickets große Unterschiede:

So beträgt der Anteil für das Ticket an den Semestergebühren an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf oder der Bergischen Universität Wuppertal beispielsweise rund 189 Euro. Mit dem Ticket kann im gesamten ÖPNV-Bereich des Nahverkehrs in Nordrhein-Westfahlen (2. Klasse) sowie im jeweiligen Regionalverband gefahren werden. An der RWTH Aachen sind dafür vergleichsweise nur rund 170 Euro fällig.

Günstiger ist der Ticketbeitrag an der Universität Augsburg (rund 60 Euro) oder an der Christian-Albrechts-Universität Kiel (ca. 58 Euro). Allerdings ist der Geltungsbereich hier auf die Nutzung des Netzes der regionalen Verkehrsverbünde beschränkt. Insgesamt ist das Preis-Leistungsverhältnis also sehr unterschiedlich.

Studiengebühren in Deutschland?

Einen Unterschied macht auch, ob du dich für eine Staatliche Uni oder private Hochschule entscheidest. Das Erststudium an einer staatlichen Uni ist seit einiger Zeit von wenigen Ausnahmen abgesehen gebührenfrei. Studiengebühren fallen nur noch unter bestimmten Umständen und in einzelnen Bundesländern an:

  • Du zählst als Langzeitstudierender (meist ab dem 4. Semester über der Regelstudienzeit.
  • Du hast dich für einen speziellen berufsbegleitenden Bachelor oder konsekutiven Masterstudiengang entschieden.
  • Du bist ein ausländischer Studierender aus dem EU-Ausland.
  • Du studierst im Rahmen eines Zweit- oder Seniorenstudiums.

Bei einem Langzeitstudium musst du pro Semester mit zusätzlichen 400 bis 500 Euro an Gebühren rechnen. Die anderen Ausnahmefälle können sogar bis zu 3.000 Euro im Halbjahr kosten. Vor allem Bayern und Baden-Württemberg ruft hohe Gebühren bei den berufsbegleitenden Studiengängen auf.

Fernunis zählen zudem als private Einrichtungen. Auch hier werden in der Regel Studiengebühren erhoben. Je nach Bildungseinrichtung und Studiengang musst du für das gesamte Studium mit Kosten zwischen 1.000 und fast 20.000 Euro rechnen.

Lernmittel, Exkursionen und Co.

In einigen Studiengängen fallen Kosten für zusätzliche Lehrmittel an.Schließlich macht es sich auch bei deinen Finanzen bemerkbar, was du studierst. Zum einen ist natürlich die Studienlänge ausschlaggebend. Darüber hinaus schlagen zusätzliche Lehrmittel und andere Ausgaben zu Buche:

  • An Fakultäten für Architektur, Design oder auch in manchen Ingenieursstudiengängen ist es üblich, dass die Studierenden im Rahmen von Projektarbeiten Modelle erstellen. Oft muss das notwendige Material dafür selbst finanziert werden.
  • In einigen Studiengängen gehören Exkursionen mit zum Programm. Nicht immer sind sie nicht verpflichtend, doch du kannst dabei natürlich einiges lernen und zusätzliche Erfahrungen sammeln. Zudem sind sie trotz der privat zu finanzierenden Ausgaben vergleichsweise günstig. Unter Umständen kannst du einen Zuschuss bekommen oder bei der AStA um eine Finanzspritze bitten. 
  • In Fächern im Bereich Medizin oder verschiedenen Naturwissenschaften musst du mit höheren Ausgaben für Fachliteratur rechnen. Auch hier kannst du gegebenenfalls eine spezielle Förderung beantragen.

Ausgaben für Versicherungen und Gesundheit

Als Erwachsener musst du dir um die Themen Gesundheit oder notwendige Versicherungen nun selbst Gedanken machen. Unter Umständen kommen hier weitere Ausgaben auf dich zu.

Familienversichert oder eigene Police?

In vielen Fällen ist es allerdings möglich, im Rahmen einer Familienversicherung noch bei deinen Eltern mit abgesichert zu sein. Dies betrifft sowohl die Krankenversicherung, als auch beispielsweise eine Haftpflichtversicherung, die du unbedingt haben solltest. Doch wann ist was möglich oder wirklich notwendig?

Als einzige gesetzliche Pflichtversicherung für Studierende gilt die Kranken- und Pflegeversicherung. Während eines Praktikums oder Gastsemesters im Ausland kann darüber hinaus eine Auslandskrankenversicherung für diesen Zeitraum sinnvoll sein.

Eine private Haftpflichtversicherung springt ein, wenn du unbeabsichtigt oder fahrlässig einen Schaden verursachst. Je nach Police der Eltern bist du dort als Studierender noch mitversichert. Hier gilt es, das Kleingedruckte genau zu studieren. Musst du dich selbst versichern, gibt es aber auch schon Tarife unter 20 Euro pro Jahr.

Weitere Versicherungen wie etwa für deinen Hausrat, eine Berufsunfähigkeitsversicherung oder Unfallversicherung sind keine Pflicht. Ob sie für dich Sinn machen, musst du selbst entscheiden. Gegebenenfalls kann es sich hier langfristig auszahlen, in jungen Jahren eine Police abzuschließen.

Kosten für die Gesundheit

Je nach Alter oder Lebenssituation musst du im Studium Kosten für deine Kranken- und Pflegeversicherung einrechnen. Hinzu kommen Ausgaben, die du gegebenenfalls (regelmäßig) für Medikamente oder für Arztkosten hast.

Kranken- und Pflegeversicherung:

  • Bis zu deinem 23. Lebensjahr kannst du grundsätzlich kostenlos bei deinen Eltern mitversichert bleiben, solange du nicht arbeitest. Möglich ist allerdings eine Tätigkeit im Rahmen eines Minijobs, oder wenn du in den Semesterferien arbeitest (max. zwei Monate am Stück).
  • BAföG oder ein Stipendium wird nicht als eigenes Einkommen angerechnet.
  • Die Familienversicherung kannst du bis zu deinem 25. Lebensjahr verlängern, wenn du in diesem Zeitraum studierst.
  • Ab 25 musst du dich selbst versichern. Je nach Krankenkasse zahlst du dann pro Monat pauschal etwa zwischen 88 Euro und 97 Euro.
  • Erst ab 30 Jahren oder ab dem 14. Semester wird es für Studierende teurer, auch, wenn sich die Einkommenssituation nicht von heute auf morgen plötzlich ändert. Dann kannst du dich freiwillig bei einer gesetzlichen Krankenkasse versichern. Hier musst du mit mindestens 177 Euro zuzüglich des jeweiligen Zusatzbeitrags und dem Beitrag zur Pflegeversicherung rechnen.

Ausgaben für Mobilität

Günstig mit dem ÖPNV mit dem Semesterticket.

Mobilität ist für Studierende ein wichtiges Thema. Egal ob du noch zuhause wohnst und von dort aus an den Campus pendeln musst oder du eine eigene Bude hast und regelmäßig für den Familienbesuch zu den Eltern oder alten Freunden möchtest.

ÖPNV oder eigenes Auto?

Das Gute als Studierender: Mit dem Semesterticket, das es an fast allen Hochschulen zusammen mit dem Semesterbeitrag gibt, kannst du mindestens im regionalen Verkehrsverbund nach Lust und Laune die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Oft ist hier auch noch die Nutzung der Bahn im jeweiligen Bundesland mit inbegriffen. Das Semesterticket ist somit ein extrem günstiges Angebot und verschafft dir oft schon eine ausreichende Mobilität für deinen Studentenalltag.

Darüber hinaus bist du in vielen Städten auch mit dem Fahrrad gut unterwegs. Als günstigste Alternative bietet es je nach Infrastruktur noch mehr (zeitliche) Flexibilität. Einige Hochschulstädte zeichnen sich zudem durch besonders kurze Wege aus. Dort kannst du viele Strecken vor Ort auch einfach zu Fuß bewältigen.  

Fazit

Verschiedene Punkte wie Ausgaben für Kleidung, Kommunikation, Freizeit oder Reisen haben wir noch gar nicht berücksichtigt. Allerdings gibt es hier noch größere Schwankungen, je nach individuellen Umständen.

Unsere Auflistung macht deutlich, wie unterschiedlich die regelmäßigen Ausgaben sein können. In den letzten Jahren sind vor allem die Kosten für Unterkunft, Gesundheit und Mobilität überproportional gestiegen. Nicht zuletzt deshalb sind bei der BAföG-Reform verschiedene Anpassungen geplant um auf diese Entwicklungen zu reagieren.

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