Anna Holmström Flying Steps
Anna mischt die "Flying Steps"-Bboys auf | Foto: Incite Images/Red Bull Content Pool
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10. Mär 2017

Ann-Christin Kieter

Promis & Interviews

Allein unter Breakdancern: Tänzerin Anna Holmström im Interview

Männer und ihre Machtkämpfe

UNICUM: Anna, wie fühlt es sich an, bei den "Flying Steps" nur unter Männern zu sein?
Anna: Da ich zwei ältere Brüder habe, bin ich es gewohnt, von Jungs umgeben zu sein. Jetzt sind es einfach noch ein paar mehr (lacht). Aufs Tanzen bezogen ist es schon so, dass ich weniger Kraft habe, gerade bei den explosiven Bewegungen. Da muss ich sorgsam mit meiner Energie umgehen. Was ein bisschen schwierig ist bei sechs Männern, die sich ständig wie verrückt mit ihren Power Moves battlen. Aber das ist auch eine schöne Herausforderung.

Passt du denn dein Verhalten den Männern an oder bist du schon eher das Mädchen in der Truppe?
Ich war generell noch nie so ein "girly Girl", habe schon als Kind lieber Handball oder Fußball gespielt. Aber ich merke, dass ich so langsam immer selbstbewusster werde und öfter meine Meinung sage, wenn mir etwas nicht passt. Als ich anfangs zum Team nach Berlin kam, habe ich eher die schwedische, höfliche Mentalität bewahrt und ständig gesagt: "Das ist eine gute Lösung, aber vielleicht ..."



Anna war nie eine "typische Ballerina"

Aber du kommst doch vom Ballett. Ist das nicht ein typisches Mädels-Ding?
Stimmt, mit 14 Jahren bin ich nach Stockholm gegangen, um dort an der Royal Swedish Ballet School und an der Diambra zu studieren. Obwohl ich die Bewegungen des klassischen Tanzes sehr mag, habe ich ziemlich schnell gemerkt, dass ich keine typische Ballerina bin. Ich habe viel Contemporary Dance (zeitgenössischer Tanz, Anm. d. Red.) gemacht, bin während meiner Ausbildung mit Hip-Hop und House in Berührung gekommen und habe viele Urban-Sachen ausprobiert, auch BBoying (Bezeichnung für Breakdance aus den 1970ern und 80ern, der Ursprungszeit, Anm. d. Red.). Die Akrobatik-Elemente haben mich gereizt.

Sind das nicht völlig verschiedene Welten?
Auf den ersten Blick schon. Aber bei unserer Show "Flying Bach" spürt man, wie gut die klassische Musik zu den modernen Bewegungen passt. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass das, was Johann Sebastian Bach damals gemacht hat, auch recht neu und modern für seine Zeit war. Hätte es zu der Zeit Bboying schon gegeben, wäre es vielleicht ganz normal gewesen, das dazu zu tanzen und nicht Ballett.

"Kondition ist wichtig, aber ich hasse Joggen"

Wie viele Stunden am Tag trainierst du?
So zwischen zweieinhalb und sechs Stunden pro Tag. Es kommt immer ein bisschen darauf, wie es läuft und was gerade ansteht. Aber ich kenne das noch aus meiner Leistungssport-Zeit (Anna war in der schwedischen Nationalmannschaft für rhythmische Sportgymnastik, Anm. d. Red.). Mit zwölf habe ich neben der Schule zwischen 18 und 25 Stunden in der Woche trainiert und am Wochenende nochmal sechs am Tag.   

Welche Übungen magst du, welche nicht so?
Ich hasse Joggen. Ich gehe dann lieber schwimmen. Ich hatte aber auch eine Zeitlang Knieprobleme, vielleicht kommt das daher. Generell ist es schon wichtig, Kondition aufzubauen. Wobei eine Stunde Breakdance natürlich viel anstrengender ist als eine Stunde Ausdauer-Sport. Man trainiert seinen ganzen Körper, steht mal auf den Händen, mal auf den Füßen und dann wieder auf den Händen. Noch bin ich darin nicht so gut, aber ich lerne immer mehr. Ballett war immer auf eine andere Art und Weise hart. Da musstest du deine Energie ständig auf einem konstanten Level halten.

Mit welchen Beschwerden haben Breakdancer sonst zu kämpfen?
Die Jungs haben Probleme mit ihren Hüften und Rücken, wegen der Power moves, bei denen sie sich so viel drehen und dabei die Muskeln ständig anspannen. Und natürlich auch die Hände, weil du dich viel darauf abstützt.



"Wenn du gerne tanzen möchtest, dann tanz! Egal wie."

Am 13. März startet die Doku "Follow the Steps – Breakin‘ the World" über euch auf Red Bull TV. Wie aufgeregt bist du, dass man jetzt Einblicke in dein Privatleben bekommt?
Wow. Es ist ein bisschen gruselig, um ehrlich zu sein. Das Tanzen und mein Privatleben sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich mag es, vor anderen Leuten aufzutreten, das ist mein Job. Aber ich nutze Social Media zum Beispiel nicht, um zu zeigen, wen ich gerade treffe oder solche Sachen. Auf der anderen Seite ist es aber eine tolle Sache, dass meine Freunde und meine Familie nun mehr Einblicke in mein Leben bekommen. Ich bin ja nicht mehr so oft in Schweden. Ich habe bloß Angst, etwas Dummes zu sagen (lacht). Wenn die Kamera auf dich gerichtet ist, sagst du oft Dinge, die sich in dem Moment gut anhören. Erst hinterher realisiert man dann, dass die Aussage nun für immer da ist. 

Musst du auf Partys eigentlich ständig irgendwelche Moves zeigen?
Nein, eigentlich nicht. Aber die meisten meiner Freunde sind eben auch Tänzer. In unserer knappen Freizeit wollen wir dann nicht auch noch tanzen. Mit meiner Familie tanze ich höchstens ab und zu mal ein bisschen Salsa in der Küche.

Gibt es denn einen Move, den man relativ leicht erlernen kann, um vor seinen Freunden anzugeben? 
Es ist schwierig, einzelne Schritte zu lernen. Man sollte auch gar nicht so viel übers Tanzen nachdenken. Wenn man sich mal kleine Kinder anschaut, selbst wenn die noch nicht laufen können, fangen sie an zu bouncen, sobald sie Musik hören. Leider verlieren wir das, wenn wir älter werden, weil wir das Gefühl bekommen, beurteilt zu werden. Ich würde sagen: "Wenn du gerne tanzen möchtest, dann tanz. Egal wie." Keiner darf sich ein Urteil darüber erlauben, ob es schrecklich aussieht oder nicht. Es kommt auf das Gefühl an. Gestern habe ich zum Beispiel getanzt, als ich auf den Aufzug gewartet habe. Ich habe so laut Musik gehört, dass ich nicht bemerkt habe, dass plötzlich ein Typ neben mir stand. Im ersten Moment war mir das unangenehm, aber dann habe ich einfach weiter gemacht.

Erkennt man in der Disco den Profi in dir?
Das kommt darauf an, wie ich tanze. Wenn ich mit anderen Tänzern abgehe, dann sieht man mir wahrscheinlich schon an, dass ich mich bewegen kann. Aber es kommt auch auf die Party und die Musik an.


Zur Person Anna Holmström

Anna Holmström
  • Die Profi-Tänzerin (26) unterstützt die Breakdancer von "Flying Steps" bei ihrer Show "Red Bull Flying Bach".
  • Mit 14 zog die Schwedin von zuhause aus, um in Stockholm an der Royal Swedish Ballet School und an der Diambra zu studieren.
  • Von 2003 bis 2007 war sie zudem Mitglied der schwedischen Nationalmannschaft für rhythmische Sportgymnastik.
  • 2015 stand Anna im Finale der ProSieben-Show "Got to dance", das dann aber das "Duo Piti" gewonnen hat.
  • Ihr Traumjob ist Choreografin. Sie startet gerade parallel ihr eigenes Unternehmen im Bereich Contemporary Dance.

Follow the Steps – Breakin‘ the WorldUNICUM TV-Tipp

Die Doku "Follow the Steps – Breakin‘ the World" startet am 13. März 2017 auf Red Bull TV. Sie begleitet Anna Holmström und ihren Kollegen von den "Flying Steps" auf ihrer Tour um die ganze Welt.

Mit dabei ist u. a. auch Weltmeister Vartan Bassil. Alle sechs Episoden werden zweitgleich veröffentlicht.

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