Literatur für das Studium
Nein, du musst wirklich nicht ALLES lesen! | Foto: Thinkstock/MikeLaptev
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04. Jul 2014

UNICUM Onlineredaktion

Schreibwerkstatt

Teil 3: Die Literatur für die Uni-Arbeit

Uni-Material: Lesen geht über Fotokopieren

Es sind immer die gleichen Fragen, die vielen in Sachen Literatursuche zu schaffen machen: Welches Material brauche ich wirklich? Wie kann ich es einordnen? Und wie baue ich es in meine Arbeit ein? Denn letztlich ist es wichtig, dass die Arbeit eine eigene Stimme erhält –also nicht nur Reproduktion, sondern Kreation ist gefragt. Schließlich geht es nicht darum, dem Prof zu zeigen, wie viel ich gelesen habe, sondern wie ich mit meinem Thema umgehe. Was zählt, ist Eigenleistung. Das bedeutet Qualität, nicht Quantität.

Zunächst einmal sollte man frühzeitig in die Kunst der Recherche eintauchen. Die meisten Fachbereiche und auch die Hochschul-Bibliotheken bieten (fachspezifische) Veranstaltungen dazu an. Dort erklären Mitarbeiter den Umgang mit Literaturdatenbanken und traditionellen Hilfsmitteln wie Katalogen, Registern und Bibliographien. Obwohl es sich banal anhört: Lesen geht über Fotokopieren. Etliche, die vor einer großen Schreibaufgabe stehen, verbringen mehr Zeit am Kopierer als am Schreibtisch – mit dem Ergebnis, dass die Schreibangst mit jedem Blatt Papier, das die Maschine ausspuckt, noch größer wird.

Um nicht sofort von unzähligen Büchern erschlagen zu werden, sollte man zunächst ein aktuelles Standardwerk oder einige Fachaufsätze heranziehen. Wer mit einigen zentralen Quellen startet, verliert weder den Überblick, noch die Lust weiterzumachen. Und: Über die Literaturverzeichnisse finden sich oft viele weitere nützliche Literaturtipps.

Auf das richtige Lesen kommt es an!

Gerade bei dickeren Wälzern zeigt sich, wie hilfreich es ist, sich zuvor ausgiebig mit der Forschungsfrage beschäftigt zu haben. Denn kennt man sein Thema, ist selektives Lesen angesagt. Sprich, man überfliegt zunächst das Inhaltsverzeichnis, blättert kurz durch, liest Einleitung und Zusammenfassung und merkt schnell, welche Kapitel die Arbeit am eigenen Thema weiterbringen. Gut ist es auch, sich vorher Fragen zu stellen, die beim Lesen beantwortet werden sollen.

Apropos Lesen: Gemeint ist hier aktives Lesen. Wer ein Fachbuch so liest wie einen Roman, also "in einem Rutsch", der hat nach einem Monat mindestens die Hälfte schon wieder vergessen. Auch Markieren mit Textmarkern und kleine Randbemerkungen reichen vor allem bei längeren Arbeiten nicht aus. Gemeint ist exzerpieren, also auswertend lesen. Das kann so aussehen: Kernpassagen werden mit eigenen Worten zusammen gefasst. Bestenfalls in ganzen Sätzen, denn das erleichtert die Weiterarbeit und schult schon jetzt die eigene Schreib-Stimme. Darüber hinaus sollten die eigenen Gedanken schon beim Lesen freien Raum haben, das heißt schreibend denken. "Writing to learn" ist eine Denk-Strategie, die oftmals noch zu wenig Beachtung findet.

Ein Tipp ist die so genannte Zwei- oder Dreispaltenmethode, bei der beispielsweise verschiedene Autoren und die eigene Meinung gegenüber gestellt werden. Ratsam: Immer genau mit Seitenangaben festhalten, welches Exzerpt zu welcher Quelle gehört. Das erspart unnützes Nochmal-Lesen! Denn will man später etwas (wörtlich oder sinngemäß) zitieren, sind die genauen Fundstellen unerlässlich. Die Literaturverwaltung muss zu einem selber passen. Ob sie nun auf herkömmlichen Karteikarten oder elektronisch auf dem Computer passiert, ist nach wie vor Geschmackssache. Hauptsache, sie funktioniert!


Hilfreiches Extra: Das Exposé

Wenn das Thema festgezurrt ist und man auch schon ein wenig quer gelesen hat, sollte man sich die Zeit nehmen, ein Exposé zu erstellen – als Abschluss der Planungsphase. Und zwar auch dann, wenn der Prof es nicht ausdrücklich fordert! Das bedeutet zwar zunächst ein Plus an Arbeit, spart aber später viel Zeit.

Das Exposé gibt einen Überblick über das Schreibprojekt und ist eine gute Vorbereitung für spätere Gespräche mit dem Betreuer der Arbeit. Kurzum: Der oder die Schreibende erhält eine Orientierung über das, was ansteht:  Forschungsfrage, Unterfragen und Ziele der Arbeit werden dargelegt. Auch Methoden und erste Literaturfunde (in Form einer Liste) gehören hinein. In einem späteren Schritt kann dann die vorläufige Gliederung ergänzt werden. Eines gehört in jedem Fall auch dazu: Ein realistischer Zeitplan, der im Exposé fixiert wird.

 

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