Schwul an der Uni
Die Regenbogenfahne ist seit den 1970ern ein schwul-lesbisches Symbol | Foto: Thinkstock/TBE
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02. Jun 2016

Janna Degener

Liebe & Sex

Schwul sein an der Uni: Die "AG SchLaU"

Ein Besuch an der TU Dresden

Thema Nr. 1: Das Coming-out

Max (20) kommt aus einer thüringischen Kleinstadt und kannte – außer ein paar Online-Kontakten – keinen einzigen anderen schwulen Menschen. Bis er an der TU Dresden sein Studium in Verfahrenstechnik begann und auf die SchLaU-AG stieß. Vor dem ersten Treffen war er nervös, weil er nicht wusste, wie die Leute dort so drauf sein würden. Inzwischen hat er aber viele Freunde gefunden.

"In den Gesprächen geht es oft um das Coming-out, weil viele sich überhaupt erst zu Studienzeiten outen: Wie sage ich das am besten? Ich persönlich finde es zum Beispiel wichtig, dass man den Eltern auch Zeit gibt, sich mit dem Thema zu arrangieren", erzählt er.

Lehramtsstudent Sebastian (26) legt ebenfalls Wert auf die Gespräche mit anderen Schwulen: "Gerade am Anfang will man sich über die ersten Erfahrungen mit Männern austauschen, über die neuesten Entdeckungen und auch über die Problematik mit den Geschlechtskrankheiten. Das geht manchmal mit anderen Homosexuellen besser als mit Heten."

"Mein Opa verbindet Homosexualität mit Krankheiten“

Thema ist auch, wie offen man mit seiner Sexualität umgeht: Unverblümt vor einem Queerdance-Plakat auf dem Campus stehenbleiben? In Lehrveranstaltungen Diskussionen über die Rechte von Homosexuellen anstoßen? Händchenhaltend über die Straße laufen? Viele haben schon Erfahrung mit offener Ablehnung gemacht.

"Gerade die Leute in den ländlichen Regionen sind sehr konservativ und nicht offen für Veränderungen. Mein Opa ist ein gutes Beispiel dafür, er verbindet Homosexualität nur mit Krankheiten", erzählt David (26), der aus der Nähe von Bautzen kommt. Besonders schwierig sei es natürlich, wenn die Eltern eine rechte Gesinnung haben.

Auch in einer Großstadt wie Dresden passiert es, dass Schwule blöd angemacht werden. "Mir hat auf der Straße beispielsweise mal einer laut 'schwul' hinterhergerufen", erzählt der 36-jährige Absolvent Matthias. "Ich frage mich, was das soll, aber eine Form der Ablehnung steckt bestimmt dahinter. "Dass Homosexualität auch 'im Osten' Thema ist und nicht nur in "Modestädten" wie Köln, kommt gerade in den gängigen Medien wie dem RTL-Fernsehen laut David viel zu selten rüber.


 AG SchLaU Dreden


"In Homo-Bars geht es oft nur um das Eine"

In Dresden gibt es noch weitere Netzwerke. Viele Homosexuelle gehen aber gezielt zu SchLaU, weil sie den Kontakt zu Studierenden suchen: "In Homo-Bars und anderen Szeneorten laufen teils dumme und niveaulose Menschen rum, häufig geht es in den Gesprächen nur um das Eine. Ich genieße es, dass ich hier über andere Themen sprechen kann, ohne mich für meine Homosexualität rechtfertigen zu müssen", sagt Adrian. Einmal hat zum Beispiel ein homosexueller Vater Fragen um das Thema Eheschließung und Adoptionsrecht beantwortet.

Auch Jan (33) geht deshalb noch zu den SchLaU-Treffen, obwohl er inzwischen seine Promotion abgeschlossen hat. Er kommt ursprünglich aus Prag und hat während seines Erasmus-Semesters in Dresden gemerkt, dass er schwul ist: "Es war natürlich eine zusätzliche Herausforderung, mich in einer fremden Sprache zu outen. Andererseits hat es mir das fremde Umfeld auch leichter gemacht, bestimmte Sachen zu sagen", erzählt er heute.

Und David fühlt sich unter den schwulen Studenten am wohlsten, obwohl er selbst kein Akademiker, sondern Elektriker ist: "Ich habe auf einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung gemerkt, dass die Studenten meine Meinung akzeptiert haben. Hier wird keiner diskriminiert, Vielfalt ist selbstverständlicher."


Die AG SchLaU an der TU Dresden

  • Das Team bietet keine "offizielle" fachliche Beratung, da niemand dafür ausgebildet ist.
  • Trotzdem ist es manchmal sinnvoll, fremde Personen zu einem Problem zu befragen anstatt Vertrauenspersonen.
  • Die Events und Gesprächsrunden stehen jedem offen.
  • Frauen nutzen die Angebote bislang selten.
  • Ein aktuelles Thema ist "Transgender" und vor allem die Diskussion um "All-Gender-Welcome-Toiletten".
  • Weitere Infos unter www.schlau-dresden.de

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